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Die Sprache des Spiels: Hyänen deeskalieren mit Mimik und Stimme

In populären Filmen und Geschichten werden Hyänen meist lediglich als Jäger und Aasfresser dargestellt, jedoch verbringen sie in der Realität durchaus viel Zeit mit Spielen und Raufen. Eine neue wissenschaftliche Studie räumt mit Vorurteilen über diese ikonischen Raubtiere auf und zeigt: Tüpfelhyänen verfügen über ein hochentwickeltes Sozialverhalten und eine ausgefeilte Kommunikation mit Mimik und Stimme. Die Studie ist das Ergebnis einer Zusammenarbeit zwischen der Abteilung für Ethologie der Universität Pisa, dem Ngorongoro-Hyänen-Projekt des Leibniz-Instituts für Zoo- und Wildtierforschung und Siyafunda Wildlife & Conservation. 

unge Tüpfelhyänen beim Spielen.

Junge Tüpfelhyänen beim Spielen. Foto: Oliver Höhner

Das Forscherteam hat Tüpfelhyänen (Crocuta crocuta) in freier Wildbahn beim Spielen beobachtet und dabei festgestellt, dass ihre präzise Kommunikation durchaus mit der vieler Primatenarten vergleichbar ist. Hyänen spielen und raufen miteinander in allen Lebensphasen. Zwar spielen Jungtiere häufiger als erwachsene Tiere, doch auch bei ihnen ist die Freude am Spiel zu beobachten. Interessanterweise mögen adulte Hyänen offenbar besonders Spiele im Wasser. 

Komplexe Kommunikation ist Grundlage für spielerische Kämpfe 

Das spielerische Raufen ist eine Form der sozialen Interaktion, die eine fein abgestimmte Kommunikation zwischen den Tieren erfordert, um Missverständnisse zu vermeiden und das Risiko einer Eskalation zu minimieren. Das ist insbesondere bei großen und kräftigen Raubtieren wie den Hyänen sehr wichtig. Um sicherzustellen, dass der Spielpartner die friedliche Absicht versteht, nutzen Tiere verschiedene Signale der Körpersprache. Bei Säugetieren ist das „entspannte, offene Maul“ („Relaxed Open Mouth“, ROM) das häufigste visuelle Signal, das typischerweise im Sichtfeld des Gegenübers gezeigt wird, um friedliche Absichten zu vermitteln. Im Gegensatz dazu sind vokale Signale bislang nur unzureichend erforscht, was zum Teil daran liegt, dass die Tiere, die gerade Laute äußern, nicht zuverlässig identifiziert werden können.

Hyänen beherrschen Mimik und differenzierte Lautäußerungen

Die neue Studie zeigt, dass Hyänen visuelle und vokale Signale der Körpersprache kombinieren, um auch in der Gruppe ein gemeinsames Verständnis der spielerischen Absicht aufrechtzuerhalten. Das Forscherteam konnte beobachten, dass Hyänen das Spielsignal „entspanntes, offenes Maul“ (ROM) zwar häufig beim Eins-zu-Eins-Spiel, also beim direkten Blickkontakt, verwenden, in komplexeren Gruppensituationen dieses Spielsignal dann aber verstärkt mit Lautäußerungen kombinieren. Dr. Oliver Höner, Mitautor der Studie und Forscher am Leibniz-IZW erklärt: „Wenn mehrere Hyänen miteinander spielen und sie sich nicht sicher sein können, dass alle Teilnehmenden das entspannte ROM sehen, dann setzen sie zusätzliche Signale in Form von spielspezifischen Lautäußerungen ein, die von allen Teilnehmenden registriert und verstanden werden.“ Die vom Forscherteam beobachteten Hyänen nutzten beim Spielen insgesamt 13 verschiedene Lautäußerungen, wovon fünf noch nie zuvor beschrieben wurden. Diese differenzierten Lautäußerungen kompensieren vermutlich den fehlenden Blickkontakt beim Gruppenspiel, so die Forschenden. 
Eine adaptive Nutzung mehrerer Kommunikationsformen unterstreicht die Fähigkeit der Tüpfelhyänen, ihre Körpersprache aktiv an den jeweiligen sozialen Kontext anzupassen – ein Hinweis auf ihre ausgeprägten kognitiven und sozialen Fähigkeiten. 

Das Ngorongoro-Hyänen-Projekt des Leibniz-IZW erforscht seit mehr als 30 Jahren die Hyänenpopulationen im Ngorongoro-Krater in Tansania.

Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung (Leibniz-IZW) im Forschungsverbund Berlin e.V.


Originalpublikation:

Francesconi, M., Masciarelli, E., Schianini, V. et al. Eyes, ears, and play in the wild: flexible use of sensory channels in spotted hyena communication. Behav Ecol Sociobiol80, 41 (2026). doi.org/10.1007/s00265-026-03711-x

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