VBIO News http://example.com VBIO News de Copyright Wed, 27 May 2026 12:12:47 +0200 Wed, 27 May 2026 12:12:47 +0200 TYPO3 news-38878 Wed, 27 May 2026 11:45:30 +0200 Blauer Planet mit weißem Fleck: Mehr als die Hälfte der Weltmeere ist unzureichend erforscht https://www.vbio.de/aktuelles/details/blauer-planet-mit-weissem-fleck-mehr-als-die-haelfte-der-weltmeere-ist-unzureichend-erforscht In einer aktuellen Studie hat die Senckenberg-Forscherin PD Dr. Hanieh Saeedi rund 48 Millionen Datensätze zu mehr als 184.000 marinen Arten analysiert – die weltweit erste Auswertung, die Muster der marinen Biodiversität und deren Einflussfaktoren entlang des gesamten Tiefengradienten in dieser Detailtiefe beleuchtet. Sie zeigt, dass über die Hälfte der Weltmeere kaum wissenschaftlich erfasst ist. So stammen beispielsweise aus den zentralen Tropen weniger als 2,5 Prozent aller Biodiversitätsdaten. Die Ergebnisse betonen die Bedeutung international koordinierter Forschung, Datenerhebung, Digitalisierung und langfristiger Monitoringprogramme zum Schutz der Meeresökosysteme.  Ozeane bedecken mehr als 70 Prozent der Erdoberfläche und bilden das größte zusammenhängende Ökosystem der Welt. Sie sind nicht nur Lebensraum für eine enorme Vielfalt an Organismen, sondern spielen auch eine zentrale Rolle für das globale Klimasystem und die Sauerstoffproduktion. „Trotz ihrer großen Bedeutung – auch für uns Menschen – sind Meere nach wie vor nur sehr lückenhaft erforscht. Schätzungen zufolge gibt es über 2,2 Millionen marine Arten, von denen aber etwa 90 Prozent noch nicht wissenschaftlich beschrieben sind“, erklärt PD Dr. Hanieh Saeedi, Leiterin des Bereichs Geobiodiversitätsinformation und Datenmanagement am Senckenberg Forschungsinstitut und Naturmuseum Frankfurt, und fährt fort: „Unser Wissen über die weltweite Artenvielfalt der Meere ist trotz jahrzehntelanger Forschung und umfangreicher Datensammlungen noch immer verzerrt und unvollständig. Wo liegen Hotspots mariner Artenvielfalt? Wo bestehen Wissenslücken? Und was sind Treiber für die Artenvielfalt?“

Um diesen Fragen auf den Grund zu gehen, hat die Senckenberg-Datenspezialistin in ihrer neuen Studie rund 48 Millionen Datensätze zum Vorkommen von Meeresorganismen ausgewertet. Diese stammen aus globalen, frei zugänglichen Datenbanken wie dem Ocean Biodiversity Information System (OBIS) und der Global Biodiversity Information Facility (GBIF). Insgesamt umfasst der Datensatz Informationen zu über 184.000 marinen Arten. „Das entspricht etwa 90 Prozent der wissenschaftlich beschriebenen und akzeptierten Meeresfauna. Ziel war es – erstmals in diesem Umfang – ein globales Bild der marinen Biodiversität zu erstellen. Nicht nur, um Verbreitungsmuster zu erkennen, sondern auch, um systematisch aufzuzeigen, wo Daten fehlen und welche Faktoren diese Muster beeinflussen. Dies ist auch für die Planung gezielter Schutzmaßnahmen im Rahmen der Ziele der UN-Ozeandekade wichtig“, erläutert Saeedi ihren Ansatz.

Die Auswertung berücksichtigt Daten von flachen Küstengewässern bis hin zu extremen Tiefen von rund 11.000 Metern. Zusätzlich wurden statistische Methoden eingesetzt, um Verzerrungen durch ungleichmäßige Beprobung auszugleichen. „Es ist die erste Auswertung der marinen Biodiversität weltweit auf Grundlage eines derart umfangreichen Datensatzes, die Biodiversitätsmuster und ihre Einflussfaktoren über den gesamten Tiefengradienten hinweg analysiert – von der Wasseroberfläche bis in die Tiefsee. Auch die Unterschiede zwischen den verschiedenen Meerestiefen und Tiergruppen wurden systematisch berücksichtigt“, so Saeedi. 

Die Ergebnisse der Meeresforscherin sind alarmierend: Mehr als die Hälfte der Weltmeere ist unzureichend untersucht oder die erhobenen Daten sind nicht öffentlich zugänglich. Das bedeutet, dass große Teile der Ozeane kaum „sichtbar“ sind. Besonders deutlich wird dies in der Tiefsee: Für mehr als 160 Millionen Quadratkilometer unterhalb von 200 Metern Tiefe gibt es praktisch keine verwertbaren Biodiversitätsdaten. Saeedi hierzu: „Gleichzeitig zeigen die Ergebnisse, dass die Artenvielfalt in der Tiefsee wahrscheinlich deutlich höher ist als bisher angenommen. Auch tropische und polare Regionen sind stark untererfasst, obwohl dort potenziell sehr viele Arten vorkommen.“ 
Aus den zentralen Tropen, einschließlich afrikanischer Meeresregionen, stammen weniger als 2,5 Prozent aller Datensätze. Anders sieht es in wirtschaftlich gut erschlossenen Regionen, wie dem Nordatlantik, und in flachen Meeresbereichen bis etwa 200 Meter Tiefe aus: Dort gibt es eine Konzentration von Daten. „Diese Ungleichverteilung führt dazu, dass bestimmte Muster der Artenvielfalt möglicherweise verzerrt dargestellt werden. In einigen Fällen werden Hotspots unterschätzt oder gar nicht erkannt, insbesondere in der Tiefsee und in wenig erforschten Regionen“, gibt Saeedi zu bedenken.

Auch die Treiber für die Artenvielfalt – also die Faktoren, die beeinflussen, wie viele Arten in einem Gebiet vorkommen und wie sich Biodiversität entwickelt oder verändert – lassen sich in den Weltmeeren nicht vereinheitlichen. Saeedis Studie zeigt, dass in flachen Meeresgebieten vor allem die Wassertemperatur eine zentrale Rolle für die Artenvielfalt spielt. In tieferen Meeresregionen sind Nährstoffkreisläufe und menschliche Aktivitäten entscheidend. Das liegt laut der Forscherin aber vermutlich auch daran, dass sich die bisherigen wissenschaftlichen Tiefseeexpeditionen nur auf bestimmte Regionen konzentrierten.

