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Die europäischen Wurzeln der afrikanischen Riesen-Raubsaurier

Illustration des Raubsauriers Camarillasaurus cirugedae.
Rekonstruktion des Raubsauriers Camarillasaurus cirugedae. Quelle: Paläokünstler: Joschua Knüppe

Die riesigen zweibeinigen Spinosaurier aus Afrika haben offenbar ihren Ursprung in Europa. Dies zeigen Untersuchungen neu entdeckter Funde des Raubsauriers Camarillasaurus cirugedae aus Spanien. 

Tyrannosaurus ist der vielleicht bekannteste zweibeinige Raub-Dinosaurier – doch ist er längst nicht mehr der größte bekannte Vertreter dieser Gruppe: Spinosaurus stammt aus der unteren Oberkreide (vor etwa 95 Millionen Jahren) von Afrika und war mit bis zu 18 Metern Länge noch größer. In Zusammenarbeit mit spanischen Kollegen fand der SNSB Paläontologe Oliver Rauhut nun neue Hinweise, dass die gigantischen Spinosaurier ihre Wurzeln in Europa hatten. Neue Funde und die neue Untersuchung bereits früher gesammelter Überreste des bislang wenig bekannten Raubsauriers Camarillasaurus cirugedae aus der unteren Kreidezeit (vor ca. 128 Millionen Jahren) von Spanien zeigen, dass diese Art ein naher Verwandter der nordafrikanischen Riesen-Spinosaurier war. 
Camarillasaurus stammt aus der zentralspanischen Provinz Teruel. Ursprünglich wurden das Fossil den Ceratosauriern zugeordnet – eine Raubsauriergruppe, die aus Europa nur wenig bekannt ist, und deren Vorkommen in der Unterkreide Spaniens einen Fund „außerhalb von Raum und Zeit“ darstellen würde, wie es in der Original-Publikation hieß. Diese Interpretation basierte auf einigen wenigen fragmentarischen Überresten, die vor über zehn Jahren beschrieben wurden. Während einer neuen Grabungskampagne in der Originalfundstelle des Raubsauriers fanden Oliver Rauhut und seine Kollegen von der Universität Saragossa nun weitere Reste des Fossils, darunter Fragmente des Kiefers, Schwanzwirbels, eines Zahns, einen Oberschenkelknochen sowie eine Fußkralle. Die neuen Funde lassen die nun veröffentlichte Neuinterpretation der Verwandtschaftsverhältnisse des spanischen Raubsauriers zu. Gemeinsame Merkmale von Camarillasaurus und anderen Spinosauriern fanden die Paläontologen beispielsweise am Unterkieferknochen.

Oliver Rauhut, Dinosaurierexperte an der Bayerischen Staatssammlung für Paläontologie und Geologie (SNSB-BSPG), geht sogar noch einen Schritt weiter: „Unsere phylogenetischen Analysen deuten darauf hin, dass auch verschiedene andere Vertreter der Spinosauriden der iberischen Halbinsel auf der Entwicklungslinie hin zu den nordafrikanischen Spinosauriden stehen. Wir vermuten, dass die riesigen Raubsaurier Afrikas ihren Ursprung in Europa haben.“

Überreste verschiedener Spinosaurier, meist Zähne, sind auf der Iberischen Halbinsel häufig, die meisten davon eingebettet in kontinentale Ablagerungen, so auch Camarillasaurus cirugedae. Forschende gehen daher davon aus, dass die Tiere auf dem Festland lebten und jagten. Der nordafrikanische Spinosaurus hingegen wird – aufgrund seiner Anatomie – in jüngerer Zeit eher als Fischfresser interpretiert, der sich die meiste Zeit im Wasser aufhielt. Funde aus Spanien, die diese These stützen, gibt es bisher nicht.

Staatliche Naturwissenschaftliche Sammlungen Bayerns


Originalpublikation:

Rauhut, Oliver W.M., Canudo, José Ignacio, and Castanera, Diego. 2025. Revision of the theropod dinosaur Camarillasaurus cirugedae from the Early Cretaceous (Barremian) of Teruel province, Spain. Palaeontologia Electronica, 28(3):a38. https://doi.org/10.26879/1543

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