VBIO

Biowissenschaften in der Mitte der Gesellschaft 

Der VBIO übernimmt Verantwortung, stellt sich dem Diskurs und bezieht Position.

Aktuelles aus den Biowissenschaften

Bundersministerin Bär stellt Roadmaps zur Umsetzung der Hightech Agenda vor

Zielmarken, Meilensteine, Fahrpläne: Am Mittwochmittag hat Technologieministerin Dorothee Bär (CSU) im Forschungsausschuss die ersten sechs Roadmaps für die Schlüsseltechnologien der Hightech Agenda Deutschland (HTAD) vorgestellt. 

„Wir wollen in den Roadmaps die ersten wesentlichen Schritte nochmal konkretisieren - für unsere Wettbewerbsfähigkeit, für unsere Wertschöpfung, aber vor allem auch für unsere technologische Souveränität“, sagte Bär zu Beginn des Gesprächs. Mit der HTAD will die Bundesregierung Deutschland zum „Top-Technologieland“ machen und die Standortattraktivität für Forschung und Wirtschaft erhöhen. Ein besonderer Fokus der Agenda liegt dabei auf den sechs Schlüsseltechnologien (Künstliche Intelligenz, Quantentechnologien, Mikroelektronik, Biotechnologie, Fusion und klimaneutrale Energieversorgung sowie Technologien für die klimaneutrale Mobilität). 

In den vergangenen Monaten hat die Bundesregierung in diversen Formaten wie Partnerdialogen mit den Umsetzungspartnern aus Bund, Ländern, Wissenschaft und Wirtschaft gesprochen, um sogenannte Roadmaps - also eine Art Fahrplan mit Zielmarken und Maßnahmen für die einzelnen Schlüsseltechnologien - zu erstellen. 

Am Mittwoch und Donnerstag will das Bundesforschungsministerium (BMFTR) die ersten sechs Roadmaps (Künstliche Intelligenz, Mikroelektronik, Biotechnologie, Fusion, Batterien, Quantentechnologie) genauer vorstellen. Die Veröffentlichung der Roadmaps sorge bei der Umsetzung der HTAD für große Transparenz. Für Bär ist das „Segen und Fluch“ zugleich, schließlich könne der Erfolg an den konkret benannten Meilensteinen wesentlich leichter gemessen werden. 

Getreu dem Motto „Nach den Roadmaps ist vor den Roadmaps“ kündigte Bär bereits an, dass weitere Fahrpläne unter anderem für die Bereiche Robotik und klimaneutrale Energie folgen werden. „Die Roadmaps sind kein Selbstzweck, sondern unser Fahrplan“, betonte sie. Es gehe nun darum, die angekündigten Maßnahmen rasch umzusetzen. Während des Gesprächs im Ausschuss gab die Forschungsministerin einen kurzen Einblick in die genannten Maßnahmen und Meilensteine. 

Im Bereich Künstliche Intelligenz sei geplant, dass rund zehn Prozent der Wertschöpfung in Deutschland durch KI generiert werden sollten. Auch solle der Anteil der kleine und mittlere Unternehmen im produzierenden Gewerbe, die KI in ihren Kernprozessen einsetzen, auf über 50 Prozent erhöht werden. Bei der Quantentechnologie hob Bär insbesondere den Aspekt der Abhörsicherheit durch Quantenkommunikation hervor. 

„Nicht nur Konsument, sondern Hersteller“ solle Deutschland im Bereich Mikroelektronik werden. In deutschen Laboren sollten weltmarktfähige Chips entstehen. Hierbei sei beispielsweise das Kompetenzzentrum für Chip-Design ausgeschrieben. Im Zuge der Batterie-Roadmap will die Bundesregierung laut Bär eine Wertschöpfungskette aufbauen, die Deutschland „weniger erpressbar durch Rohstoffabhängigkeiten“ mache. Sie unterstrich die Bedeutung von Batterien und der Batterieforschung: „Ohne leistungsfähige Batterien haben wir keinen Solarstrom für die Nacht, keine Elektromobilität, keine klimaneutrale Industrie.“ Auch beim Thema Fusion betonte sie, dass hier ein Fokus auf sauberer Energie ohne Abhängigkeiten liege. 

