Honigbienen sichern einen Großteil der landwirtschaftlichen Bestäubung. Doch neben der Varroamilbe könnte künftig ein weiterer Parasit die Imkerei in Europa vor große Herausforderungen stellen: Tropilaelaps mercedesae.
Diese Milbe parasitierte ursprünglich ausschließlich asiatische Riesenhonigbienen. Vor mehr als 60 Jahren gelang ihr jedoch der Sprung auf die Westliche Honigbiene (Apis mellifera). Seither hat sie ihr Verbreitungsgebiet kontinuierlich erweitert. Funde in Westasien und Osteuropa zeigen, dass sie inzwischen auch Regionen mit gemäßigtem Klima erreicht hat und dort überleben kann.
Wie groß das Risiko für Europa tatsächlich ist und welche Konsequenzen sich daraus ergeben, fasst eine Übersichtsarbeit unter Leitung von Dr. Kirsten Traynor, Leiterin der Landesanstalt für Bienenkunde an der Universität Hohenheim, zusammen.
Schwere Schäden an Brut und Volk
Tropilaelaps befällt die Brut von Honigbienen und verursacht bereits während der Larven- und Puppenentwicklung erhebliche Schäden. Die Milben ernähren sich von der Körperflüssigkeit, der Hämolymphe, der sich entwickelnden Bienen und hinterlassen zahlreiche Einstichstellen. Die Folgen reichen von Missbildungen an Antennen, Flügeln und Beinen über ein geringeres Körpergewicht bis hin zu einer eingeschränkten Flug- und Lernfähigkeit der schlüpfenden Bienen. Zudem überträgt Tropilaelaps verschiedene Krankheitserreger.
Die Auswirkungen beschränken sich jedoch nicht auf einzelne Bienen: „Befallene Völker entwickeln sich deutlich schwächer, produzieren weniger Honig und weisen eine erhöhte Sterblichkeit sowohl bei der Brut als auch bei erwachsenen Tieren auf“, beschreibt Dr. Traynor die Folgen. „Imker:innen aus bereits betroffenen Regionen Asiens und Russland berichten von erheblichen Völkerverlusten und einem andauernd hohen Aufwand für die Bekämpfung.
Die neue Milbe erfordert eine Anpassung des Völkermanagements, insbesondere durch regelmäßige vollständige Brutpausen im Abstand von zwei bis drei Monaten. Dies dürfte nicht nur erhebliche Auswirkungen auf den Honigertrag haben, sondern auch den Arbeits- und Kostenaufwand für Imkerinnen und Imker deutlich erhöhen.“
Frühzeitige Erkennung entscheidend
Besonders problematisch ist die außergewöhnliche Biologie von Tropilaelaps mercedesae. Anders als die weltweit verbreitete Varroamilbe verbringt sie nur eine sehr kurze Phase auf erwachsenen Bienen. Stattdessen hält sie sich überwiegend in der verdeckelten Brut auf und wechselt bereits nach wenigen Tagen von einer Brutzelle in die nächste. Dadurch kann Tropilaelaps neue Fortpflanzungszyklen wesentlich schneller durchlaufen als Varroa destructor.
„Die Gefahr liegt nicht nur in den direkten Schäden an der Brut, sondern auch in der Geschwindigkeit, mit der sich dieser Parasit vermehren und ausbreiten kann“, sagt die Expertin: „Unter günstigen Bedingungen vermehrt sich Tropilaelaps innerhalb eines Monats etwa um den Faktor 2,7, während sich die Population der Varroamilbe im gleichen Zeitraum etwa verdoppelt.“
Hinzu kommt, dass die Symptome einem Varroabefall ähneln. Deshalb wird Tropilaelaps häufig mit Varroa verwechselt oder erst spät erkannt. „Weil die Milbe auf erwachsenen Bienen kaum auffällt, bleibt sie oft lange unentdeckt“, so Dr. Traynor. Gleichzeitig erschwert ihre kurze Aufenthaltszeit auf erwachsenen Bienen sowohl die Überwachung als auch die Bekämpfung.
Eigenständige Strategien erforderlich
Nach Einschätzung des internationalen Forschungsteams wird Tropilaelaps innerhalb der nächsten drei bis sieben Jahre auch Deutschland erreichen. Warum sich die Milbe in den vergangenen Jahren so schnell ausgebreitet hat, ist noch nicht geklärt. Die Expert:innen befürchten jedoch, dass sie dann in der Imkerei größere Schäden verursachen könnte als Varroa und damit auch die Bestäubungsleistung beeinträchtigen.
„Tropilaelaps kann nicht als ‚weitere Varroa‘ betrachtet werden“, warnt die Bienenkundlerin. „Ihre Biologie unterscheidet sich in wesentlichen Punkten von der der Varroamilbe. Umso wichtiger ist es, Überwachungs- und Bekämpfungsstrategien frühzeitig weiterzuentwickeln und Maßnahmen international abzustimmen, bevor sich die Milbe in weiteren Regionen etablieren kann“, sagt Dr. Traynor.
Als besonders geeignet gelten Untersuchungen der verdeckelten Brut sowie das Sammeln natürlich abgefallener Milben auf Bodeneinlagen. Darüber hinaus entwickeln Forschende neue Nachweismethoden auf Basis von Umwelt-DNA (eDNA), die insbesondere in tropischen Regionen vielversprechende Ergebnisse liefern.
Universität Hohenheim
Originalpublikation:
Williams GR, Aurell D, Gill MC, Khongphinitbunjong K, Tokach R, Traynor KS: Tropilaelaps mercedesae: rapid geographic expansion in a novel honey bee host. Trends in Parasitology, Available online 5 August 2026; https://doi.org/10.1016/j.pt.2026.07.002