„Die Ergebnisse kommen zu einem entscheidenden Zeitpunkt für die globale Ozeanpolitik, da Regierungen im Rahmen der UN-Ozeandekade und internationaler Meeresschutzabkommen ehrgeizige Ziele zum Schutz der Biodiversität verfolgen. Schutzplanungen, die auf unvollständigen und geografisch verzerrten Daten beruhen, können dazu führen, dass besonders gefährdete Ökosysteme für Wissenschaft und Politik ‚unsichtbar‘ bleiben. Man kann nicht wirksam schützen, was nie beprobt, dokumentiert oder digital erfasst wurde“, warnt Saeedi und fährt fort: „Meine Studie zeigt, dass das globale Bild der marinen Biodiversität weiterhin stark davon geprägt ist, wo Forschende in der Vergangenheit Proben genommen und Daten veröffentlicht haben – weniger von der tatsächlichen Verteilung des Lebens im Ozean. Um die bestehenden Wissenslücken zu schließen, sind erhebliche internationale Investitionen notwendig – etwa in langfristige Monitoringprogramme, gezielte Tiefsee-Expeditionen, standardisierte Datenerhebungen, die groß angelegte Digitalisierung und Zusammenführung von Biodiversitätsdaten sowie stärker koordinierte internationale Forschungskooperationen. Nur so lässt sich die tatsächliche Vielfalt des Lebens in den Ozeanen realistisch erfassen und wirksam schützen.“

Senckenberg Forschungsinstitut und Naturmuseum Frankfurt


Originalpublikation:

Saeedi, H. Gaps and drivers of global marine animal biodiversity from the surface to abyss. Nat Commun 17, 4553 (2026). https://doi.org/10.1038/s41467-026-73613-z

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Wissenschaft Hessen
news-38877 Wed, 27 May 2026 11:41:15 +0200 Frauengesichter werden weltweit attraktiver bewertet als Männergesichter https://www.vbio.de/aktuelles/details/frauengesichter-werden-weltweit-attraktiver-bewertet-als-maennergesichter Warum gelten beim Menschen Frauen als das „schöne Geschlecht“, während in der Tierwelt oft die Männchen die auffälligeren und attraktiveren Merkmale zeigen? Diese Frage beschäftigt die Forschung seit Charles Darwin. Eine neue, groß angelegte Studie liefert nun erstmals klare empirische Befunde. Das internationale Forschungsteam unter Leitung des Max-Planck-Instituts für empirische Ästhetik (MPIEA) in Frankfurt am Main analysierte die Daten von über 28.500 Studienteilnehmer:innen mit insgesamt mehr als eineinhalb Millionen Bewertungen von Gesichtern aus verschiedenen Ländern und Kulturen. Dabei zeigte sich, dass Gesichter von Frauen im Durchschnitt als attraktiver bewertet werden als die von Männern. Dieser Effekt, den die Autoren der Studie als „Gender Attractiveness Gap“ (GAP) bezeichnen, tritt unabhängig von Alter, kulturellem Hintergrund oder Herkunft auf.

„Besonders interessant ist, dass Frauen andere Frauen deutlich attraktiver bewerten als Männer, während männliche Gesichter von beiden Geschlechtern ähnlich – und insgesamt relativ niedrig – bewertet werden. Der Unterschied besteht also nicht nur zwischen den Geschlechtern, sondern auch innerhalb derselben Geschlechtsgruppe“, berichtet Erstautor Eugen Wassiliwizky vom MPIEA. 

Das Team stellte auch fest, dass dieser Effekt verschwindet, wenn sich Menschen selbst bewerten: Männer und Frauen unterscheiden sich nicht in der Einschätzung ihrer eigenen Attraktivität. Darüber hinaus deuten die Ergebnisse darauf hin, dass Männer insgesamt kritischer urteilen als Frauen. Im Vergleich zum GAP ist dieser Effekt jedoch deutlich schwächer und abhängig von der kulturellen Sozialisierung.

Um die Ursachen des GAP-Musters besser zu verstehen, untersuchten die Forscher auch objektive Merkmale der Gesichter. Mithilfe morphometrischer Analysen – also quantitativer Verfahren zur Vermessung von Gesichtsstrukturen – bestimmten sie, wie feminin oder maskulin ein Gesicht ist. Die Ergebnisse zeigen, dass Unterschiede in dieser geschlechtstypischen Gesichtsstruktur einen erheblichen Teil des GAP erklären.

„Der GAP ist kein Artefakt oder statistischer Zufall, sondern ein robustes und breit beobachtbares Phänomen“, resümiert Wassiliwizky. „Er lässt sich zum Teil durch Unterschiede in der Gesichtsstruktur erklären, geht in Summe aber darüber hinaus.“

Insgesamt zeigt die Studie, dass Attraktivitätsurteile beim Menschen nicht allein eine Frage individueller Vorlieben sind. Sie entstehen aus einem Zusammenspiel von biologischen Merkmalen, individuellen Bewertungsmustern und sozialen Einflüssen. Der GAP weist auf systematische Unterschiede in der Wahrnehmung von Männern und Frauen hin – ein Phänomen, das bislang zwar oft vermutet, aber nie empirisch belegt wurde. Die Ergebnisse zeigen nun erstmals ein globales Muster.

Die Studie basiert auf der bislang größten Datensammlung zur Bewertung von Gesichtsattraktivität weltweit. Um Transparenz und Nachvollziehbarkeit zu gewährleisten und zukünftige Forschung zu unterstützen, stellen die Forscher alle Daten und Analysen öffentlich als Ressource zur Verfügung.

Max-Planck-Institut für empirische Ästhetik


Originalpublikation:

Wassiliwizky, E., Zietsch, B. P., Kleisner, K., & Ullén, F. (2026). The Gender Attractiveness Gap. Proceedings of the Royal Society B: Biological Sciences, 293(2071), Article 20260362. https://doi.org/10.1098/rspb.2026.0362

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Wissenschaft Hessen
news-38875 Wed, 27 May 2026 10:52:48 +0200 Wie das Gedächtnis unsere Blicke steuert https://www.vbio.de/aktuelles/details/wie-das-gedaechtnis-unsere-blicke-steuert Was fesselt unseren Blick wirklich? Eine neue Studie zeigt: Unsere Augen verweilen nicht dort, wo Bilder besonders kompliziert sind – sondern dort, wo das Gehirn entscheidet, Erinnerungen zu schaffen. Unsere Augen sind ständig in Bewegung. Rund 200.000-mal am Tag springen sie von einem Punkt zum nächsten. Doch nicht überall verweilt der Blick gleich lang: Manche Stellen betrachten wir kaum einen Augenblick lang, bei anderen halten wir deutlich länger inne. Warum? Die einfache Vermutung lautete: Weil manche Bildinhalte schwieriger zu verarbeiten sind. Eine neue Studie der Universität Osnabrück und des Max-Planck-Instituts für Kognitions- und Neurowissenschaften zeigt nun: Das stimmt so nicht. Entscheidend ist besonders, ob das Gesehene ins Gedächtnis überführt wird.

In einer in der Fachzeitschrift Nature Neuroscience veröffentlichten Arbeit hat ein Forschungsteam um Philip Sulewski und Prof. Dr. Tim C. Kietzmann vom Institut für Kognitionswissenschaft untersucht, was die Verweildauer unseres Blicks bestimmt. Dazu betrachteten die Versuchspersonen jeweils über 4.000 natürliche Szenen, während gleichzeitig ihre Hirnaktivität und Augenbewegungen aufgezeichnet wurden. In einem Teil der Durchgänge beschrieben die Teilnehmenden anschließend, was sie gesehen hatten.

Das Ergebnis war überraschend: Bildausschnitte, die schwer zu erkennen waren, erhielten kürzere Fixierungen, nicht längere. „Die bisherige Erklärung, dass komplexere Inhalte mehr Verarbeitungszeit brauchen, ließ sich somit nicht bestätigen“, sagt Prof. Dr. Tim C. Kietzmann. Auch auf neuronaler Ebene habe sich kein entsprechender Hinweis gefunden: Die Hirnaktivität stabilisierte sich stets zum gleichen Zeitpunkt, unabhängig davon, wie lange der Blick verweilte.