Als Zielmarken im Bereich Biotechnologie nannte die Ministerin unter anderem, dass das Translationszentrum für Gen- und Zelltherapie 2028 eröffnet werden solle. Auch die erste mRNA-Krebsimmuntherapie solle bis dahin zugelassen werden. Einst die Apotheke der Welt, wolle Bär, „dass aus deutscher Forschung wieder Weltunternehmen werden“. 

Auf eine Frage der AfD-Fraktion, ob die Bundesregierung das Ziel verfolge, etwa im Bereich KI mit den USA und China gleichzuziehen, antwortete Bär, dass dies nicht der Anspruch sei. Statt zu versuchen, „mit einem restriktiven Staat oder Tech-Milliardären“ mitzuhalten, müsse sich die Bundesregierung auf ihre Stärken und Alleinstellungsmerkmale konzentrieren. 

Als „lebendes Dokument“ angelegt, sei geplant, die Roadmaps und die darin enthaltenen Maßnahmen regelmäßig zu evaluieren und gegebenenfalls anzupassen. Mit der Veröffentlichung der Roadmaps beginne nun außerdem die Online-Konsultation. Sechs Wochen lang ermöglicht das BMFTR es, zu den einzelnen Roadmaps Feedback und Anregungen zu geben. 

______

Der VBIO kommentiert die Roadmap Botechnologie wie folgt:

Ausgesprochen positiv ist, dass die Roadmap bestehende und geplante Impulse in einen Gesamtkontext bringt und sie mit Meilensteinen, Zeithorizonten, Indikatoren und Zielmarken versieht. Letzte sind unterschiedlich detailliert ausgearbeitet, nicht in allen Fällen mit einer zeitlichen oder statistischen Baseline versehen und unterschiedlich ambitioniert. 

Die Roadmap zur Biotechnologie ist ein Beleg für das in der aktuellen Situation politisch machbare. Dabei ist zu berücksichtigen, dass wichtige regulatorische Weichenstellungen (EU-Biotech Act, Regulation von Pflanzen, die mit neuen genomischen Techniken modifiziert wurden) nicht in den alleinigen Aufgabenbereich der Bundesregierung fallen. 

Insgesamt hätten wir uns in Hinblick auf regulatorischer Umsetzung, aber auch bezüglich der verbindlichen Finanzierung, der föderalen Koordination und der Stärkung der biologischen Grundlagenforschung mehr Mut gewünscht: Ja, Deutschland braucht Translationszentren, Start-ups und Verfahrensbeschleunigung – aber eben auch starke Universitäten, leistungsfähige außeruniversitäre Forschung, moderne Forschungsdateninfrastrukturen, sichere Datenräume, klare regulatorische Zuständigkeiten und eine umfassende Strategie für systematische Nachwuchs- (und Fachkräfte)sicherung. Diese Punkte hätten aus unserer Sicht deutlicher adressiert werden können um die Biotechnologie in Deutschland auch jenseits der zitierten Leuchttürme und der Zeithorizonte zukunftsfähig aufzustellen.

Als Biologie-Verband setzt der VBIO daher auf den im vorliegenden Entwurf betonten Charakter der Roadmap als „lebender Prozess“ und hoffen, dass zukünftig auch Fragen der Ausbildung und Grundlagenforschung stärkere Berücksichtigung finden.

(hib/VBIO

weitere VBIO News

Bundesdelegiertenkonferenz des VBIO mit spannenden Rück- und Ausblicken

Weiterlesen

Neue Studienorientierungskampagne von "Wissenschaft verbindet"

Weiterlesen
Eu Flagge

VBIO kommentiert EU Biotech Act I: Höhere Anforderungen, aber keine Unterstützung für die Grundlagenforschung

Weiterlesen