Biodiversität auf Hoher See

Ca. 70% der Erdoberfläche sind von Ozeanen bedeckt. Diese spielen eine wichtige Rolle für das Erd- und Klimasystem. Durch die Intensivierung menschlicher Aktivitäten werden marine Lebensräume zunehmend zerstört und die biologische Vielfalt nimmt ab – mit entsprechenden sozialen und wirtschaftlichen Folgen.
50% der Meeresfläche entfallen auf die internationale Hochsee. Diese Flächen gehören also nicht zu den Hoheitsgewässern eines der Mitgliedstaaten der Vereinten Nationen (UN).
>>> Will man die biologische Vielfalt der hohen See schützen und deren Nutzung nachhaltig gestalten, braucht es gemeinsame internationale Anstrengungen.<<<
Internationale Verhandlungen
Nach langen Verhandlungen wurde 2023 das "Abkommen zum Schutz und zur nachhaltigen Nutzung der marinen biologischen Vielfalt in Gebieten jenseits nationaler Hoheitsgewalt“ (UN‑Hochseeschutzabkommen oder BBNJ‑Agreement) verabschiedet und ist seit Januar 2026 in Kraft
Das BBNJ-Agreement ist ein völkerrechtlicher Vertrag zum Meeresnaturschutz innerhalb des Seerechtsübereinkommens der UN (UNCLOS). Wesentliche Ziele sind die Erhaltung und nachhaltige Nutzung der biologischen Vielfalt der Hohen See sowie die gerechte Aufteilung der aus der Nutzung der marinen genetischen Ressourcen resultierenden Vorteile.
Das BBNJ-Agreement stellt rechtsverbindliche Regeln für folgende Bereiche auf:
- Einrichten von Meeresschutzgebieten mit effektiven Schutzmaßnahmen
- Verbindliche Umweltverträglichkeitsprüfungen von menschlichen Aktivitäten, die einen wesentlichen Einfluss auf die Meeresumwelt der Hohen See haben
- Regeln zum Umgang mit genetischen Ressourcen mariner Tiere und Pflanzen der Hohen See
- Unterstützung zum Schutz und zur nachhaltigen Nutzung der Biodiversität der Hochsee für ärmere Länder des globalen Südens durch Kapazitätsaufbau und Technologietransfer.
Es gibt verschiedene Querbezüge zu weiteren internationalen Abkommen, insbesondere im Rahmen der UN-Biodiversitätskonvention (CBD). So bildet das BBNJ‑Agreement die Rechtsgrundlage für die Verwirklichung des im Rahmen des "Global Biodiversity Frameworks von Kunming-Montreal” unter der CBD vereinbarten Ziels, 30 % der Weltmeere mittels gebietsspezifischer Managementmaßnahmen zu schützen.
Die Regelungen zum Umgang mit genetischen Ressourcen mariner Tiere und Pflanzen der Hohen See beinhalten auch Fragen des Zugangs und des gerechten Vorteilsausgleichs, die ebenfalls unter dem Dach der CBD geregelt sind (ABS-Regeln).
Der Standpunkt des VBIO

Der VBIO begrüßt die Anstrengungen der internationalen Gemeinschaft, gemeinsame Regeln für Schutz und Nutzung der Biodiversität auf Hoher See aufzustellen.
Die Regelungen zum Umgang mit genetischen Ressourcen - insbesondere die Notifikationspflichten und die Vorgaben zum gerechten Vorteilsausgleich in einem multilateralen System - müssen in der Umsetzung aber forschungsfreundlich ausgestaltet werden.
Insbesondere darf es nicht zu Widersprüchen oder Unklarheiten führen in Hinblick auf Erfordernisse, die aus anderen internationalen Verpflichtungen - vor allem der Biodiversitätskonvention bzw. dem Nagoya-Protokoll resultieren.
Zur Stellungnahme des VBIO im Rahmen des Ratifizierungsprozesses in Deutschland.
Weitere Informationen:
- Offizielle UN-Homepage zum BBNJ-Verhandlungsprozess
- DOSI
Die Deep-Ocean Stewardship Initiative (DOSI) ist ein globales Netzwerk zum Austausch über ein ökosystembasierten Management der Ressourcennutzung und Strategien zur Erhaltung der Integrität der Ökosysteme in der Tiefsee innerhalb. Hier finden sich Informationen und Positionen zu unterschiedlichen Einzelthemen mit Bezug zu BBNJ. - Stellungnahme der DFG zum nationalen Ratifizierungsprozess des neuenUN-Abkommens zum Schutz der Biodiversität der Hohen See (BBNJ) (Msi 2024)
- ‘High Time for the High Seas’
Zusammenfassende, gut aufbereitete Informationen finden sich in der IUCN Multimedia Story: ‘High Time for the High Seas’ - Erweiterte Fassung des BBNJ-Agreements
Auf der Website der UN - Die Rechtsordnung der Ozeane
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