Stattdessen zeigte sich ein anderer Zusammenhang: Bildinhalte, die die Versuchspersonen später in ihren Beschreibungen erwähnten, waren zuvor deutlich länger betrachtet worden. Auch Inhalte, die ein trainiertes KI-System als besonders einprägsam einschätzte, erhielten längere Fixierungen. Dazu passend fanden die Forschenden während längerer Fixierungen verstärkt Signalmuster im Gehirn der Probanden, die als Kennzeichen von Gedächtnisprozessen gelten.

Die Studie zeichnet damit ein neues Bild der Blicksteuerung: Das Gehirn entscheidet sich für eine längere Verweildauer unseres Blicks, wenn es lohnenswert scheint, den Inhalt abzuspeichern. Mit unseren Augenbewegungen schaffen wir so aktiv die Voraussetzungen dafür, dass wichtige Informationen im Gedächtnis verankert werden können.

Universität Osnabrück


Originalpublikation:

Sulewski, P., Amme, C., Hebart, M.N. et al. Fixation duration on natural scenes is explained by memory encoding not processing demand. Nat Neurosci (2026). doi.org/10.1038/s41593-026-02285-1

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Wissenschaft Niedersachsen
news-38874 Wed, 27 May 2026 10:42:18 +0200 Natürliche Fluoreszenz im Feuersalamander entdeckt https://www.vbio.de/aktuelles/details/natuerliche-fluoreszenz-im-feuersalamander-entdeckt Ein internationales Forschungsteam hat entdeckt, dass der Feuersalamander (Salamandra salamandra) biofluoreszierend ist. Eine aktuelle Studie zeigt, dass der Salamander türkisfarbenes Licht reflektiert, wenn er ultravioletter Strahlung ausgesetzt wird. Dieses Phänomen war trotz jahrzehntelanger Forschung an dieser Amphibienart bisher unbemerkt geblieben. Unter ultraviolettem Licht zeigt der Feuersalamander charakteristische fluoreszierende Muster. Er strahlt vor allem an der Unterseite und an den Seiten sowie durch ihre Hautabsonderungen einen hellen türkisblauen Schimmer aus. Das Muster stimmt genau mit seinen Drüsenstrukturen überein. Die ökologische Bedeutung noch unklar: Das fluoreszierende Leuchten könnte eine kommunikative Funktion haben und bei der Balz, der Wanderung oder der Warnung vor Räubern eine Rolle spielen. Der Feuersalamander ist in Europa ein weithin bekanntes Tier. Er ist leicht an seinem unverwechselbaren schwarz-gelben Muster und den giftigen Sekreten, die er zur Verteidigung einsetzt, zu erkennen. Die Internationale Union für Naturschutz (IUCN) führt den Feuersalamander auf ihrer Roten Liste der bedrohten Arten als „gefährdet“. Er kommt vor allem in feuchten Wäldern, an Bächen und in Bergregionen vor, wobei seine Lebensräume immer mehr zerstört und zersplittert werden.

Ein Amphibium, das nachts im Wald leuchtet.

Die Studie des internationalen Forschungsteams unter der Leitung von Forschenden des Naturkundemuseums in Barcelona, des Instituts für Evolutionsbiologie des Nationalen Forschungsrates Spaniens (CSIC) und der Universität Pompeu Fabra in Barcelona (Spanien) und des Max-Planck-Instituts für chemische Ökologie in Jena zeigt, dass sich diese Biofluoreszenz vor allem auf den gelben Bauchbereich und die Körperseiten konzentriert. Verantwortlich dafür sind die Hautdrüsen und deren Sekrete, die ihre Leuchtkraft auch noch mehr als 24 Stunden nach ihrer Freisetzung beibehalten können.

„Es ist faszinierend, dass eine so gut erforschte Art immer noch solche unbekannten Phänomene in sich birgt. Das zeigt uns, dass selbst gut bekannte Lebewesen Geheimnisse hüten können, die sich erst offenbaren, wenn man sie mit neuen Methoden untersucht“, sagt Bernat Burriel. Er ist Forscher am Naturkundemuseum in Barcelona und Erstautor der Studie.

Wenn ultraviolettes Licht, das für das menschliche Auge nicht wahrnehmbar ist, auf die Haut der Salamander trifft, wandeln darin enthaltene chemische Substanzen dieses Licht um und strahlen es im sichtbaren Spektrum wieder ab. Dadurch entsteht eine auffällige Färbung in Grün- und Cyan-Tönen. Dieses Phänomen wird als Biofluoreszenz bezeichnet und unterscheidet sich von der Biolumineszenz dadurch, dass es von einer externen Lichtquelle abhängt. Biolumineszente Organismen wie Glühwürmchen erzeugen ihr Licht dagegen durch chemische Reaktionen selbst.

Lange Zeit ging die Forschung davon aus, dass Biofluoreszenz auf marine Lebensräume beschränkt sei, wobei Skorpione eine seltene Ausnahme darstellten. Eine Reihe neuerer Entdeckungen hat jedoch gezeigt, dass sie auch in terrestrischen Lebensräumen weit verbreitet ist, wobei Berichte über verschiedene Tiergruppen vorliegen, darunter Reptilien, Vögel und Amphibien.

Was ist der Zweck der Biofluoreszenz, und welche Substanz verursacht sie?

Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass die Biofluoreszenz wichtige ökologische Funktionen haben könnte. So könnte sie beispielsweise die Kommunikation zwischen einzelnen Salamander erleichtern, die Wahl eines Paarungspartners bzw. einer Paarungspartnerin beeinflussen oder Warnsignale verstärken, die sich gegen Feinde richten.

„Die Fluoreszenz erfüllt mehrere Kriterien, die auf eine kommunikative Funktion hindeuten. Sie könnte Salamandern helfen, einander in der Nacht oder in besonders dichten Umgebungen wahrzunehmen, oder als zusätzliches Abwehrsignal dienen“, sagt Martin Kaltenpoth, Leiter der Abteilung Insektensymbiosen am Max-Planck-Institut für chemische Ökologie und Mitautor der Studie. Darüber hinaus eröffnet die Tatsache, dass sie in giftigen Sekreten vorkommt, neue Hypothesen über ihre Rolle bei Interaktionen mit anderen Arten.

Die genaue Funktion der Fluoreszenz bei Feuersalamandern ist weiterhin unklar. Visuell orientierte Tiere mit hoher Lichtempfindlichkeit könnten diese cyan-grüne Fluoreszenz jedoch bereits bei sehr geringer Intensität wahrnehmen. Der Mensch kann sie hingegen nur mit Hilfe einer UV-Lampe erkennen. In einem Wald bei Nacht stammt das einzige Licht, das den Boden erreicht, auf dem die Salamander leben, von den Sternen und dem Mond. Interessanterweise enthält Vollmondlicht mehr UV- und violette Wellenlängen als Tageslicht, das eine relativ homogene Verteilung der Wellenlängen aufweist. Salamander könnten daher ihre Sichtbarkeit gegenüber Artgenossen erhöhen, indem sie ihrer gelben Haut cyan-grüne Flecken hinzufügen.

Die natürliche Fluoreszenz der Salamander könnte auch Teil einer aposematischen Signalstrategie sein. Dabei zeigen Tiere auffällige Warnfarben, um Feinde darauf hinzuweisen, dass sie giftig sind. Der Zusammenhang zwischen Warnfärbung und giftigen Verbindungen wurde bei Salamandern erstmals vor mehr als einem Jahrhundert mit der Entdeckung der Salamandrine nachgewiesen, einer Gruppe hochgiftiger Steroidalkaloide, die aus Cholesterinvorläufern stammen. „Das Vorhandensein dieser fluoreszierenden Verbindung war überraschend, da die Hautsekrete von Salamandern seit Jahrzehnten chemisch untersucht werden und uns keine veröffentlichten Berichte über Fluoreszenz bekannt waren“, sagt Andrés Brunetti, Forscher am Max-Planck-Institut für chemische Ökologie.

