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Biotechnologieverband fordert Förderung der klinischen Entwicklung von COVID-19-Therapien

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Der Nachtragshaushalt 2020 hat rund 9,4 Milliarden Euro für Maßnahmen vorgesehen, um die Auswirkungen der Corona-Pandemie zu bekämpfen. Die Regierung hat schon mehr als eine Milliarde für die Corona-Impfstoffforschung reserviert und einen Großteil hiervon für drei Impfstoffentwickler in Deutschland zur Verfügung gestellt. Die Förderung später Phasen der klinischen Entwicklung vielversprechender Medikamente gegen COVID-19 hingegen wurde bisher nicht berücksichtigt. In einem offenen Brief an die Bundesministerin für Forschung sowie die Bundesminister für Gesundheit und Wirtschaft fordert der Biotechnologiebranchenverband BIO Deutschland eine solche Spätphasenförderung schnell auf den Weg zu bringen, um so auch wirkungsvolle Corona-Therapien vor allem für schwer erkrankte Patientinnen und Patienten zu ermöglichen.

Der Branchenverband legt den Kabinettsmitgliedern die Einrichtung eines Fonds „ans Herz“, um auch die Finanzierung der letzten Phase der klinischen Prüfung und der Marktproduktion von Medikamenten für solche Unternehmen sicherzustellen, die dies mangels eigener Gewinnen nicht leisten können. Im Erfolgsfall ist der Zuschuss moderat verzinst zurück zu zahlen, wenn das geförderte Unternehmen Gewinne erzielt. Im Falle eines Fehlschlages wird der Zuschuss abgeschrieben und die Verpflichtung zur Rückzahlung ausgesetzt.

„Die Corona-Impfstoffentwicklung wird in Deutschland mittlerweile sehr umfassend mit über einer Milliarde Euro gefördert. Wir begrüßen das ausdrücklich. Wir brauchen Impfstoffe, um die Pandemie einzudämmen. Es wird aber noch dauern, bis effektive Impfstoffe für die breite Bevölkerung zur Verfügung stehen, und selbst dann wird Zeit vergehen bis ein ausreichender Schutz, eine Herdenimmunität, etabliert ist“, sagt Helga Rübsamen-Schaeff, Co-Leiterin der AG Gesundheitspolitik der BIO Deutschland. „Zudem ist es nicht unwahrscheinlich, dass auch trotz der Zulassung von Impfstoffen weiterhin Patienten schwer an COVID-19 erkranken werden. Wir brauchen daher ebenso dringend wirkungsvolle Therapieoptionen, um vor allem schwere COVID-19-Verläufe abzumildern. Man darf auch nie vergessen, dass man nicht voraussagen kann, mit welchem Mittel eine Pandemie beherrschbar wird. Für HIV gibt es bis heute keinen Impfstoff. Hier haben wirkungsvolle Medikamente dem Virus seinen Schrecken genommen“, ergänzt Rübsamen-Schaeff.

Niels Riedemann, ebenfalls Co-Leiter der AG Gesundheitspolitik des Verbandes, kommentiert: „Die Entwicklung von neuen wirksamen Therapien gegen COVID-19 ist aufwendig und teuer, vor allem in den späten Entwicklungsphasen. Es ist wichtig zu verstehen, dass kleine und mittelständische Biotechunternehmen zum überwiegenden Anteil die Treiber dieser Entwicklungen sind. Da sie oft noch keine Gewinne aus der Vermarktung von Medikamenten erzielen, können diese Unternehmen solche Entwicklungen allein allerdings kaum finanzieren. Für die Impfstoffentwickler in Deutschland wurde dies nun zum ersten Mal von der Bundesregierung erkannt und eine Förderung auf den Weg gebracht. Analog hierzu sollten auch vor allem fortgeschrittene Therapeutika-Entwicklungen gefördert werden, welche sich beispielsweise auf die Verbesserung des Überlebens und der Organfunktion von schwer erkrankten Patienten konzentrieren. Solche Therapeutika könnten bereits in den nächsten neun bis zwölf Monaten einen Wirksamkeitsnachweis erbringen und dann erhältlich werden. Es ist daher aus gesundheitspolitischer und ökonomischer Sicht dringend geboten, auch diese Projekte besonders zu fördern und dies jetzt zu starten.“

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