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Aktionsplan Meer – Meeresschutz für Mensch und Natur

Das Bundesumweltministerium hat heute erste Eckpunkte für einen Aktionsplan Meer vorgelegt. Dazu gehören unter anderem Maßnahmen gegen Geisternetze im Meer, in denen sich sonst Meereslebewesen verfangen können. Um den Sauerstoffmangel in der Ostsee zu lindern, ist ein Modellprojekt zu meeresfreundlicher Landwirtschaft geplant. Ein weiterer Schwerpunkt ist die Bergung von Altmunition aus Nord- und Ostsee. Auf Basis der Eckpunkte soll in den kommenden Monaten zusammen mit den anderen Ministerien ein Aktionsplan erarbeitet werden, der als strategisches Dach für die Meeresschutzpolitik der Bundesregierung dienen wird. Dabei sollen auch die Positionen all derjenigen einbezogen werden, die für das Gelingen von Meeresschutz wichtig sind.

Bundesumweltminister Carsten Schneider: "Unseren Meeren geht es nicht gut. Aber die Natur kann sich erholen, wenn wir die nötigen Rückzugsräume schaffen, in denen es keine schädliche menschliche Nutzung gibt. Geisternetze und anderer umhertreibender Müll sind ein echtes Problem für die Meeresumwelt und ihre Bewohner. Daher wollen wir dafür sorgen, dass verlorene Netze besser geborgen werden können und weitere gar nicht erst in die Meere gelangen. Meeresschutz beginnt an Land, indem weniger Nährstoffe über die Flüsse ins Meer gelangen, wo sie zu Sauerstoffmangel führen und jedes Leben ersticken. Wie das gelingen kann, wollen wir in einem Modellprojekt für meeresfreundliche Landwirtschaft zeigen. In den letzten Jahren ist schon einiges in Bewegung gesetzt worden, um die Meere zu schützen – national wie international. Darauf will ich aufbauen und weiter vorangehen. Für die Meere lohnt sich jede Anstrengung. Denn gesunde Meere schützen unser Leben. Sie sind nicht nur wichtig für die Umwelt, sie tun auch uns Menschen gut - gerade im Sommer."

Kaum ein anderes Ökosystem bietet so viel für Mensch, Umwelt und Klima wie die Meere. Doch die Meere weltweit – auch unsere Hausmeere Nord- und Ostsee - sind schwer belastet. Es zeigt sich immer stärker, wie die Erderwärmung, Versauerung durch zu viel CO₂, Überfischung, hohe Nährstoffeinträge, Plastikmüll und andere Belastungen den Meeren massiv schaden - und die Probleme verstärken sich gegenseitig.

Deutschland treibt national, in der EU und international den Meeresschutz durch verschiedenste Initiativen voran. Der "Aktionsplan Meer" soll an die Fortschritte der vergangenen Jahre anknüpfen und ressortübergreifend eine ambitionierte Agenda für saubere, gesunde und lebendige Meere entwickeln.

Geisternetze und andere Hinterlassenschaften der Fischerei sind ein massives Problem für die Meeresumwelt. Die Folgen für das Leben im Meer sind fatal: Fische, Wale, Vögel und viele andere Lebewesen verfangen sich in den umhertreibenden Netzen und verenden qualvoll darin. Darüber hinaus zerfallen die Netze zu Mikroplastik und gefährden dadurch auch die Gesundheit der Menschen, wenn sie in die Nahrungskette gelangen. Mit einem übergreifenden Ansatz soll das Problem neu angegangen werden, indem unter anderem mit Hilfe klugen Produktdesigns die Kreislaufführung verbessert wird. Auch werden Sammel- und Entsorgungsstrukturen in Häfen geschaffen. Zudem soll die Identifizierung und Bergung verbessert werden, zum Beispiel mit Markierung von Fanggeräten oder gemeinsamen Datenbanken. Das Projekt soll noch in diesem Jahr vergeben werden. Das Bundesumweltministerium stellt hierfür umfangreiche Finanzmittel zur Verfügung.

Wichtig bleibt darüber hinaus, die Qualität der Schutzgebiete als Rückzugs- und Ruheräume für bedrohte Arten zu verbessern. Sie sind eine der wichtigsten und effektivsten Maßnahmen, damit sich Tiere, Pflanzen und ihre Lebensräume erholen und stärken können. Zur Verbesserung dieser Gebiete wurden bereits entscheidende Schritte unternommen, etwa indem in bestimmten Gebieten Fischereimethoden wie Schleppnetz- oder Stellnetzfischerei eingeschränkt wurden. Die Bundesregierung hat außerdem einen Gesetzentwurf auf den Weg gebracht, damit künftig keine Gas- und Ölförderungen in den Meeresschutzgebieten in der deutschen Ausschließlichen Wirtschaftszone (AWZ) von Nord- und Ostsee mehr zugelassen werden. Auch bei einer künftig möglichen CO₂-Speicherung unter dem Meeresboden sind Meeresschutzgebiete ausgeschlossen.

Eines der größten Probleme der Ostsee – wie auch der Nordsee – ist die Eutrophierung. Nährstoffe wie Stickstoff und Phosphor gelangen aus Landwirtschaft, Abwasserbehandlung, Verkehr oder Industrie ins Meer. Zusammen mit Vertreterinnen und Vertretern aus Landwirtschaft, Fischerei, den Küstenbundesländern sowie aus Tourismus und Verbänden sollen mit einem Modellprojekt praktische Maßnahmen im Sinne einer meeresfreundlichen Landwirtschaft vorangetrieben werden. Damit soll es landwirtschaftlichen Betrieben ermöglicht werden, mit alternativen Methoden meeresfreundlich zu wirtschaften und vom Meer abhängige Wirtschaftsbereiche, wie Fischerei oder Tourismus, zu entlasten.

Meere gehören zu den wichtigsten Verbündeten im Klimaschutz. In der Weiterentwicklung des Aktionsprogramms Natürlicher Klimaschutz (ANK) sollen zusätzliche Maßnahmen entwickelt werden, die auf den bisherigen aufbauen. Dabei werden gezielt Projekte gefördert, die Seegraswiesen, Salzmarschen und Algenwälder an und vor den deutschen Küsten erhalten und wiederherstellen. Die Methoden des natürlichen Klimaschutzes stärken marine Ökosysteme und binden zugleich mehr CO₂.

Dass Fortschritte beim Meeresschutz trotz geopolitisch schwieriger Lage auch international möglich sind, zeigt das UN-Hochseeschutzabkommen (BBNJ-Abkommen), das im Januar in Kraft getreten ist. Es ist ein historischer Meilenstein für den internationalen Meeresschutz und den Multilateralismus gleichermaßen. Dieses Abkommen ist der Schlüssel dafür, die globalen Meeresschutzziele zu erreichen. Die Hohe See umfasst rund die Hälfte der Erdoberfläche und zwei Drittel des gesamten Ozeans. Bislang gab es für dieses riesige Gebiet keine einheitlichen Umweltregeln. Deutschland wird das Abkommen im September ratifizieren und auch im Rahmen des "Aktionsplans Meer" engagiert umsetzen.

Bundesministerium für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit


Eckpunkte für einen Aktionsplan Meer: https://www.bundesumweltministerium.de/DL3514

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