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Feuerfußhörnchen als natürliches Reservoir für das Affenpockenvirus identifiziert

Rußmangaben
Wie Forschende des HIOH kürzlich zeigen konnten, können sich Rußmangaben durch den Verzehr infizierter Hörnchen mit Mpox anstecken. Copyright: Taï Chimpanzee Project/Ane Lopez-Morales

Ein in Côte d’Ivoire dokumentierter Fall der Übertragung zwischen verschiedenen Tierarten liefert neue Erkenntnisse zur natürlichen Verbreitung von Mpox. Das Feuerfußhörnchen (Funisciurus pyrropus) ist wahrscheinlich das natürliche Reservoir für das Affenpockenvirus (MPXV).  Die Entdeckung basiert auf der detaillierten Untersuchung eines Mpox-Ausbruchs unter wildlebenden Rußmangaben (Cercocebus atys) im Taï-Nationalpark in Côte d‘Ivoire. Ein Forschungsteam des Helmholtz-Instituts für One Health (HIOH) kombinierte ökologische, verhaltensbezogene und molekulare Beweise, um erstmals die Übertragung des MPXV zwischen Arten in freier Wildbahn zu dokumentieren: von Feuerfußhörnchen auf Rußmangaben.

Mpox ist eine zoonotische Infektionskrankheit, die durch das Affenpockenvirus (MPXV) verursacht wird und beim Menschen schwere Krankheitsverläufe hervorrufen kann. In West- und Zentralafrika kommt es regelmäßig zu Übertragungen von Wildtieren auf Menschen, wobei einige dieser Spillover-Ereignisse in jüngerer Zeit große globale Ausbrüche ausgelöst haben, die anschließend durch Mensch-zu-Mensch-Übertragung aufrechterhalten wurden. Um solche Ausbrüche wirksam zu verhindern, ist es essenziell zu verstehen, wie das Virus in Wildtierpopulationen zirkuliert und welche Faktoren Spillover-Ereignisse begünstigen.

Ein tödlicher Ausbruch unter Mangaben

Seit Jahrzehnten arbeiten die an der Studie beteiligte Forschenden, die heute am HIOH tätig sind, eng mit dem Taï Chimpanzee Project zusammen, um die Gesundheit wildlebender Schimpansen, Rußmangaben und weiterer Tierarten im Taï-Nationalpark in Côte d’Ivoire zu überwachen. Dieses langfristige Engagement erwies sich als entscheidend für die Aufdeckung dieser Übertragung: Anfang 2023 beobachtete das Team einen Mpox-Ausbruch in einer gut untersuchten Gruppe von Rußmangaben. Etwa ein Drittel der Tiere zeigte klinische Anzeichen der Krankheit und vier Mangabenbabys starben.

Die Genomsequenzierung ergab, dass das bei den infizierten Affen nachgewiesene Virus mit einem Stamm nahezu identisch war, der 12 Wochen zuvor bei einem in der Nähe tot aufgefundenen Feuerfußhörnchen detektiert worden war.

Um beide Beobachtungen miteinander zu verknüpfen, analysierte das Team Kotproben der Mangaben auf Anzeichen einer MPXV-Zirkulation vor dem Ausbruch sowie auf Kontakte zwischen den Wirtsarten. Eine Probe, die acht Wochen vor Beginn des Ausbruchs gesammelt worden war, enthielt DNA sowohl des Virus als auch des Feuerfußhörnchens – ein starker Hinweis auf eine Übertragung zwischen beiden Arten zu diesem Zeitpunkt. Verhaltensdaten stützten diese Befunde: Rußmangaben dieser Gruppe wurden bereits dabei beobachtet, wie sie Feuerfußhörnchen fingen und fraßen, was einen direkten Weg für die Übertragung von Viren eröffnet.

