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Wann sich Innovation auszahlt: Wie die Qualität der Nahrung den Zusammenhang zwischen Innovation und Überleben bei Mäusen verändert

Eine Maus in einem naturnahen Gehege
Eine Maus in einem naturnahen Gehege, in dem die Forschenden untersuchten, wie sich innovatives Verhalten auf die Fitness auswirkt. © Alexandros Vezyrakis

Wer neue Probleme gut lösen kann, hat dadurch nicht automatisch bessere Überlebenschancen. Eine aktuelle Studie zeigt, dass die Qualität der Nahrung beeinflusst, wie häufig Hausmäuse innovatives Verhalten zeigen. Noch auffälliger ist, dass auch der Zusammenhang zwischen der Geschwindigkeit beim Problemlösen und dem Überleben von der Umwelt abhängt.

Innovatives Verhalten ermöglicht es Tieren, auf ungewohnte Situationen zu reagieren, etwa indem sie neue Wege finden, an Nahrung zu gelangen. Doch Neues auszuprobieren kostet Zeit und Energie und kann ein Tier Risiken aussetzen. Ob Innovation die Fitness eines Individuums tatsächlich verbessert, ist daher weniger eindeutig, als es zunächst erscheinen mag.

Fragkiskos Darmis vom Max-Planck-Institut für Evolutionsbiologie und Anja Guenther von der Universität Hildesheim untersuchten diese Frage an Hausmäusen, die von wildlebenden Populationen abstammten. Die Tiere stammten aus Populationen, die über mehrere Generationen entweder mit Standardfutter oder mit hochwertigerer Nahrung gehalten worden waren. Als junge Erwachsene wurden sie mit drei standardisierten Problemlösungsaufgaben konfrontiert: Sie mussten ein LEGO-Haus öffnen, den Deckel einer Petrischale anheben oder eine Papierkugel aus einer Röhre entfernen, um an eine Futterbelohnung zu gelangen.

Die Forschenden erfassten zwei Aspekte innovativen Verhaltens: ob eine Maus mindestens eine der Aufgaben löste und wie lange erfolgreiche Tiere dafür benötigten. Anschließend wurden die Mäuse in naturnahe Gehege gesetzt, in denen sie dieselbe Futterqualität erhielten wie während ihrer Entwicklung. Über sechs Monate hinweg wurden ihr Körpergewicht und ihr Überleben erfasst.

Der erste Unterschied zeigte sich bereits, bevor die Mäuse in die naturnahen Gehege kamen. 77 Prozent der Tiere mit hochwertiger Nahrung lösten mindestens eine Aufgabe. Bei den Tieren mit Standardfutter war es etwa die Hälfte. Dieser Unterschied ging vor allem auf die Weibchen zurück. Wie lange erfolgreiche Tiere im Durchschnitt zum Lösen einer Aufgabe benötigten, unterschied sich dagegen nicht zwischen den beiden Futterbedingungen.

Dieses Ergebnis widerspricht einer verbreiteten Annahme: Unter schlechteren Bedingungen könnten Tiere stärker darauf angewiesen sein, neue Wege zur Erschließung von Ressourcen zu finden, und deshalb häufiger innovatives Verhalten zeigen. Im Experiment zeigte sich bei jungen Mäusen das Gegenteil. Tiere mit Zugang zu hochwertigerer Nahrung lösten häufiger mindestens eine der Aufgaben.

Auch beim Körpergewicht zeigte sich kein Vorteil innovativer Tiere. Weder die Wahrscheinlichkeit, eine Aufgabe zu lösen, noch die Geschwindigkeit beim Problemlösen sagte voraus, wie sich das Körpergewicht im Verlauf der sechs Monate entwickelte. Innovativere Mäuse waren also nicht automatisch in einer besseren körperlichen Verfassung.

Der Vorteil hängt von der Umwelt ab

Am deutlichsten zeigte sich der Zusammenhang beim Überleben. Es gab keine überzeugenden Hinweise darauf, dass innovative Mäuse als Gruppe unter einer der beiden Futterbedingungen grundsätzlich länger lebten als nicht innovative Tiere. Bei den Mäusen, die mindestens eine Aufgabe lösten, spielte jedoch die Geschwindigkeit eine Rolle.

Schnellere Problemlöser überlebten unter hochwertigen Nahrungsbedingungen länger. Bei Standardfutter kehrte sich das Muster um: Dort hatten langsamere Problemlöser die höheren Überlebenschancen. Dasselbe Verhaltensmerkmal war damit je nach Futterqualität mit unterschiedlichen Überlebenschancen verbunden.

Warum dieses Muster entsteht, lässt sich aus der Studie nicht eindeutig ableiten. Darmis und Guenther vermuten, dass langsameres Problemlösen unter stärker eingeschränkten Bedingungen auf vorsichtigeres Verhalten hindeuten könnte. Die Tiere könnten mehr Zeit darauf verwenden, Informationen zu sammeln, bevor sie handeln. Das könnte den Energieverbrauch oder das Risiko verringern. Steht hochwertige Nahrung zur Verfügung, könnte schnelles Problemlösen dagegen helfen, vorhandene Möglichkeiten effizienter zu nutzen. Diese Erklärungen sind Hypothesen und müssen noch direkt getestet werden.

Die Ergebnisse können auch erklären, warum sich der Zusammenhang zwischen Innovation und Fitness in bisherigen Untersuchungen verschiedener Arten nicht eindeutig bestimmen ließ. Innovatives Verhalten grundsätzlich als Vorteil zu betrachten, greift offenbar zu kurz. Seine Folgen können von der Umwelt abhängen. Und selbst unterschiedliche Aspekte von Innovation, etwa die Bereitschaft, ein Problem überhaupt zu lösen, und die Geschwindigkeit der Lösung, müssen nicht auf dieselbe Weise mit Fitness zusammenhängen.

Indem die Forschenden das Verhalten zunächst unter kontrollierten Bedingungen erfassten und dieselben Tiere anschließend sechs Monate lang in naturnahen Populationen beobachteten, konnten sie individuelle Unterschiede beim Problemlösen mit längerfristigen Folgen unter ökologisch realistischeren Bedingungen verknüpfen.

Max-Planck-Institut für Evolutionsbiologie


Originalpublikation:

Fragkiskos Darmis, Anja Guenther; Food quality-driven variation in the link between innovation and survival in semi-natural populations of wild mice. Biol. Lett. 1 August 2026; 22 (8): 20260281. https://doi.org/10.1098/rsbl.2026.0281

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