„Wir wissen noch nicht, um welche Verbindung es sich bei dieser Fluoreszenz handelt, aber alles deutet darauf hin, dass es sich um ein Molekül handelt, das bei dieser Art bisher unbekannt war. Seine Identifizierung wird entscheidend sein, um seinen Ursprung und seine Funktion zu verstehen“, fügt Salvador Carranza, Forscher am Institut für Evolutionsbiologie der Universität Pompeu Fabra und Mitautor der Studie, hinzu. Das Forschungsteam ist derzeit dabei, die in Frage kommenden Verbindungen chemisch zu charakterisieren.

Auswirkungen auf Forschung und Artenschutz

Diese Entdeckung erweitert das Wissen über die Biologie dieser Amphibien und macht deutlich, wie wertvoll es ist, Lebewesen aus neuen Blickwinkeln zu betrachten. Sie kann auch Auswirkungen auf den Artenschutz haben, denn ein besseres Verständnis der Kommunikations- und Verhaltensmechanismen kann zum Schutz gefährdeter Arten beitragen.

Diese Studie, an der auch Forschende des Instituts für Subtropische Biologie und der Katalanischen Gesellschaft für Herpetologie mitgewirkt haben, ist Teil eines wegweisenden Projekts zum Schutz von Amphibien in Katalonien, das von der Stiftung des Zoos von Barcelona finanziert wird.

Max-Planck-Institut für chemische Ökologie


Originalpublikation:

Burriel-Carranza, B.; Brunetti, A. E.; Skamnelou, M.; Escudero, J.; Estarellas, M.; Tulloch, S; Riaño, G.; Rivera, X.; Piulachs, M.-D.; Engl, T.; Weiss, B.; Kaltenpoth, M.; Carranza, S. (2026). Glandular biofluorescence in fire salamanders (Salamandra salamandra): first evidence and ecological implications. Royal Society Open Science 13: 251991. https://doi.org/10.1098/rsos.251991

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Wissenschaft Thüringen International
news-38873 Wed, 27 May 2026 10:36:39 +0200 Hohe Fettverbrennung: Stoffwechsel von Fledermäusen während der saisonalen Migration ähnelt dem von Vögeln https://www.vbio.de/aktuelles/details/hohe-fettverbrennung-stoffwechsel-von-fledermaeusen-waehrend-der-saisonalen-migration-aehnelt-dem-von-voegeln Fledermäuse sind die einzigen Säugetiere, die aktiv fliegen können. Viele Arten nutzen diese Fähigkeit für den saisonalen Zug, während dessen sie oft stundenlang ununterbrochen in der Luft sind. Diese Energieleistung würde den Stoffwechsel anderer Säugetiere überfordern, da diese nur in sehr begrenztem Umfang Fettsäuren verbrennen können. Forschende konnten nun durch die Messung von Stoffwechsel-Abbauprodukten im Blut von ziehenden Rauhautfledermäusen nachweisen, dass die Fettsäureverbrennung ein wichtiger Energielieferant für den Stoffwechsel der Fledermäuse ist – insbesondere während der Migrationszeit.  Für die Studie untersuchten die Forschenden um Alesia Walker (Helmholtz Munich), Shannon Currie und Christian Voigt (beide Leibniz-IZW) Blutproben von Rauhautfledermäusen (Pipistrellus nathusii), die in einem Windkanal unter kontrollierten Bedingungen flogen, sowie von Individuen derselben Art aus der freien Wildbahn während und außerhalb der Migrationszeit. Die untersuchten Fledermäuse wurden auf den Ornithologischen Forschungsstationen Engure und Pape in Lettland gefangen; 16 von ihnen flogen an der Universität Lund in einem Windkanal, durch den Luft mit einer Geschwindigkeit zwischen sechs und acht Metern pro Sekunde strömte. Von insgesamt 47 Rauhautfledermäusen wurden direkt nach dem Fangen oder nach einer Stunde Erholungszeit Blutproben genommen und analysiert – von 16 vor der Zugzeit und von 31 während der Zugzeit. Mit speziellen chromatographischen Methoden (Hydrophile Interaktionschromatographie/ Ultrahochleistungs-Flüssigchromatographie, HILIC/UHPLC) suchten die Forschenden nach Stoffwechselabbauprodukten (Metaboliten) und Fetten (Lipide).

Fledermauszug ist mit erhöhter Fettverbrennung verbunden

Die Untersuchung der Metabolite erbrachte deutliche Hinweise auf eine hohe Relevanz der Fettsäureverbrennung während der Migration. Bei länger fliegenden Fledermäusen sind beispielweise rund 70% der Acylcarnitine im Blut erhöht. Bei diesen handelt sich um die Transportform von Fettsäuren, die zur Verbrennung in die Mitochondrien (die „Kraftwerke“ der Zellen) eingeschleust werden. Ohne das Transportmolekül Carnitin ist die Mitochondrienmembran für Fettsäuren unpassierbar. Zudem registrierten die Forschenden bei ziehenden Fledermäusen im Vergleich zu den noch nicht ziehenden Fledermäusen deutlich höhere Konzentrationen an ungesättigte Fettsäuren tragenden Phosphatidylethanolaminen sowie mehrerer Phosphatidylcholine. 

„Wir konnten nachweisen, dass die Metabolite des Fettstoffwechsels während des Zugs der Rauhautfledermäuse deutlich erhöht waren. Dies widerspricht der etablierten Lehrmeinung, dass Säugetiere nur eingeschränkte Fähigkeiten zum Transport und zur Oxidation von Fettsäuren während Phasen großer Anstrengung aufweisen“, erklärt Dr. Alesia Walker, Wissenschaftlerin in der Abteilung Analytische Biogeochemie am Helmholtz Munich. „Dies gilt insbesondere für die Metabolite von ungesättigten Fettsäuren, während die Konzentrationen von Stoffwechselprodukten von gesättigten Fettsäuren keine nennenswerten Unterschiede zwischen ziehenden und nicht ziehenden Tieren aufweisen.“ Wie alle Säugetiere können auch Fledermäuse mehrfach ungesättigte Fettsäuren nicht selbst synthetisieren und müssen diese über die Nahrung aufnehmen. Während der Zugzeit nehmen die Rauhautfledermäuse insbesondere Insekten zu sich, deren Larven in Gewässern leben. Diese sind oft reichhaltiger in langkettigen, mehrfach ungesättigten Fettsäuren als waldbewohnende Insekten.

