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Wie Giraffatitan seinen massiven Schwanz bewegte

Computermodell der Beweglichkeit des Schwanzes von Giraffatitan brancai
Computermodell der Beweglichkeit des Schwanzes von Giraffatitan brancai @ Diez-Diaz et. al.

Mithilfe neuer digitaler 3D-Rekonstruktionen hat ein internationales Forschungsteam unter Leitung von Dr. Verónica Díez Díaz vom Museum für Naturkunde Berlin detaillierte Erkenntnisse über die Beweglichkeit des Schwanzes des Sauropoden Giraffatitan brancai gewonnen. Die Ergebnisse der Studie, geben Einblick in die biomechanischen Fähigkeiten eines der größten Dinosaurier, die je gelebt haben. 

Untersucht wurden 18 erhaltene Schwanzwirbel und Schwanzrippen eines relativ vollständig erhaltenen Schwanzes eines Exemplars von Giraffatitan brancai mit, der sich heute in der Sammlung des Berliner Naturkundemuseums befindet. Bisher wurde der Dinosaurierschwanz in der Forschung häufig vernachlässigt – dabei spielt er eine zentrale Rolle für Gleichgewicht, Fortbewegung, Kommunikation und Verteidigung.
Mit neuen Kinematikprogrammen wurde die Bewegung der einzelnen Wirbel gegeneinander ausgetestet. Welche Muskelkräfte spielten eine Rolle? An welchen Stellen setzten die Muskeln an den Knochen an? Welche Mobilität und Bewegungsabläufe ergaben sich daraus? 

„Unsere Analysen zeigen, dass der Schwanz von Giraffatitan wesentlich beweglicher und funktional vielseitiger war als bislang angenommen“, erklärt Díez Díaz. Besonderes Augenmerk galt den sogenannten Hämalbögen – knöchernen Strukturen an der Unterseite der Schwanzwirbel – die in früheren Studien oft unbeachtet blieben. Die Ergebnisse legen nahe, dass diese Elemente einen erheblichen Einfluss auf die Beweglichkeit des Schwanzes hatten.

Diese detaillierten neuen Computermodelle bestätigen, was in der Ausstellung des Berliner Naturkundemuseums schon umgesetzt wurde: Sauropoden haben ihren Schwanz nicht unbeweglich hinter sich hergezogen. Stattdessen trugen sie den Schwanz angehoben und konnten ihn flexibel in mehrere Richtungen bewegen. 

Diese Erkenntnisse sind wichtig für das Verständnis der Körperhaltung, Bewegungsweise und möglicherweise sogar der sozialen Interaktionen dieser riesigen Pflanzenfresser. Die Forschung bietet damit nicht nur neue Perspektiven auf die Anatomie von Sauropoden, sondern liefert auch wertvolle Impulse für zukünftige Rekonstruktionen und paläobiologische Interpretationen.

Museum für Naturkunde Berlin


Originalpublikation:

Díez Díaz, V. et al. (2025): Functional morphology and mobility of the tail of the sauropod dinosaur Giraffatitan brancai. Royal Society Open Science

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