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Gendatenbanken als Schlüssel für den globalen Vorteilsausgleich: Neuer Leitfaden in Nature Scientific Data erschienen

Hauptgebäude des Leibniz-Instituts DSMZ in Braunschweig,
Hauptgebäude des Leibniz-Instituts DSMZ in Braunschweig, Germany Quelle: Michael Hübner, Copyright: DSMZ

Ein internationales Forschungsteam unter der Leitung der Abteilung Science Policy und Internationalisation des Leibniz-Instituts DSMZ-Deutsche Sammlung von Mikroorganismen und Zellkulturen hat einen richtungsweisenden Praxisleitfaden in der renommierten Fachzeitschrift Scientific Data publiziert. Der Artikel mit dem Titel „How can biological databases support the new UN mechanism for benefit-sharing from digital sequence information?“ zeigt konkret auf, wie biologische Datenbanken den globalen UN-Mechanismus zur gerechten Aufteilung von Gewinnen aus digitalen Sequenzinformationen technisch & organisatorisch unterstützen können, ohne den freien wissenschaftlichen Datenaustausch einzuschränken 

Über den Mechanismus wird derzeit im Rahmen der Verhandlungen für ein neues weltweites Biodiversitätsabkommen der Vereinten Nationen entschieden. „Die Verhandlungsführenden haben die biologischen Datenbanken gebeten, im Rahmen des neuen Mechanismus zur Aufteilung der Vorteile eine unterstützende Rolle zu übernehmen. Sie haben ein sorgfältiges Gleichgewicht gefunden zwischen dem Schutz der Rolle der Datenbanken als grundlegende Forschungsinfrastruktur und der Erhöhung von Transparenz sowie Rechtssicherheit, um die Aufteilung der Vorteile global zu verbessern.“, informiert Dr. Amber Hartman Scholz, Leiterin der DSMZ-Abteilung Science Policy und Internationalisation.

Die Herausforderung: Offene Wissenschaft vs. Gerechter Ausgleich
Digitale Sequenzinformationen von genetischen Ressourcen sind die Grundlage der modernen Lebenswissenschaften (beispielsweise Medizin oder auch Pflanzenzucht). Auf UN-Ebene - insbesondere durch die Beschlüsse der UN-Biodiversitätskonferenz COP16, Decision 16/2 - wurde ein multilateraler Mechanismus vereinbart, um finanzielle Erlöse aus der Nutzung dieser digitalen Daten fair mit den Herkunftsländern und indigenen Völkern zu teilen. Bislang fehlte es jedoch an einer globalen Infrastruktur, um diese rechtlichen Vorgaben ohne bürokratische Hürden in bestehende, frei zugängliche Gendatenbanken zu integrieren.

Skalierbare Maßnahmen für biologische Datenbanken
Unter der Federführung von Dr. Amber Hartman Scholz werteten die Autoren globale Umfragen, Interviews und Fach-Workshops mit Mitarbeitenden internationaler Datenbanken aus. Die Studie identifiziert konkrete, skalierbare Maßnahmen, die ab sofort umgesetzt werden können:

• Optimierte Aufklärung der Nutzenden: Automatische Benachrichtigungen beim Upload informieren Forschende direkt in der Datenbankoberfläche über geltende Compliance- und das UN-Mechanismen.
• Bessere geografische Metadaten: Datenbanken müssen die geordnete Erfassung des Ursprungsortes einer Probe strukturell vereinfachen.
• Anpassung der Nutzungsbedingungen: Integration der UN-Richtlinien in die rechtlichen Vereinbarungen in den Nutzungsbedingungen der Datenbanken, um Rechtssicherheit zu verstärken.
• Erfassung nicht-monetärer Vorteile: Neue Ansätze dokumentieren den Wissenstransfer, wie Kapazitätsaufbau in Entwicklungsländern, gemeinsame Publikationen und freie Schulungsprogramme.

Ethische Verpflichtung der Wissenschaft
„Die öffentlichen Datenbanken für digitale Sequenzinformationen sind unverzichtbare Referenzkorpora für Forschende weltweit, daher setzen wir uns zusammen mit der internationalen Wissenschafts-Community für den Erhalt eines offenen und kostenfreien Zugangs zu diesen Daten ein. Die Unterstützung eines gerechten Vorteilsausgleichs sehen wir als ethische Verpflichtung der Wissenschaft – dies schließt auch die Betreibenden wissenschaftlicher Dateninfrastrukturen ein.“, erklärt Dr. Barbara Ebert, Geschäftsführerin der Gesellschaft für biologische Daten e. V. und Projektleiterin der Machbarkeitsstudie, in deren Rahmen Vorarbeiten für den Leitfaden entstanden. Mit dem Vorschlag der internationalen Autorengruppe behalten biologische Datenbanken ihren offenen Charakter, sichern jedoch gleichzeitig die globale Nachhaltigkeit und die Einhaltung internationaler Verträge. „Der offene Charakter der Datenbanken ist eine wesentliche Anforderung unserer Spitzenforschenden in Deutschland. Daher haben wir uns mit Partnern aus der Nationalen Forschungsdateninfrastruktur NFDI in der Studie engagiert und sind stolz auf das Ergebnis“, erläutert Dr. Amber Hartman Scholz abschließend. 

Die Arbeiten wurden durch das Bundesamt für Naturschutz (BfN) mit Mitteln des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit gefördert (Projektnummer 3522800600).

Transparenz-Hinweis: 
Die Recherche für diese Pressemitteilung wurde durch KI (Gemini) unterstützt. Menschliche Redaktion und Endkontrolle erfolgte durch Sven-David Müller von der Stabsstelle Wissenschaftskommunikation der DSMZ.

Leibniz-Institut DSMZ-Deutsche Sammlung von Mikroorganismen und Zellkulturen GmbH


Originalpublikation:

Raposo, D.S., Faggionato, D., Ebert, B. et al. How can biological databases support the new UN mechanism for benefit-sharing from digital sequence information?. Sci Data13, 971 (2026). doi.org/10.1038/s41597-026-07725-y

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