Physiologische Anpassungen von Fledermäusen ähneln jenen der Vögel

„Unsere Forschungsergebnisse zeigen, wie die Rauhautfledermäuse über die Verbrennung von Fettsäuren ihren Stoffwechsel für die lange Migration in die Winterquartiere fit machen“, sagt Prof. Dr. Christian Voigt, Leiter der Abteilung für Evolutionäre Ökologie am Leibniz-IZW. „Wir Menschen sind wie andere Säugetiere dazu nicht in diesem Umfang in der Lage, weil wir bei großer Anstrengung den hohen Energiebedarf nur sehr begrenzt über die Verbrennung von Fettsäuren bestreiten bedienen können. Wenn wir intensiv Sport treiben, stellt unser Körper die nötige Energie hauptsächlich aus Glykogenen, einer Kohlenhydrat-Speicherform, bereit.“ Nachdem die Glykogenspeicher während des Trainings oder Wettkampfs geleert wurden, hat der Körper nicht mehr genügend Energie, um die Muskelarbeit mit gleicher Intensität aufrechtzuerhalten. Dies kann zu einem Leistungsabfall und einer schnellen Ermüdung führen. Viele Sportler kennen dieses Phänomen als „hitting the wall“. Wenn Rauhautfledermäuse saisonal mehrere tausend Kilometer zwischen ihren Sommerlebensräumen in Nordosteuropa und ihren Winterlebensräumen in West- und Südeuropa zurücklegen, wäre ein solcher Leistungseinbruch fatal. „Fledermäuse machen es also ein Stück weit wie die Vögel und können dauerhaft hohe Leistung durch die Oxidation von Fettsäuren erbringen“, schließt Voigt. Damit könnten sie theoretisch, wie viele europäische Singvögel, sogar noch weiter bis nach Afrika ziehen. „Das tun sie jedoch nicht, ganz einfach weil sie es nicht müssen: Fledermäuse halten in ihren Winterquartieren einen mehrmonatigen Winterschlaf, was Vögel nicht können. Die Rauhautfledermaus kann beispielsweise im Mittelmeerraum gut über den Winter kommen und muss nicht in noch wärmere Gefilde ziehen.“

Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung


Originalpublikation:

A.Walker, T. T.Truong, M.Klingenspor, et al., “High Relevance of Fatty Acid Oxidation in a Migrating Mammal, the Nathusius' Pipistrelle (Pipistrellus nathusii),” The FASEB Journal40, no. 10 (2026): e71900, https://doi.org/10.1096/fj.202600860R.

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Wissenschaft Berlin
news-38872 Wed, 27 May 2026 10:32:23 +0200 Bäume auf Rinderweiden erhöhen die Artenvielfalt https://www.vbio.de/aktuelles/details/baeume-auf-rinderweiden-erhoehen-die-artenvielfalt Rinderhaltung ist die wichtigste Ursache für das Abholzen tropischer Wälder, stellt jedoch auch eine wichtige Lebensgrundlage für fast eine Milliarde Kleinbauern dar. Eine globale Studie zeigt nun, dass dieser Konflikt durch die Wiedereinführung von Bäumen in Weideland gemildert werden kann: Durch die Anpflanzung von Bäumen auf Rinderweiden wird die Artenvielfalt im Vergleich zu herkömmlichen Weiden fast verdoppelt – heimische Wälder und deren Schutz können diese Anpflanzungen jedoch nicht ersetzen. Wenn landwirtschaftliche Betriebe gezielt Bäume in Weideland integrieren, spricht man von silvopastoralen Systemen. Diese wurden in der aktuellen Studie der Justus-Liebig-Universität Gießen (JLU) erstmals auf globaler Ebene quantitativ untersucht. Bei ihrer Metaanalyse von 45 Studien aus 15 Ländern und vier biogeografischen Regionen stellten die Forschenden fest, dass silvopastorale Systeme 44 Prozent mehr Arten und fast doppelt so viele einzelne Tiere beherbergen wie baumlose Weiden. Gemessen am Artenreichtum näherten sie sich in vielen Fällen sogar dem Diversitätsniveau der nahegelegenen heimischen Wälder an.

„Wir wussten, dass Bäume einen Unterschied machen“, sagt Dr. Ricardo Perez-Alvarez vom Institut für Tierökologie und Systematik der JLU, Hauptautor der Studie. „Aber dass dieser Unterschied so groß war – und zwar über viele verschiedene Landschaften hinweg –, hat uns überrascht.“ Agroforstwirtschaft wird seit Langem als Instrument zum Naturschutz gefördert, jedoch meist im Zusammenhang mit dem Anbau von Kaffee oder Kakao. „Wir zeigen hier, dass diese Logik auch für die Rinderhaltung gilt“, so Dr. Perez-Alvarez. „Weideland nimmt eine weitaus größere Fläche ein als Ackerland. Die Umwandlung auch nur eines Bruchteils degradierter Weiden in silvopastorale Systeme könnte Vorteile für die Biodiversität in einem Ausmaß bringen, das mit anderen Agroforstsystemen kaum zu erreichen ist.“

Nicht alle Arten profitieren gleichermaßen

Die Studie zeigte auch, dass nicht alle Arten gleichermaßen von Bäumen auf den Weiden profitieren. Am stärksten waren die Zuwächse bei Pflanzen (plus 89 Prozent) und kleinen wirbellosen Tieren, die den Boden besiedeln (plus 81 Prozent). Zu letzteren zählen Insektenlarven, Regenwürmer, Asseln, Schnecken und Spinnentiere. Diese Tiere sowie Pflanzen reagieren empfindlich auf ihre Umgebung und bewegen sich – wenn überhaupt – nur wenig fort. Bei Insekten verzeichneten die Forschenden einen Anstieg von 68 Prozent. Im Gegensatz dazu zeigten Vögel, Säugetiere und Bodenmikroorganismen keinen signifikanten Unterschied zwischen Weiden mit und ohne Bäume.

Geografisch gesehen waren diese Vorteile in tropischen und subtropischen Regionen am ausgeprägtesten. Silvopastorale Systeme wiesen hier eine um 40 Prozent (tropische Regionen) bzw. 42 Prozent (subtropische Regionen) höhere Biodiversität auf. „Dies ist besonders bedeutsam, da diese Landschaften den größten Verlust an Biodiversität durch die Ausweitung der Rinderhaltung erfahren haben“, erläutert Dr. Perez-Alvarez. In mediterranen und gemäßigten Regionen wiesen Weiden mit und ohne Bäume jedoch vergleichbare Biodiversitätsniveaus auf. Die Forschenden haben in ihrer Studie ausschließlich Gebiete untersucht, in denen Weiden mit heimischem Wald vermischt sind – Savannen oder natürliche Graslandregionen waren nicht mit einbezogen.

Ein Instrument zur Renaturierung – kein Ersatz für Wälder

Obwohl silvopastorale Systeme und heimische Wälder über alle Regionen hinweg ein ähnliches Maß an Biodiversität aufwiesen, sind sie ökologisch nicht gleichwertig. „Einheimische Wälder bleiben unersetzliche Rückzugsgebiete für seltene Arten, Waldspezialisten und Tiere, die große, ungestörte Lebensräume benötigen – etwas, das bewirtschaftete landwirtschaftliche Betriebe nicht vollständig bieten können“, betont Prof. Dr. Emily Poppenborg Martin, Professur für Tierökologie an der JLU und leitende Autorin der Publikation. „Anstatt als Ersatz für den Waldschutz sollten silvopastorale Systeme als dessen wirkungsvolle Ergänzung verstanden werden: Sie schaffen sekundäre Lebensräume zwischen Waldfragmenten, die die Landschaftskontinuität verbessern und die ökologische Funktion degradierter Weideflächen wiederherstellen. So können diese Systeme den Naturschutzwert der umliegenden Schutzgebiete steigern.“

Diese Unterscheidung ist bedeutsam für politische Entscheidungsträger, die ehrgeizige globale Renaturierungsziele erreichen wollen. „Die Integration von Bäumen in Rinderweiden stellt eine wissenschaftlich fundierte Strategie zur Wiederherstellung der Biodiversität auf landwirtschaftlich genutzten Flächen dar – jedoch nur, wenn sie strategisch und unter Berücksichtigung von Geografie, Arten und lokalem Kontext eingesetzt wird“, so Prof. Poppenborg Martin. „Es muss zudem sichergestellt werden, dass die Förderung von silvopastoraler Systeme nicht unbeabsichtigt weitere Entwaldung begünstigt.“ Bei sorgfältiger Umsetzung böten silvopastorale Systeme jedoch einen vielversprechenden Weg, um die konkurrierenden Anforderungen der Nahrungsmittelproduktion und des Biodiversitätsschutzes in den am stärksten bedrohten Landschaften der Welt in Einklang zu bringen.

