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Mikroorganismen schwimmen mit dem Strom

Strömungsmuster photosynthetischer Mikroorgansimen in einer runden Petrischale (links, Draufsicht) und Strömungsprofil in einer abgedichteten Kammer (rechts, Querschnitt)
Strömungsmuster photosynthetischer Mikroorgansimen in einer runden Petrischale (links, Draufsicht) und Strömungsprofil in einer abgedichteten Kammer (rechts, Querschnitt). PNAS 122 (4) e2413340122

Die Bewegungsmuster einzelliger Wasserstoff-produzierender Grünalgen unter verschiedenen Lichtintensitäten wurden in einer aktuellen Studie von Forschenden der Universität Bayreuth und des Max-Planck-Instituts für Dynamik und Selbstorganisation in Göttingen untersucht. Die Ergebnisse helfen dabei, den Einsatz dieser Mikroorganismen in biotechnologischen Anwendungen wie der Erzeugung von erneuerbaren Energieträgern zu verbessern.

Photosynthetische Mikroorganismen wie die einzellige Grünalge Chlamydomonas sind wahre Anpassungskünstler. In Abwesenheit von Licht und Sauerstoff schaltet der Stoffwechsel dieser Alge in eine Art Energiesparmodus, bei dem als Nebenprodukt molekularer Wasserstoff entsteht. Dabei steuert die Lichtintensität die individuelle Bewegungsfähigkeit (Motilität) der einzelnen Zellen: Je stärker die Lichtintensität, desto schneller bewegen sich die einzelnen Zellen im Wasser; je weniger Licht, desto langsamer bewegen sie sich. Es zeigt sich also ein direkter Zusammenhang zwischen Lichtintensität und Schwimmgeschwindigkeit. Bislang waren jedoch die Auswirkungen dieser individuellen Bewegung auf die kollektive Schwimmbewegung der gesamten Population an Einzellern nicht bekannt. Deshalb haben Forschende um Prof. Dr. Oliver Bäumchen vom Lehrstuhl für Experimentalphysik V der Universität Bayreuth die Bewegung von einzelnen Chlamydomonas-Zellen sowie deren Auswirkung auf eine sogenannte Chlamydomonas-Suspension – eine mikrobielle Gemeinschaft, die in wässriger Umgebung schwimmt – untersucht.

Ihre Studie hat gezeigt, dass sich die Chlamydomonas-Zellen bei hoher Lichtintensität eher an der Wasseroberfläche befinden als weiter unten. „Dieses Verhalten ist auf die Neigung der Mikroorganismen zurückzuführen, sich gegen die Schwerkraft zu bewegen. Dies bietet in einem natürlichen Gewässer einen evolutionären Vorteil, da die Einzeller an der Wasseroberfläche bessere Chancen auf eine gute Lichtausbeute vorfinden als in größeren Tiefen“, so Bäumchen.

Zudem hat das Forschungsteam herausgefunden, dass mit abnehmender photosynthetischer Aktivität und damit abnehmender Motilität der einzelnen Zellen in der gesamten Zellgemeinschaft gerichtete Strömungen entstehen. Diese kollektive Motilität zeigt sich als regelmäßiges dreidimensionales Strömungsmuster, in denen die Strömungsraten und Zellverteilungen direkt über die Lichtintensität gesteuert werden. „Diese Ströme entstehen unter den äußerst ungünstigen Bedingungen des gleichzeitigen Licht- und Sauerstoffmangels und könnten daher dem mikrobiellen Kollektiv potentiell helfen, die Erkundung ihres natürlichen Lebensraums auf der Suche nach besseren Bedingungen auszuweiten“, sagt Bäumchen.

Universität Bayreuth


Originalpublikation:

Alexandros A. Fragkopoulos, Florian Böhme, Nicole Drewes, Oliver Bäumchen: Metabolic activity controls the emergence of coherent flows in microbial suspensions, PNAS (2025)
DOI: https://doi.org/10.1073/pnas.2413340122

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