„Der Klimawandel und insbesondere Extremereignisse werden in der Naturschutzplanung immer noch stark unterschätzt. Dabei geht es um so viel mehr als eine schleichende Veränderung der Temperatur“, sagt Stefanie Heinicke, Leitautorin der Studie und Postdoktorandin am Potsdamer-Institut für Klimafolgenforschung (PIK).
Bereits eine einzige Hitzewelle, Überschwemmung oder ein Flächenbrand kann Tierpopulationen dezimieren. Wenn mehrere Arten von Extremereignissen aufeinanderfolgen, verstärken sich die Auswirkungen auf Arten und Lebensräume: Eine Population, die bereits durch eine Dürre geschwächt ist, kann einem nachfolgenden Waldbrand oft nicht standhalten.
Frühere Studien zeigen, dass nach den Bränden in Australien in den Jahren 2019-2020 in Gebieten, die zuvor eine Dürre erlebt hatten, um 27 bis 40 Prozent stärkere Rückgänge bei Pflanzen- und Tierarten zu verzeichnen waren, als in nicht vorbelasteten Regionen.
Eine rasche Senkung der Emissionen auf netto-null könnte diese Auswirkungen jedoch noch weitgehend verhindern. Gelänge eine rasche Emissionssenkung auf netto-null und eine spätere Abkühlung des Klimas in der zweiten Hälfte des Jahrhunderts, wären 2085 statt eines Drittels nur 9 Prozent der Lebensräume von an Land lebenden Arten von multiplen Extremereignissen betroffen.
„Wir können einen großen Unterschied bewirken, indem wir die Emissionen ab heute so schnell wie möglich senken“, so Heinicke.
Auswirkungen des Klimawandels auf die Biodiversität
Die Forschenden wählten einen neuartigen Ansatz, um die Auswirkungen des Klimawandels auf die Biodiversität zu untersuchen: Sie nutzten Ergebnisse von Klimafolgenmodellen, die unterschiedliche Daten zu komplexeren Klimawirkungen, über die reine Erwärmung hinaus, liefern – etwa Projektionen zu Überschwemmungsgebieten und Waldbränden.
In einem Szenario ungebremster Erwärmung stellte das Team fest, dass im Jahr 2050:
- 74 Prozent der Lebensräume von Hitzewellen bedroht,
- 16 Prozent von Waldbränden gefährdet,
- Und 8 Prozent von Dürren und 3 Prozent von Flussüberschwemmungen betroffen sind.
Zu den betroffenen Gebieten gehören besonders artenreiche Hotspots im Amazonasbecken, in Afrika und Südostasien.
„Dass Waldbrände in unseren Prognosen eine so dominante Rolle spielen, ist ein entscheidender Befund“, sagt Katja Frieler, Ko-Autorin der Studie und Leiterin der Forschungsabteilung für Klimaresilienz am PIK.
„Mir ist keine andere Studie bekannt, die die Gefährdung von Tieren durch Waldbrände so konkret prognostiziert hat. Zu erkennen, dass Feuer in vielen Regionen eine größere direkte Bedrohung darstellen als Dürren, schließt eine entscheidende Wissenslücke in der Forschung“, so Frieler.
Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK)
Originalpublikation:
Heinicke, S., Zantout, K., Kühl, H.S. et al. Land vertebrates increasingly exposed to multiple extreme events by 2085. Nat Ecol Evol (2026). doi.org/10.1038/s41559-026-03050-0

