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Warum Sexualbildung im Biologieunterricht unverzichtbar ist - Impuls des VBIO

Sexualbildung im Biologieunterricht ist unverzichtbar – das betont der Verband Biologie, Biowissenschaften und Biomedizin in Deutschland (VBIO e. V.) in einem kürzlich vorgelegten Impuls, der von der Sektion Fachdidaktik der Biologie (FDdB) im VBIO erarbeitet wurde. Das Papier betont Bedeutung und Aufgaben des Biologieunterrichts für eine diversitätssensible und diversitätsgerechte schulische Sexualbildung. Es definiert Grundlagen und Begriffe der Sexualbildung im Biologieunterricht, erläutert Bildungsziele und Gestaltungsprinzipien und leitet daraus Anforderungen für die schulischen Rahmenbedingungen und die Professionalisierung von Lehrkräften ab.

Ein ganzheitlicher Sexualitätsbegriff umfasst biologische, soziale, kulturelle und persönliche Aspekte. Sexualbildung ist daher eine überfachliche Aufgabe. Gleichwohl kommt dem Biologieunterricht – ausgehend von der Vermittlung biologischer Grundlagen – dabei eine zentrale Rolle zu. 

„Dies ist auch der Grund, warum wir uns als Biologie-Verband in unserer Gesamtheit hinter den Impuls unserer Sektion Fachdidaktik der Biologie stellen“, so Markus Engstler, Präsident des VBIO „Aber neben biologischen Grundlagen müssen die vielfältigen gesellschaftlichen und historischen Kontexte einbezogen werden.“

Biologisches Fachwissen soll alter- und entwicklungsangemessen, aber auch umfassend und differenziert vermittelt werden. Dabei sind die biologischen Perspektiven auf Geschlechtsbestimmung (chromosomal, gonadal, hormonell, morphologisch) offenzulegen. Varianten der Geschlechtsentwicklung, Intergeschlechtlichkeit, verschiedene Formen der sexuellen Orientierung, sowie Transidentität sollen angesprochen und reflektiert werden. 

Der Biologieunterricht adressiert dabei Sexualaufklärung (Vermittlung von biologischem Wissen), Sexualerziehung (Vermittlung von Werten und Normen) und Sexualbildung (Befähigung zur Selbstbestimmung) gleichermaßen, aber mit unterschiedlichen Schwerpunkten. 

„Über die Förderung von Selbstbestimmung hinaus, hat schulische Sexualbildung auch den Auftrag einen strukturellen Beitrag zur Prävention sexualisierter Gewalt zu leisten. Kinder und Jugendliche müssen Kommunikationsstrukturen erfahren und erlernen, in denen grenzverletzendes Verhalten klar benannt werden kann. Schule sollte ein safer space sein, in dem Werte wie Konsens, Respekt und Diskriminierungsfreiheit gelebt werden“, sind sich Dr. Britta Lübke (Universität Hamburg) und Prof. Dr. Sonja Schaal (PH Ludwigsburg), die maßgeblich an der Entstehung des Papiers mitgewirkt haben, einig. 

Die Autor/-innendes Papiers legen dar, dass biologische Erkenntnisse sowohl in ihrer Komplexität als auch in ihrer Kontextualisierung präsentiert werden müssen, um eine kritische Reflektion biologischer und gesellschaftlicher Konstruktionen zu ermöglichen. Die kritische Analyse von Biologismen, die traditionelle Rollen oder Normen legitimieren, soll zu der Erkenntnis beitragen, dass normative Aussagen nicht aus biologischen Fakten abgeleitet werden können.

Sexualbildung bedarf einer werteorientierten, diversitätssensiblen, inklusiven Lernumgebung und einer alters- und entwicklungsgerechten Unterrichtsgestaltung, die die psychosexuelle Entwicklung, Entwicklungsaufgaben und Lebenswelten berücksichtigt.

„Das sind hohe Anforderungen, die da an Lehrende gestellt werden“ weiß Prof. Dr. Moritz Krell, Vorsitzender der FDdB. „Um Sexualbildung kompetent vermitteln zu können benötigen wir umfassende Aus- und Fortbildungen in allen Phasen der Lehrkräftebildung“. 

Auch in der Sexualbildung sind Grundlagen des Beutelsbacher Konsenses von hoher Bedeutung, insbesondere das Überwältigungsverbot (keine Indoktrination durch Lehrkräfte). Kontroverse Positionen in Wissenschaft, Gesellschaft und Politik sollen sichtbar gemacht werden. Schulexterne Fachkräfte wie Sexualpädagog/-innen oder Peer-Projekte können den Unterricht ergänzen. Die Verantwortung bleibt jedoch bei der Lehrkraft, die insbesondere eine zielgruppenorientierte Planung und Qualitätssicherung sicherstellen muss. Schulische Sexualbildung soll im Dialog mit Eltern und Erziehungsberechtigten erfolgen. Ziel ist eine gemeinsame Basis zwischen schulischem Auftrag und elterlichen Erziehungsvorstellungen.

Schulische Sexualbildung im Biologieunterricht fördert die Kompetenzentwicklung im Umgang mit den biologischen Grundlagen und eröffnet einen wertorientierten, diversitätssensiblen und diversitätsgerechten Diskursraum.

(VBIO)


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