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HWK-Study Group entdeckt sechstes Artensterben

Synoptische Darstellung der großen Massenaussterben der Weltgeschichte unter Betonung der Carnian Pluvial Episode (CPE) vor 233 Mio. Jahre
Synoptische Darstellung der großen Massenaussterben der Weltgeschichte unter Betonung der Carnian Pluvial Episode (CPE) vor 233 Mio. Jahren D. Bonadonna/MUSE, Trento

Ein internationales Team von 17 Forscherinnen und Forschern unter der Leitung des ehemaligen HWK-Fellows Jacopo Dal Corso (China University of Geosciences, Wuhan) und Mike Benton (Universität Bristol) hat entdeckt, dass Vulkaneruptionen vor 233 Mio. Jahren einen Klimawandel einleiteten, der ein Massenaussterben auslöste und die weltweite Verbreitung der Dinosaurier begünstigte. Die Forschungsergebnisse der Gruppe, deren Arbeit maßgeblich durch die Förderung des HWK ermöglicht wurde, sind jetzt als Fachpublikation erschienen.

„Die Eruptionen erreichten ihren Höhepunkt im Karnium“, zitiert die Universität Bristol HWK-Alumnus Jacopo Dal Corso. Das Karnium gehört zu den bisher wenig verstandenen Phasen in der Entwicklung des globalen Klimawandels, in der bedeutende biologische Fluktuationen auftraten. Den Ursprung des Ereignisses, das als Carnian Pluvial Episode (CPE) bezeichnet wird, vermuten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in der magmatischen Großprovinz Wrangellia in Westkanada. Sichtbarer Überrest des Ereignisses seien die großen Mengen Basalt, die heute einen Großteil der Westküste Nordamerikas bilden.

Sechstes Massenaussterben bildete Grundlage für Ausbreitung der Dinosaurier

„Bisher hatten Paläontologen fünf ‚große‘ Massenaussterben in den letzten 500 Mio. Jahren der Geschichte des Lebens identifiziert. Jedes hatte großen Einfluss auf die Evolution der Erde und des Lebens. Wir haben jetzt ein weiteres großes Massenaussterben entdeckt, das offenbar maßgeblich zur Wiederherstellung des Lebens auf dem Land und in den Ozeanen beigetragen hat und gleichzeitig den Ursprung moderner Ökosysteme kennzeichnet […]“, so Dal Corso weiter.

Der folgende Klimawandel verursachte einen großen Verlust an biologischer Vielfalt, begünstigte jedoch zugleich das vermehrte Auftreten neuer Tier- und Pflanzengruppen und die Bildung von Ökosystemen, die den heutigen ähneln. Die Klimaveränderungen förderten das Wachstum von Pflanzen und die Ausbreitung von Nadelwäldern. Das neuerliche Massenaussterben habe nicht nur Dinosauriern Bedingungen geschaffen, die sie für ihre weltweite Ausbreitung benötigten. Zahlreiche moderne Tiergruppen, darunter erste Schildkröten, Krokodile, Eidechsen und die ersten Säugetiere, begannen nun sich auszubreiten, so die Erkenntnisse der Gruppe.

Die CPE hatte auch auf die Chemie der Weltmeere erhebliche Auswirkungen. Rund 33% der marinen Arten verschwanden, während die Grundlage für das Entstehen moderner Korallenriffe gelegt wurde.

HWK-Förderung ermöglichte Arbeit der Forschergruppe

Die jetzt in der Fachzeitschrift „Science Advances“ veröffentlichten Forschungsergebnisse wurden maßgeblich durch die Förderung der Study Group von Jacopo Dal Corso „The Carnian (237-229 Ma): The Dawn of the Modern World“ durch das HWK ermöglicht. Im Rahmen der Gruppe, die von Dal Corso geleitet wird, kooperieren seit 2018 16 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, die in Delmenhorst regelmäßig zu Arbeitstreffen zusammenkommen. „Ich freue mich sehr, dass das HWK mit seiner Förderung der Study Group seines ehemaligen Fellows Jacopo Dal Corso zu diesen wichtigen, erdgeschichtlich überaus relevanten Erkenntnissen beitragen konnte“, so Doris Meyerdierks, Leiterin des Wissenschaftsbereichs EARTH am HWK.

Hanse-Wissenschaftskolleg


Originalpublikation:

J. Dal Corso et al.: “Extinction and dawn of the modern world in the Carnian (Late Triassic)”, Science Advances 6, 2020

https://doi.org/10.1126/sciadv.aba0099