Im Rahmen ihrer von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) geförderten Promotion zeichnete Lisa Printz vom Museum für Naturkunde Berlin über drei Jahre hinweg Tausende von Rufen in Kirchen und Dachböden in Bayern auf. Dabei identifizierte sie 14 unterschiedliche Lauttypen, von aggressiven Rufen bis hin zu komplexen Balztrillern. Besonders auffällig sind die sogenannten FM-Triller: Balzvokalisationen, die sowohl der Revierabgrenzung, als auch dem Anwerben von Weibchen dienen. Jeder dieser Triller trägt eine individuelle Signatur, die es ermöglicht, einzelne Männchen akustisch zu unterscheiden.
„Unsere Ergebnisse zeigen, dass die Balzvokalisationen der Männchen sehr komplex sind und individuelle Merkmale tragen. Etwa so, wie bei einem akustischen Fingerabdruck“, erklärt Lisa Printz. „Diese Unterschiede könnten es den Weibchen erleichtern, gezielt einen passenden Partner auszuwählen.“
Die Studie zeigt zudem deutliche saisonale Muster: Zu Beginn des Sommers sind aggressive Rufe häufig, während die Balztriller im Spätsommer während der Hauptpaarungszeit ihren Höhepunkt erreichen. Diese jahreszeitliche Dynamik spiegelt das Zusammenspiel von Territorialität und Paarungsverhalten wider.
Die neuen Erkenntnisse sind nicht nur für die Verhaltensforschung bedeutsam, sondern auch für den Artenschutz. „Anhand von Lautanalysen können wir wichtige Paarungsquartiere identifizieren und besonders sensible Phasen erkennen, ohne die Tiere zu stören“, sagt Mirjam Knörnschild vom Museum für Naturkunde Berlin. „So lassen sich Sanierungsarbeiten besser planen und wichtige Paarungsquartiere gezielt schützen.“
Für den praktischen Artenschutz hat das direkte Konsequenzen: Bisher stehen Wochenstuben und Winterquartiere im Fokus von Schutzmaßnahmen, während Paarungsquartiere weniger beachtet werden. Die neue Studie zeigt jedoch, dass Männchen ihre Paarungsquartiere über Jahre hinweg nutzen. Renovierungen oder bauliche Eingriffe zur falschen Zeit können daher das Paarungsgeschehen empfindlich stören.
Mit ihrer Arbeit liefern die Wissenschaftlerinnen wertvolle Einblicke in die soziale Kommunikation und das Fortpflanzungsverhalten einer der häufigsten europäischen Fledermausarten. Gleichzeitig eröffnet die bioakustische Methode neue Möglichkeiten, den Schutz von Fledermäusen effektiver und zugleich schonender zu gestalten.
Museum für Naturkunde, Leibniz-Institut für Evolutions- und Biodiversitätsforschung
Originalpublikation:
Printz, L., Fernandez, A. A., Nagy, M. & Knörnschild, M. (2025). Fighting and Flirting: The vocal repertoire of the Greater Mouse-eared Bat in mating roosts and its seasonal variation. Animal Behaviour, https://doi.org/10.1016/j.anbehav.2025.123440





