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Hoher Artenverlust in Berlin

Kreuzspinne auf Blüte
Kreuzspinne in Berlin © Frederic Griesbaum

Das Team des Forschungsclusters NaturBerlin am Museum für Naturkunde veröffentlichte eine Studie zum Artenverlust in Berlin. Die Ergebnisse zeigen einen Artenverlust von 16 % seit Ende des 17. Jahrhunderts und zeigen, dass der Artenverlust sowohl von der zunehmenden Verstädterung als auch von der Größe des Gebietes abhängt. Keine der untersuchten 1.433 aus Berlin verschwundenen Arten ist weltweit ausgestorben, so dass die Möglichkeit einer Wiederansiedlung bestehen bleibt. Im gleichen Zeitraum siedelten sich fast 450 gebietsfremde Arten durch den Einfluss des Menschen in Berlin an.

Der vom Menschen verursachte globale Wandel wirkt sich auf die biologische Vielfalt aus und kann zum Verlust von Arten führen. Dabei wird unterschieden zwischen lokal aus einem Gebiet verschollenen Arten sowie ausgestorbenen Arten, die unwiederbringlich von unserem Planeten verschwunden sind.
Der Artenverlust ist abhängig von der Größe des Gebietes. Da es in kleineren Gebieten im Durchschnitt weniger Lebensräume und damit weniger Arten gibt, ist die Wahrscheinlichkeit eines Artenverlustes höher. Auch Umweltveränderungen durch den Menschen in einem Gebiet spielen hierbei eine Rolle. Städte sind solche relativ kleinen Gebiete, die extrem an die Bedürfnisse des Menschen angepasst wurden. Daher sind sie geeignet, um den Artenverlust zu untersuchen. Leider fehlt es an Studien, die sich mit dem Artenverlust in einem breiten Spektrum von Artengruppen in Städten befassen.

Das Forscherteam, bestehend aus Dr. Jörg Freyhof, Dr. Nike Sommerwerk, Shenya De Silva sowie der Erstautorin und Postdoktorandin Dr. Silvia Keinath vom Museum für Naturkunde Berlin, werteten 37 Rote Listen gefährdeten Pflanzen, Tiere und Pilze von Berlin aus, um Aussagen über den Artenverlust in der Stadt treffen zu können. Darunter waren Gliederfüßer, Weichtiere, Fische, Reptilien, Amphibien, Vögel, Säugetiere, Algen, Pilze, Flechten und Pflanzen mit insgesamt 9498 Arten).
Berlin ist eine der größten Städte Europas und weist eine lange Geschichte der Verstädterung auf. Die Ergebnisse der Studie zeigen, dass der Anteil der verschollenen Arten in Berlin fast sechsmal höher ist als in Deutschland und mehr als 45-mal höher als in Europa. Im Durchschnitt wurde der höchste jährliche Artenverlust im 20. Jahrhundert dokumentiert, was durch ein rasantes Bevölkerungswachstum und einen schnellen und großflächigen Ausbau der Stadt gekennzeichnet war. Trotz der viel kürzeren untersuchten Zeitspanne des 21. Jahrhunderts von 22 Jahren in der Studie, wurde bereits der gleiche jährliche Artenverlust wie im 19. Jahrhundert festgestellt.
Der Vergleich mit der globalen Roten Liste der gefährdeten Arten der International Union for Conservation of Nature (IUCN) ergab, dass keine der 1.433 aus Berlin verschwundenen Arten weltweit ausgestorben ist und somit als lokal verschollen bezeichnet werden kann. Die Möglichkeit einer Wiederansiedlung bleibt also bestehen. Darüber hinaus konnte in der Studie nachgewiesen werden, dass sich im gleichen Zeitraum fast 450 gebietsfremde Arten durch den Einfluss des Menschen in Berlin angesiedelt haben. Ob und inwiefern diese neu angesiedelten Arten die verschollenen Arten in ihrer Funktion in Ökosystem kompensieren können, bleibt offen.

Museum für Naturkunde Leibniz-Institut für Evolutions- und Biodiversitätsforschung


Originalpublikation:

Keinath, S., De Silva, S., Sommerwerk, N., & Freyhof, J. (2024). High levels of species' extirpation in an urban environment—A case study from Berlin, Germany, covering 1700–2023. Ecology and Evolution, 14, e70018. https://doi.org/10.1002/ece3.70018

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