Justus-Liebig-Universität Gießen


Originalpublikation:

Perez-Alvarez, Ricardo, Julián Chará, Lauren D. Snyder, Michelle Bonatti, Stefan Sieber, and Emily A. Martin. 2026. “Meta-Analysis Shows Overall Benefits of Cattle Silvopastoral Systems for Biodiversity in Fragmented Forest Landscapes.” Ecological Applications36(3): e70255. https://doi.org/10.1002/eap.70255

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Nachhaltigkeit/Klima Wissenschaft Hessen
news-38870 Tue, 26 May 2026 13:04:24 +0200 Vielfältiges Leben auf felsigen Böden der Tiefsee entdeckt https://www.vbio.de/aktuelles/details/vielfaeltiges-leben-auf-felsigen-boeden-der-tiefsee-entdeckt Im Rahmen eines von chinesischen Wissenschaftlern initiierten Projekts zur Erforschung des Lebens in den Tiefseegräben der Weltmeere entdeckten Forschende jetzt eine verborgene Lebensgemeinschaft auf Gesteinsoberflächen in rund 10.000 Metern Tiefe. Die Forschenden fanden eine neue, vielfältige Fauna, die sich vor allem durch fadenförmige und sesshafte Protisten und Foraminiferen zusammensetzt. Die Lebewelt in der Dunkelheit der Tiefseegräben ist bisher kaum untersucht. Die Entnahme von Gesteinsproben sowie auf dem steinigen Untergrund siedelnden Organismen aus bis zu 11.000 Metern Tiefe ist ein schwieriges Unterfangen. Dennoch gelang es nun Forschenden des chinesischen Institute of Deep-sea Science and Engineering (IDSSE) mit dem bemannten U-Boot Fendouzhe, Proben von den felsigen Böden des Kermedec- und Mariannengrabes zu gewinnen – in einer Tiefe von ca. 10.000 Metern.

Die Forschenden fanden auf den Tiefseefelsen eine überraschend große Vielfalt an Arten, vor allem fadenförmige und sesshafte Protisten sowie Foraminiferen. Insgesamt 32 Arten aus sechs Stämmen, die meisten nur millimetergroß und der Wissenschaft bisher unbekannt, konnten die Wissenschaftler identifizieren, darunter eine neue Familie einkammeriger Foraminiferen und eine neue Familie von Moostierchen. Der Münchner Zoologe Bernhard Ruthensteiner von den Staatlichen Naturwissenschaftlichen Sammlungen Bayerns (SNSB) wertete einige der gefundenen Organismen mithilfe von 3D-Analysen von CT-Datensätzen und Schnittserien aus. Seine Analysen zeigten Erstaunliches: Einige der einzelligen Organismen ernähren sich offenbar aus Anteilen terrestrischer Pflanzen: In den Proben fanden sich unter anderem Verdauungsstadien von Kiefernpollenkörnern.

„Die Pollen haben offenbar Tausende Kilometer zurückgelegt, möglicherweise kamen sie per Wind aus Neuseeland. Dass Organismen in solch großen Tiefen sich von organischen Stoffen, also heterotroph, ernähren, haben wir nicht erwartet. Unsere Ergebnisse widersprechen früheren Annahmen einer autotrophen Ernährungsweise d.h. der Aufnahme anorganischer Stoffe zur Energiegewinnung“, sagt SNSB Zoologe Bernhard Ruthensteiner.

Geleitet wurde die Studie vom Institute of Deep-sea Science and Engineering (IDSSE) der Chinese Academy of Sciences (CAS). Beteiligt waren neben den Staatlichen Naturwissenschaftlichen Sammlungen Bayerns (SNSB) das National Institute of Water and Atmosphere Research, New Zealand, das National Oceanography Centre sowie das Natural History Museum, Großbritannien, die Universität Wien, die National Research and Innovation Agency, Indonesien, die Tsinghua-Universität, die Xiamen-Universität und das Institute of Software der Chinese Academy of Sciences.

Staatliche Naturwissenschaftliche Sammlungen Bayerns


Originalpublikation:

Xikun Song et al., Protist-dominated hard substrate faunas thrive at the deepest ocean depths. Science392, 749-754 (2026). https://www.science.org/doi/10.1126/science.aea7086 

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Wissenschaft Bayern
news-38869 Tue, 26 May 2026 12:26:46 +0200 Klimawandel schwächt die Reinigungsfunktion von Seen https://www.vbio.de/aktuelles/details/klimawandel-schwaecht-die-reinigungsfunktion-von-seen Seen übernehmen eine wichtige Filterfunktion im Ökosystem: Sie entfernen überschüssigen Stickstoff aus dem Wasser. Ein internationales Forschungsteam zeigt nun, dass der Klimawandel diese natürliche Reinigungsleistung schwächen könnte. Das hätte Folgen bis in Küstenökosysteme der Meere.  Wenn wir an Seen denken, kommen uns oft Fische und Frösche in den Sinn, Vögel am Ufer oder Plätze zum Baden. Doch Seen spielen auch eine zentrale Rolle im globalen Stickstoffkreislauf. Mikroorganismen wandeln Stickstoffverbindungen wie Nitrat oder Ammoniak in Stickstoffgas (N₂) um. Dieses wird in die Atmosphäre abgegeben und so effektiv aus der Biosphäre entfernt. Dieser Prozess der Stickstoffentfernung heisst Denitrifikation.

Rund 20 Prozent der natürlichen Stickstoffentfernung in Binnengewässern gehen auf solche Prozesse zurück. Eine neue Studie unter der Leitung der Universität Basel und der Eawag zeigt, dass diese Reinigungsfunktion empfindlich auf die Erwärmung durch den Klimawandel reagiert. Die Ergebnisse wurden in «Nature Microbiology» veröffentlicht.

Filter besonders im Winter aktiv

Für ihre Untersuchungen entnahmen die Forschenden Proben aus dem Baldeggersee im luzernischen Seenland. Der 5,3 Quadratkilometer grosse See gilt als typisch für viele Seen unserer Breitengrade, in denen sich das Wasser einmal pro Jahr vollständig durchmischt.

Die Forschenden konnten zeigen, dass die Denitrifikationsaktivität eng mit dieser saisonalen Durchmischung zusammenhängt. Im Winter vermischen sich im Baldeggersee die drei Wasserschichten vollständig: das warme, sauerstoffreiche Oberflächenwasser, die Übergangszone und das kalte, sauerstoffarme Tiefenwasser.

