VBIO

Gemeinsam für die Biowissenschaften

Werden Sie Mitglied im VBIO und machen Sie mit!

Katzen schnurren anders als bisher vermutet

Katzen Schnurren
Bild von Doris Metternich auf Pixabay

Eine kürzlich veröffentlichte Studie liefert neue Erkenntnisse darüber, wie Katzen ihre Schnurrgeräusche erzeugen. Ein einzigartiges "Gewebspolster" in den Stimmlippen könnte erklären, wie so kleine Tiere derart tiefe Töne erzeugen können.
 

Katzen sind stimmgewaltige Lebewesen: Sie miauen, kreischen und schnurren. Hinsichtlich der Stimmproduktion sind das Miauen und das Kreischen nichts Besonderes. Ihr Klang wird im Kehlkopf der Katze erzeugt, genau wie bei Menschen und vielen anderen Säugetieren. Im Gegensatz dazu gilt das Schnurren der Katze schon lange Zeit als etwas Außergewöhnliches. Forschungen, die ein halbes Jahrhundert zurückreichen, deuteten darauf hin, dass das Schnurren durch einen besonderen Mechanismus erzeugt wird – durch zyklisches Zusammenziehen und Entspannen von Muskeln im Kehlkopf, was einen ständigen neuronalen Input und die entsprechende Ansteuerung durch das Gehirn erfordern würde.

Eine aktuelle Studie unter der Leitung des österreichischen Stimmforschers Christian T. Herbst von der Universität Wien zeigt nun, dass diese zyklischen Muskelkontraktionen nicht notwendig sind, um das Schnurren von Katzen zu erzeugen. Seine Daten aus einem kontrollierten Laborexperiment belegen, dass der Kehlkopf der Hauskatze beeindruckend tiefe Töne mit Schnurrfrequenzen erzeugen kann, ohne dass ein neuronaler Input oder zyklische Muskelkontraktionen erforderlich sind. Der beobachtete Mechanismus der Klangerzeugung ähnelt verblüffend der menschlichen "Schnarrstimme" oder dem "vocal fry".

"Anatomische Untersuchungen haben ergeben, dass ein einzigartiges ‚Gewebspolster‘ in den Stimmlippen der Katzen erklären könnte, wie ein so kleines Tier, das nur wenige Kilogramm wiegt, regelmäßig Töne mit diesen unglaublich niedrigen Frequenzen von 20-30 Hz erzeugen kann. Dieser Wert liegt weit unter den tiefsten Basstönen, die menschliche Stimmen hervorbringen können", erklärt Herbst. Die Ergebnisse der Studie stellen zwar keine völlige Falsifikation der bisherigen Theorie dar, sind aber ein klarer Hinweis darauf, dass das derzeitige Verständnis des Katzenschnurrens unvollständig ist und weitere Forschung erfordert.

Universität Wien


Originalpublikation:

Christian T. Herbst et al: Domestic cat larynges can produce purring frequencies without neural input. 2023. Current Biology, DOI: 10.1016/j.cub.2023.09.014, https://www.doi.org/10.1016/j.cub.2023.09.014

weitere VBIO News
3D-DNA-FISH einer Zelle, die zeigt, wie nah Chromosom 19 (XCP19 – grün) und Chromosom 18 (XCP18 – orange) an den Kernflecken sind.

Eine Geschichte der Koevolution: Sprenkel im Zellkern helfen bei der RNA Verarbeitung

Weiterlesen
korallenriff

Gefährdete Naturstoff-Apotheke im Korallenriff

Weiterlesen
Buchdrucker auf Baumrinde in Nahaufnahme.

Übersichtsstudie entschlüsselt das Pilz-Netzwerk des Fichtenborkenkäfers

Weiterlesen