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Ölpalme, Kokos und Soja sind für mehr Artensterben verantwortlich als gedacht

Kokospalme. Bild von Bishnu Sarangi auf Pixabay

Ölpflanzen verursachen einen Verlust von rund 1,5 Prozent der Tier- und Pflanzenarten. Zu diesem Schluss kommt eine neue Studie. Der durch Ölpflanzen verursachte Biodiversitätsverlust hat demnach seit 1995 um rund 80 Prozent zugenommen. Wichtigster Treiber ist der Konsum pro Kopf und nicht das globale Bevölkerungswachstum. 

Wir schminken sie uns ins Gesicht, streichen sie uns aufs Brot, schlucken sie als Träger medizinischer Wirkstoffe oder verfüttern sie an Tiere: Öle von Pflanzen wie Kokos, Ölpalme oder Soja. Diese sogenannten Ölpflanzen werden immer mehr konsumiert und angebaut. Das hat Folgen für die Umwelt. Aber welche genau? 

Dieser Frage ist ein Forschungsteam um Stephan Pfister, Professor für Quantitative Nachhaltigkeitsbewertung an der ETH Zürich, nachgegangen. Konkret untersuchten die Forschenden, wie stark der zunehmende Anbau und Konsum von Ölpflanzen weltweit Tier- und Pflanzenarten gefährdet. Es ist die weltweit erste Studie, die dieser Fragestellung nachgeht. «Aus Sicht des Umweltschutzes ist der Biodiversitätsverlust ein ebenso grosses globales Problem wie der Klimawandel», erklärt Pfister die Motivation für die Studie. In ihr analysierten die Forschende globale Daten zu Produktion, Handel und Landnutzung über mehrere Jahrzehnte und kombinierten dabei mehrere Modelle, um den Einfluss der Ölpflanzen auf die Biodiversität zu ermitteln. 

Zuerst erstellten die Forschenden globale Karten des Ölpflanzenanbaus auf Basis von Satellitendaten, landwirtschaftlichen Statistiken und globalen Datensätze zu Anbauflächen. 

Ebenfalls berechneten sie, wie stark verschiedene Formen der Landnutzung Tier- und Pflanzenarten gefährden. Dazu nutzten sie sogenannte Artenverlust-Faktoren, die anzeigen, wie viel die genutzten Flächen zum weltweiten Artenverlusts beitragen – je nach Region und Intensität der Landwirtschaft. 

Drei Pflanzen sind hauptverantwortlich für Artensterben 
Zudem versuchten die Forschenden die Auswirkungen des Ölpflanzenanbaus entlang der globalen Lieferketten sichtbar zu machen, wie Pfister erklärt. Dafür verknüpften er und sein Team die bereits erhobenen Daten mit einem globalen Wirtschaftsmodell, das internationale Lieferketten abbildet – vom Anbau über die Verarbeitung bis zum Endprodukt. So lässt sich etwa nachvollziehen, wie Soja aus Brasilien als Tierfutter in China oder Europa verfüttert wird und so letztlich den hohen Fleischkonsum ermöglicht. 

Schliesslich analysierte das Team, wie die Faktoren Konsumverhalten, Bevölkerungswachstum und Effizienz in der Landwirtschaft zum Anstieg der Biodiversitätsverluste beitragen. 

19 verschiedene Ölpflanzen wurden in der Studie untersucht. «Drei davon verursachen einen besonders grossen Teil der Auswirkungen: Ölpalme, Soja und Kokos», sagt Shuntian Wang, Doktorand bei Pfister. Zusammen stehen sie für rund 75 Prozent des Biodiversitätsverlusts durch Ölpflanzen. 

Konsum als treibende Kraft für Verlust an Biodiversität 
Gleichzeitig zeigt die Studie eine klare Entwicklung: Zwischen 1995 und 2020 ist der Verlust an Biodiversität um rund 80 Prozent gestiegen. Aber nicht in erster Linie wegen des weltweiten Bevölkerungswachstums. 
Besonders betroffen sind tropische Regionen. Dort führt landwirtschaftliche Nutzung zu besonders grossen Verlusten an Biodiversität. Aber nicht nur, weil viele Ölpflanzen wie Ölpalmen oder Kokos nur dort wachsen. Sondern auch, weil es in diesen Regionen eine hohe Artenvielfalt gibt und die Erträge pro Fläche oft geringer sind und es deshalb oft zur Ausdehnung der Landwirtschaft und damit zur Zerstörung von Ökosystemen kommt, zum Beispiel durch Abholzung. 

Globale Nachfrage treibt die Pflanzenöl-Produktion an 
Diese Systeme liegen weit entfernt von den Verursachern: Wie die Studie aus Pfisters Team zeigt, ist mehr als die Hälfte der Auswirkungen dem Konsum in anderen Ländern zuzurechnen. Die Europäische Union, China und die USA stehen zusammen für über 80 Prozent dieser ausgelagerten Effekte. Während die EU vor allem Palmöl importiert, hängt der Einfluss Chinas vor allem mit Soja als Tierfutter zusammen. 

Der Biodiversitätsverlust ist leider nichts, was man sofort stoppen könnte. Auch die langfristige Nutzung von landwirtschaftlichen Flächen setzt Ökosysteme unter Druck. «Selbst wenn keine neue Entwaldung stattfindet, bleibt der Einfluss der aktuellen Landwirtschaft bestehen», sagt Pfister. 

Ansätze für Lösungen 
Um die bestehenden Probleme zu verringern, braucht es eine umweltfreundlichere Produktion, weniger Abholzung und eine Landwirtschaft, die Böden und Natur schützt. Auch unser Konsum müsste sich verändern. Doch globale Märkte erschweren einfache Lösungen. Die Nachfrage kann sich schnell in andere Regionen verlagern. «Ein wichtiger Hebel ist, in den Produktionsländern in bessere Produktion und den Schutz von Ökosystemen zu investieren», sagt Pfister.

(Eidgenössische Technische Hochschule Zürich - ETH Zürich)


Originalpublikation:
Wang S, Cabernard L, Bruckner M, Ajie M, Pfister S: Oil crop supply chains drive rising global biodiversity loss and outsource impacts to the tropics, Nature Food, 19. Juni 2026, DOI: 10.1038/s43016-026-01375-4

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