Stickstoff sammelt sich letzten Endes im Meer an

In dieser Phase ist die Denitrifikation um fast 50 Prozent aktiver als während der sommerlichen Schichtung. Genau hier liegt eine mögliche Gefahr des Klimawandels: «Die Fähigkeit von Seen, Stickstoff aus dem Wasser zu entfernen, ist stark von der Jahreszeit abhängig. Und diese wird durch den Klimawandel verändert», erklärt Erstautor Cameron Callbeck. In einem starken Erwärmungsszenario könnte sich die winterliche Mischphase um rund 27 Tage verkürzen. Entsprechend würde auch die Stickstoffentfernung im See abnehmen. «Warum die Denitrifikation besonders im Winter stattfindet, wissen wir derzeit allerdings noch nicht», so der Umweltwissenschaftler.

Seen übernehmen im globalen Stickstoffkreislauf eine wichtige Filterfunktion. Wenn sie Stickstoff nicht zurückhalten und abbauen, gelangt er über Flüsse ins Meer. Die Folgen können gravierend sein: Algenblüten in Küstenregionen, sogenannte «Todeszonen» mit Sauerstoffmangel und eine Belastung empfindlicher Ökosysteme. «Die Studie zeigt, dass selbst relativ geringe Verschiebungen im saisonalen Durchmischungsrhythmus von Seen den Stickstoffkreislauf auf Seenebene und insgesamt den globalen Stickstoffkreislauf messbar beeinflussen können», sagt Prof. Dr. Moritz Lehmann, Letztautor der Studie.

Kombination von Sedimentproben und See-Bilanz

Um die Denitrifikation im See zu messen, nutzten die Forschenden zwei Methoden. Einerseits versetzten sie Sedimentproben mit Stickstoffmolekülen, die das seltene Isotop 15N enthielten. Dieses Isotop erlaubte ihnen mit speziellen Messverfahren nachzuvollziehen, wie viel des markierten Stickstoffs zu Stickstoffgas umgewandelt wurde: ein Mass für die Aktivität der Denitrifikation.

Andererseits erstellten sie eine Modellierung für den ganzen Baldeggersee, um abzuschätzen, wie viel Stickstoff der See insgesamt abbaut. «Die Isotopenmessungen und die berechnete Gesamtbilanz stimmten zwischen den Beobachtungen und dem Modell überein. Dies ermöglichte es uns, zuverlässige Vorhersagen zum Stickstoffabbau im See zu treffen, und zeigte, dass die Winterzeit tatsächlich eine Phase intensiver Denitrifikation ist», so Callbeck.

Die Winteraktivität wird durch eine mikrobielle Symbiose angetrieben

Die Forschenden entdeckten zudem eine Art mikrobielles Teamwork im Sediment. Bestimmte Bakterien bauen dort Chitin ab – ein robustes Molekül, das etwa aus den Hüllen von Zooplankton oder aus abgestorbenen Algen stammt und sich im Seegrund ansammelt. Beim Abbau entstehen Verbindungen, die anderen Mikroorganismen als Energiequelle dienen. Diese wiederum betreiben Denitrifikation und wandeln Nitrat in Stickstoffgas um. Der Chitinabbau liefert also gewissermassen den Treibstoff für den Prozess, durch den der See überschüssigen Stickstoff aus dem Wasser entfernt.

In einem nächsten Schritt wollen die Forschenden untersuchen, ob die beobachteten Prozesse auch Effekte auf die Produktion von klimaschädlichem Lachgas in Seen haben. Dies hängt mit der Denitrifikation und anderen wichtigen Stickstoffumwandlungsprozessen in Seen zusammen.

Universität Basel


Originalpublikation:

Callbeck, C.M., Mazzoli, A., Paulus, T.J. et al. Seasonality of lake microbial denitrification and its sensitivity to climate warming. Nat Microbiol (2026). doi.org/10.1038/s41564-026-02349-9

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Nachhaltigkeit/Klima Wissenschaft International
news-38867 Tue, 26 May 2026 08:47:39 +0200 „Unterstützt die Menschen vor Ort beim Schutz der Natur weltweit“ https://www.vbio.de/aktuelles/details/unterstuetzt-die-menschen-vor-ort-beim-schutz-der-natur-weltweit Eine neue Studie zeigt: Das UN-Naturschutzziel, bis 2030 fast ein Drittel der Erdoberfläche unter Schutz zu stellen, könnte direkte Auswirkungen auf das Leben von fast der Hälfte der Weltbevölkerung haben.  Um das globale Artensterben zu stoppen, sollen mindestens 30 Prozent der weltweiten Land- und Meeresflächen bis zum Jahr 2030 unter Schutz gestellt und 30 Prozent der geschädigten Ökosysteme wiederhergestellt werden, so wurde es auf der 15. UN-Biodiversitätskonferenz 2022 in Montreal beschlossen. Welche Auswirkungen das Erreichen des „30x30“-Ziels auf das Leben von weiten Teilen der Weltbevölkerung haben könnte, hat nun erstmalig ein interdisziplinäres Team aus internationalen Forscher*innen und Praktiker*innen unter der Leitung des „Conservation Research Institute“ der Universität Cambridge und unter Beteiligung der Humboldt-Universität zu Berlin (HU) untersucht. Fazit: Der Faktor Mensch wird als entscheidend für den Erfolg eingestuft. Denn in vielen Fällen werden gerade die Menschen die Nachteile zu spüren bekommen, die in den Gebieten leben, die für die Artenvielfalt wichtig sind und unter Schutz gestellt werden sollen. Die Unterstützung dieser Menschen – finanziell und auf andere Weise –, ist für den Erfolg des „30x30“-Ziels entscheidend, heißt es in der Studie, die in der Fachzeitschrift „Nature Communications“ erschienen ist.

Erster Ansatz: Schutz von so vielen Arten und Ökosystemen wie möglich

„Die Hauptbotschaft unserer Untersuchung lautet: Unterstützt die Menschen vor Ort beim Schutz der Natur weltweit“, bringt Prof. Dr. Tobias Kümmerle vom Geographischen Institut der HU und einer der Co-Autoren der Studie die Ergebnisse auf den Punkt. „Wir haben dabei drei Naturschutzansätze untersucht, die es ermöglichen würden, das „30x30“-Ziel zu erreichen, um den Rückgang der Artenvielfalt umzukehren.“ Der erste Ansatz zielt darauf ab, so viele verschiedene Arten und Ökosysteme wie möglich zu schützen. In diesem Fall würden 46 Prozent aller Menschen weltweit ab 2030 innerhalb eines Naturschutzgebiets oder in einem Umkreis von zehn Kilometern leben, stellten die Wissenschaftler*innen fest. 
Das Team hat herausgefunden, dass es jedoch keinen optimalen Ansatz für den Naturschutz gibt – die Auswirkungen auf die Menschen werden stark variieren, sind potenziell aber immer bedeutend und weitreichend.

Denn das Leben in oder in der Nähe von Schutzgebieten kann positive, negative oder neutrale Auswirkungen auf den Lebensunterhalt und das Wohlbefinden haben. Zu den potenziellen Vorteilen gehören beispielsweise die Sicherung einer nachhaltigen Versorgung mit sauberem Wasser, Naturressourcen wie medizinisch genutzte Pflanzen und der Zugang zu kulturellen Stätten. Zudem können geschützte Wälder Überschwemmungen verhindern. Jedoch kann die Ausweisung von Schutzgebieten auch dazu führen, dass Menschen zukünftig daran gehindert werden, weiter in einem Gebiet zu leben oder Ressourcen wie bisher zu nutzen.

