VBIO

Gemeinsam für die Biowissenschaften

Werden Sie Mitglied im VBIO und machen Sie mit!

Riechen mit den Beinen – Spinnen nutzen haarähnliche Sinnesorgane, um Duftstoffe zu erkennen

Grafik: Ein Männchen der Art Argiope bruennichi nähert sich einem Weibchen
Grafik: Ein Männchen der Art Argiope bruennichi nähert sich einem Weibchen, das seine Paarungsbereitschaft durch die Abgabe eines Sexualpheromons (2R,3S)-Trimethyl methylcitrat (TMMC) signalisiert. Diese Moleküle sind durch helle Punkte gekennzeichnet. Grafik: Veronika Uhl

Spinnen können riechen: Sie verwenden haarähnliche Sensillen mit Poren, um flüchtige Substanzen aufzuspüren. Ein internationales Forschungsteam um die Arbeitsgruppe von Prof. Dr. Gabriele Uhl von der Universität Greifswald fand heraus, dass Spinnenmännchen an allen Beinen Tausende von Sensillen haben, mit denen sie Sexuallockstoffe wahrnehmen.

Der Geruchssinn oder Chemosensing ist für das Überleben und den Fortpflanzungserfolg von Tieren von zentraler Bedeutung. Er hilft ihnen beispielsweise, Beute- oder Raubtiere zu erkennen oder Paarungspartner aufzuspüren. Bisher wurde hauptsächlich zur Chemosensorik bei Insekten geforscht, vor allem im Rahmen der Pheromonforschung zur Schädlingsbekämpfung. Obwohl Spinnen als die wichtigste Gruppe natürlicher Feinde von Insekten gelten, da sie schätzungsweise 400 bis 800 Millionen Tonnen Insekten pro Jahr fressen, ist nur wenig über die chemosensorische Welt der Spinnen bekannt.

Das Greifswalder Team der Arbeitsgruppe Allgemeine und Systematische Zoologie am Zoologischen Institut und Museum an der Universität Greifswald wies mit Hilfe eines hochauflösenden Feldemissions-REM (1) Sensillen mit Poren in der Haarwand bei Männchen der Wespenspinne Argiope bruennichi nach. Sie ist eine der wenigen Spinnenarten, für die das Sexualpheromon bekannt ist, das Weibchen produzieren, um Männchen anzulocken. Ähnlich wie die Wand-Poren-Sensillen bei Insekten sind diese Haare innen nicht kompakt, sondern mit Lymphe gefüllt, die wiederum Fortsätze von Neuronen enthält. Dr. Hong-Lei Wang von der Pheromongruppe der Universität Lund testete, ob diese Sensillen, die ausschließlich bei männlichen Spinnen vorkommen, auf das artspezifische Sexualpheromon der Weibchen reagieren. Er konnte eine deutliche und konzentrationsabhängige neuronale Reaktion auf das Pheromon nachweisen.

In einer vergleichenden Untersuchung von 19 Spinnenarten wurden diese nur bei Männchen vorhandenen Sensillen bei den meisten, aber nicht bei allen Arten gefunden. Die vorläufigen Daten deuten darauf hin, dass die Geruchswahrnehmung mit diesen Sensillen nicht das Grundmuster bei Spinnen ist, sondern sich bei Spinnen unabhängig von anderen Spinnentiergruppen und Insekten entwickelt hat.

Die Forschenden werden nun die Bedeutung des Geruchssinns bei Spinnengruppen mit und ohne diese Sensillen im Kontext von Partnerwahl, Beutefang und Fressfeindvermeidung vergleichen und die morphologischen Unterschiede und die molekulare Ausstattung des Geruchssinns zwischen Insekten und Spinnen erforschen. Diese Untersuchungen und Forschungsergebnisse erweitern das Wissen über die Ökologie von Spinnen und führen zu einem besseren Verständnis der Evolution des Geruchssinns bei landlebenden Gliederfüßern.

Universität Greifswald


Originalpublikation:

M.B. Talukder, C.H.G. Müller, D. Zhang, S. Schulz, C. Löfstedt, H. Wang, G.B. Uhl: Olfaction with legs—Spiders use wall-pore sensilla for pheromone detection, Proc. Natl. Acad. Sci. U.S.A.122 (3) e2415468121, 2025, https://doi.org/10.1073/pnas.2415468121

weitere VBIO News
Wasserbedingte Katastrophen reichen von Dürre und Trockenheit bis hin zu Überschwemmungen.

Wasserkreislauf im Wandel: Zunehmende Extreme

Weiterlesen
Nachtigall auf einem Ast

Den richtigen Ton treffen: Nachtigallen passen ihren Gesang in Tonhöhe und -länge an ihre Rivalen an

Weiterlesen
Die Visualisierung von Darmkrebs mittels Spatial Transcriptomics (10X Genomics Xenium Plattform) zeigt eine komplexe Gewebearchitektur mit funktionellen zellulären Nischen, in welchen sich Neutrophile (pink) anhäufen.

Darmkrebs programmiert Immunzellen bereits im Knochenmark um

Weiterlesen