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Studie zur Klimakommunikation im deutschen Fernsehen

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Klimathemen machten lediglich 2,2 Prozent der gesamten Sendezeit aus – deutlich weniger als soziale Fragen, Krieg oder Wirtschaft. From: https://doi.org/10.1038/s41558-026-02575-3

Fernsehen ist in Deutschland noch immer eines der wichtigsten Medien, um sich mit dem Thema Klimawandel auseinanderzusetzen. Zudem kann Fernsehen zur gesellschaftlichen Konsensfindung beitragen. Eine aktuelle Studie stellt jedoch fest, dass Fernsehinhalte zum Klimawandel vorrangig nachrichtenaffine Zielgruppen erreichen, während desinteressierte und skeptische Gruppen aufgrund ihrer präferierten TV-Formate kaum mit dem Thema in Kontakt kommen. 

„Die Forschung hat sich bislang stark auf die problematischen Effekte sozialer Medien im Kontext des Klimawandels konzentriert – etwa Polarisierung oder Desinformation. Weniger untersucht ist dagegen, welche Rolle klassische Rundfunkmedien für eine verständigungsorientierte und demokratiestärkende Kommunikation beispielsweise beim Thema Klimawandel spielen, obwohl diese trotz fortschreitender Digitalisierung weiterhin ein breites Publikum erreichen“, erklärt Prof. Dr. Imke Hoppe von der Ludwig-Maximilians-Universität München ihre Motivation für diese Untersuchung. 

Großangelegte empirische Analyse
Die Studie untersuchte das Fernsehprogramm von 20 öffentlich-rechtlichen und privaten Sendern im Zeitraum vom 1. September bis 1. November 2022 in Deutschland. Ergänzt wurde die Analyse durch eine repräsentative Zuschauerbefragung mit 1.445 Teilnehmenden. In der Studie analysierte ein interdisziplinäres Team unter Leitung der Kommunikationswissenschaftlerinnen Prof. Dr. Imke Hoppe (Ludwig-Maximilians-Universität München) und Prof. Dr. Irene Neverla (Universität Hamburg/Freie Universität Berlin) rund 23.478 Stunden Fernsehprogramm – ein Studienansatz für den es bis dato kaum vergleichbare wissenschaftliche Untersuchungen gibt. 

Methodische Innovation: KI-gestützte Analyse von TV-Inhalten
Erstmals kombinierten die Forschenden klassische sozialwissenschaftliche Methoden mit hoch entwickelten KI-basierten Bild- und Audioanalyseverfahren des Fraunhofer IDMT. Dank der intelligenten Textauswertung sowie den Verfahren zur automatisierten Gesichtsanalyse und zur systematischen Transkription von gesprochenem Text konnten die riesigen Datenmengen (ungefähr 1,8 Millionen Sendeminuten) ausgewertet werden. 

Klimawandel im TV: Sichtbar, aber im Mittelfeld der Aufmerksamkeit
Die Auswertung der Sendeinhalte zum Thema Klimawandel im Fernsehen ergab unter anderem, dass etwa 80 Prozent der klimabezogenen Sendeminuten in Nachrichten- und Informationsformaten stattfinden und nur rund 20 Prozent in den unterhaltungsorientierten Formaten. 
In dem untersuchten Zeitraum lag das Thema Klimawandel im Fernsehen mit seinem Sendeanteil deutlich hinter dem von sozialen Fragen (4,5 Prozent), Krieg (4,2 Prozent) und Wirtschaft (3,4 Prozent) auf Rang 4. 
Interessant sind auch die Ergebnisse zur Repräsentation gesellschaftlicher Gruppen im Fernsehen. Von insgesamt 71.971 erfassten Gesichtern waren lediglich 34 Prozent weiblich. Diese ungleiche Sichtbarkeit begrenzt nach Aussage der Autorinnen und Autoren der Studie die Fähigkeit des Fernsehens, als inklusiver demokratischer Diskussionsraum zu fungieren.

Klimawandel im Fernsehen: Sichtbar – aber vor allem für bereits Engagierte
Parallel zur Inhaltsanalyse wurde eine repräsentative Bevölkerungsbefragung mit 1.445 Teilnehmenden durchgeführt. Das Ergebnis bestätigt die inhaltliche Analyse, dass Klimaberichterstattung überwiegend in Informationsformaten stattfindet. Diese Formate werden primär von Personen genutzt, die dem Thema bereits aufgeschlossen gegenüberstehen.
Zuschauende mit einer distanzierten oder skeptischen Haltung werden mit diesen Formaten deutlich seltener erreicht.
Die Studie spricht hier von einer Reichweiten-Asymmetrie: Fernsehen erfüllt zwar seine Informationsfunktion – verstärkt jedoch vor allem bereits bestehendes Interesse. Um Klimathemen gesellschaftlich breiter zu verankern und die integrative Wirkung des Fernsehens zu stärken, braucht es daher inklusive Formate des Storytellings, vielfältigere Darstellungen für unterschiedliche soziale Gruppen sowie Programme jenseits klassischer Nachrichtenformate.

Polykrise und mediale Prioritäten
Der Untersuchungszeitraum der Studie fiel in eine Phase überlappender Krisen – Krieg in Europa, steigende Energiepreise, Inflationsdebatten und soziale Verteilungsfragen. Die Analyse zeigt deutlich, dass Klimathemen im Medienmix hinter akuten Konfliktlagen zurückbleiben. 
Vor diesem Hintergrund wirft die Studie zentrale medienpolitische Fragen auf: 
- Wie sehr setzt das duale Rundfunksystem langfristige Zukunftsthemen wie den Klimawandel auf seine Agenda, wenn kurzfristige Krisen die Berichterstattung dominieren? 
- Welche Verantwortung tragen öffentlich-rechtliche Anbieter in einer zunehmend fragmentierten Medienlandschaft – von Fernsehen über Social Media bis zu Online-Portalen – für die öffentliche Meinungsbildung und die gesellschaftliche Kohärenz? 
- Und welche Rolle spielen klassische TV-Formate im Vergleich zu sozialen Medien bei der Strukturierung gesellschaftlicher Zukunftsdebatten?

Die Datenerhebung wurde durch ARD, ZDF, Pro7Sat1 und RTL Deutschland ermöglicht. Förderpartner war die MaLisa Stiftung.

Weizenbaum-Institut


Originalpublikation:

Hoppe, I., Dörpmund, F., Weigel, C. et al. Climate change on television reaches the engaged but misses distant audiences. Nat. Clim. Chang.16, 288–296 (2026). doi.org/10.1038/s41558-026-02575-3

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