Die endgültigen Auswirkungen der Einrichtung neuer Naturschutzgebiete auf die lokale Bevölkerung hängen also entscheidend davon ab, wie diese Gebiete gestaltet und verwaltet werden. So besteht beispielsweise ein großer Unterschied zwischen einem Nationalpark mit strikten Regeln und einem indigenen Schutzgebiet. Unabhängig davon, welcher Ansatz gewählt wird, erfordert es laut der Studie erhebliche Investitionen sowie Verfahren, die der lokalen Bevölkerung eine Mitsprache bei der Entscheidungsfindung ermöglichen, um sicherzustellen, dass die Menschen vor Ort nicht benachteiligt werden.

Zwei alternative Ansätze: Schutz großer Lebensraumgebiete oder Bewirtschaftung durch indigene Völker und lokale Gemeinschaften

Der zweite Ansatz konzentriert sich auf den Schutz großer Lebensraumgebiete – vor allem im Amazonasgebiet und im Kongo –, die natürliche „Dienstleistungen“ für Menschen auf der ganzen Welt erbringen, wie beispielsweise die Kohlenstoffspeicherung. Der dritte Ansatz räumt Gebieten mit hohem Naturschutzwert, die von indigenen Völkern und lokalen Gemeinschaften verwaltet und bewirtschaftet werden, Vorrang ein gegenüber strikten Schutzgebieten und einem alleinigen Fokus auf den Schutz bedrohter Arten. Zwar würden diese alternativen Ansätze deutlich weniger Menschen betreffen als ein Ansatz, der sich auf den Schutz der meisten Arten konzentriert, doch wäre ein höherer Anteil der betroffenen Menschen sehr arm und damit umso mehr auf die Nutzung von Naturressourcen und das Recht, traditionelle Lebensweisen fortzuführen, angewiesen.
Es gibt anhaltende Debatten darüber, welche Land- und Meeresgebiete geschützt werden sollten und wie eine erfolgreiche Umsetzung weltweit sichergestellt werden kann, jedoch fokussiert die Debatte hierbei selten auf die Auswirkungen auf lokale Bevölkerungen. Da nur noch vier Jahre verbleiben und weniger als 20 Prozent der weltweiten Land- und Meeresflächen unter Schutz stehen, geht das Team davon aus, dass die Bemühungen zur Erreichung des „30x30“-Ziels nun deutlich intensiviert werden müssen.

Biodiversitätsrahmen von Kunming-Montreal 

Der Globale Biodiversitätsrahmen von Kunming-Montreal ist am 19. Dezember 2022 von den Vertragsstaaten auf der 15. Weltnaturkonferenz (CBD COP 15) im kanadischen Montreal beschlossen worden, nachdem der geplante Konferenzort im chinesischen Kunming wegen der Covid-19-Pandemie ausgefallen war. Das Rahmenwerk legt einen ehrgeizigen Weg fest, um die Vision einer Welt zu verwirklichen, die bis 2050 im Einklang mit der Natur lebt. Das 30x30-Ziel ist Teil dieses Rahmenwerks. 196 Länder, darunter auch Deutschland und das Vereinigte Königreich, haben sich während der UN-Biodiversitätskonferenz formell dazu verpflichtet, dieses Ziel zu erreichen.

Humboldt-Universität zu Berlin


Originalpublikation:

Fajardo, J., Bingham, H.C., Brockington, D. et al. Social implications of the 30×30 global conservation target. Nat Commun 17, 4067 (2026). doi.org/10.1038/s41467-026-71860-8

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Nachhaltigkeit/Klima Wissenschaft Berlin
news-38866 Tue, 26 May 2026 08:13:20 +0200 VBIO Online-Webinarreihe: „Das Altern und die Kommunikation von zellulärem Metabolismus und Epigenetik“ https://www.vbio.de/aktuelles/details/vbio-online-webinarreihe-das-altern-und-die-kommunikation-von-zellulaerem-metabolismus-und-epigenetik Die Online-Webinarreihe „Faszination Biologie“ des VBIO gibt am 30.06.2026 von 17.00 bis 19.00 Uhr einen Einblick in das Thema: „Das Altern und die Kommunikation von zellulärem Metabolismus und Epigenetik“, mit Prof. Dr. Peter Tessarz (Department of Human Biology, Radboud University, Nijmegen, Niederlande). Dieses wissenschaftliche Webinar richtet sich nicht nur an Unterrichtende, sondern an alle Interessierten. Altern zählt zu den komplexesten biologischen Prozessen und wird nicht nur durch genetische Faktoren bestimmt, sondern auch durch tiefgreifende Veränderungen im Epigenom — jener dynamischen Schicht chemischer Modifikationen, die steuert, wie unsere DNA abgelesen wird. Der Vortrag präsentiert aktuelle Erkenntnisse der Forschungsgruppe von Prof. Tessarz darüber, wie Chromatinarchitektur und Metabolismus gemeinsam die Genregulation während des Alterns koordinieren und wie Störungen in dieser Achse zu altersbedingter zellulärer Dysfunktion beitragen. Dieses wird anhand von Beispielen in zwei Geweben aufgezeigt.

Anhand räumlicher und Einzelzell-Multi-Omics-Daten aus der alternden Mausleber wird gezeigt, dass das Altern mit einer weitreichenden Zunahme der Zugänglichkeit von Chromatin einhergeht und überraschende Erkenntnisse, wie dies die Regulation der Transkription beeinflusst. Darüber hinaus wird belegt, wie metabolische Signale — hier die zytosolische/nukleäre Verfügbarkeit von Acetyl-CoA — direkt in die epigenetische Umprogrammierung einfließen und Differenzierungsprozesse und -entscheidungen in mesenchymalen Stammzellen beeinflussen.

Diese Befunde positionieren die Metabolismus-Epigenetik-Achse als zentralen Regulator des Alterungsprozesses und eröffnen potenzielle Ansatzpunkte für Interventionen zur Beeinflussung von Krankheitsverläufen in alterndem Gewebe.

Der VBIO konnte für dieses Webinar Herrn Prof. Dr. Peter Tessarz (Department of Human Biology, Radboud University, Nijmegen, Niederlande) gewinnen. 

Im Rahmen dieser Online-Webinarreihe „Faszination Biologie“ berichten Wissenschaftler/-innen zu ihrem Forschungsfeld und treten in den Dialog. Monatlich werden andere biologische und biomedizinische Inhalte in den Blick genommen, vertiefend erläutert und anschaulich erklärt. Anschließend werden in der Regel Text- und Bildmaterialien für den Privat- und Dienstgebrauch in z. B. Schule zur Verfügung gestellt. Anknüpfungspunkte zu den Bildungsstandards im Fach Biologie (KMK 18.06.2020) lassen sich in allen Vorträgen finden.

Weitere Vorträge (https://www.vbio.de/informationsangebote/faszination-biologie) folgen und sind schon in der Ankündigung zu finden; hochqualifizierte Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sind angefragt. Im Mittelpunkt der Vorträge stehen wissenschaftliche Erkenntnisse und der Weg dorthin. Relevante Fachmethoden werden ebenfalls vorgestellt – und selbstverständlich werden Ihre Fragen beantwortet. 

Bitte registrieren Sie sich so rasch wie möglich – spätestens am Veranstaltungstag bis 16 Uhr. Bei Anmeldung nach 16 Uhr kann eine Teilnahme nicht garantiert werden. 

https://eu01web.zoom.us/webinar/register/WN_om2nq8UKSWWNTflaWElhhQ 

Alle Informationen finden Sie auch auf dem Veranstaltungsposter.

VBIO

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VBIO-Online: Faszination Biologie Bundesweit