Hörnchen als Reservoir: der Verdacht bestätigt sich

Hörnchen stehen seit langem im Verdacht, potenzielle Reservoirs für MPXV zu sein. Das Virus wurde erstmalig 1985 aus einem Wildtier – einem in der Demokratischen Republik Kongo gefangenen Seilhörnchen (Funisciurus anaerythrus) – isoliert. Auch im Jahr 2003 wurden importierte, mit MPXV infizierte Eichhörnchen verdächtigt, einen Mpox-Ausbruch bei Besitzern von Präriehunden in den USA ausgelöst zu haben. Ein direkter Nachweis, dass diese Tiere in freier Wildbahn tatsächlich einen Ausbruch bei einer anderen Tierart verursachen können, fehlte jedoch bislang. Die neue Studie ist daher ein wichtiger Durchbruch und liefert Einblicke in die Zirkulation des Erregers in der Natur.

Was dies für die menschliche Gesundheit bedeutet

Da der Jagddruck die Populationen größerer Wildtiere reduziert hat, werden inzwischen kleine Arten wie Hörnchen und andere Nager auch zunehmend von Menschen gejagt und verzehrt. Dies erhöht die Wahrscheinlichkeit einer Exposition des Menschen gegenüber MPXV und damit das Risiko zoonotischer Übertragungen. Die nun bestätigte direkte Beteiligung von Feuerfußhörnchen an der Übertragung zwischen Arten hat daher erhebliche Auswirkungen auf die öffentliche Gesundheit.

„Die Identifizierung der tierischen Virusquellen und der Expositionswege, die zur Übertragung zwischen Arten führen, sind essenziell, um Spillover-Mechanismen zu verstehen und wirksame Präventionsmaßnahmen zu entwickeln, die das Risiko einer Übertragung auf den Menschen verringern“, sagt Livia V. Patrono, Wissenschaftlerin am HIOH und korrespondierende Autorin der Studie.

Die Autorinnen und Autoren empfehlen eine stärkere Sensibilisierung von Bevölkerungsgruppen, die mit Hörnchen und anderen Wildtieren in Kontakt kommen, etwa von Kindern. Zudem plädieren sie zur Stärkung evidenzbasierter Präventionsstrategien für ein vertieftes Verständnis der Ökologie des Affenpockenvirus (MPXV) in Reservoirarten – insbesondere Hörnchen – sowie in Zwischenwirten, vor allem nichtmenschlichen Primaten, in Regionen, in denen das MPXV endemisch ist.

One Health-Ansatz relevanter denn je

Die Ergebnisse unterstreichen die Bedeutung des One Health-Ansatzes, der die Wechselwirkungen zwischen der Gesundheit von Menschen, Tieren und Umwelt berücksichtigt. „Diese Entdeckung war nur dank langjähriger ökologischer Forschung, kontinuierlicher Gesundheitsüberwachung und systematischer Probenahme im Taï-Nationalpark möglich“, sagt Fabian Leendertz, leitender Autor der Studie, Direktor des HIOH und Co-Direktor des Taï Chimpanzee Project. „Solche Anstrengungen müssen wir fortsetzen und ausbauen, um die Risiken durch neu auftretende Infektionskrankheiten – einschließlich Mpox – besser zu verstehen und ihnen präventiv zu begegnen.“

Josef Penninger, wissenschaftlicher Geschäftsführer des Helmholtz-Zentrums für Infektionsforschung, fügt hinzu: „Diese Studie zeigt auch den großen Wert der engen Zusammenarbeit mit unseren afrikanischen Partnern. Nur durch starke, vertrauensvolle Partnerschaften mit lokalen Behörden und Forschungseinrichtungen können wir zoonotische Krankheiten effektiv bekämpfen – und damit nicht nur regional, sondern weltweit etwas bewirken.“

Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung


Originalpublikation:

Riutord-Fe, C., Schlotterbeck, J., Lagostina, L. et al. Transmission of MPXV from fire-footed rope squirrels to sooty mangabeys. Nature (2026). doi.org/10.1038/s41586-025-10086-y

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