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Korallenriffe um Hainan: Lokale Belastungen verstärken Klimafolgen – integriertes Land-Meer-Management bietet Chancen

Der fortschreitende Verlust von Korallenriffen im nördlichen Südchinesischen Meer ist das Ergebnis eines komplexen Zusammenspiels globaler und lokaler Einflüsse. Eine internationale Langzeitstudie zeigt: Während der Klimawandel den übergeordneten Stressrahmen setzt, wirken lokale Aktivitäten wie Überfischung, Nährstoffeinträge aus Landwirtschaft und Aquakultur oder zunehmende Küstenbebauung als Beschleuniger der Riffdegradierung. 

Aquakulturanlagen

Stickstoffeinträge aus der Landwirtschaft oder Aquakulturanlagen – wie in der Xincun-Lagune im Südosten der Insel Hainan – sowie zunehmende Urbanisierung und Küstenbebauung beschleunigen die Riffdegradierung in der Region Copyright: Tim Jennerjahn, Leibniz-Zentrum für Marine Tropenforschung (ZMT)

Ein Forschungsteam unter Leitung der Hainan University, gemeinsam mit u.a. der National University of Singapore (NUS) und dem Leibniz-Zentrum für Marine Tropenforschung (ZMT), untersuchte über einen Zeitraum von 20 Jahren (2000 bis 2020) insgesamt 102 Riffstandorte in den Gewässern rund um die Insel Hainan. Die Analyse dokumentiert einen durchschnittlichen Rückgang der lebenden Korallenbedeckung um 40 Prozent.

Mittels statistischer Modellierungen wurde der Einfluss verschiedener Stressfaktoren quantifiziert. Demnach erklärten lokale Belastungen durch den Menschen – insbesondere Überfischung, Nährstoffeinträge aus Landwirtschaft und Aquakultur und zunehmende Küstenbebauung – den Großteil (73%) der regionalen Unterschiede im Korallenrückgang. Gleichzeitig bleibt der Klimawandel ein zentraler Faktor: Steigende Wassertemperaturen schwächen die Widerstandsfähigkeit der Riffe und machen sie anfälliger für zusätzliche Belastungen.

„Unsere Analyse ergab, dass Überfischung, Stickstoffabflüsse aus der Aquakultur und der Landwirtschaft sowie die Ausdehnung der Städte nicht nur zusätzliche Bedrohungen darstellen, sondern hauptsächlich verantwortlich sind für den Zusammenbruch der Riffe in dieser Region während des untersuchten Zeitraums“, erklärt Studienleiter Hongwei Zhao von der Hainan University. 

Die Studie zeigt zudem regionale Unterschiede in den Abbauprozessen der Riffe:

• Ost-Hainan: Überfischung und steigende Nährstoffeinträge aus Aquakultur und Landwirtschaft begünstigten einen Übergang von korallendominierten zu algenreichen Systemen.

• Süd-Hainan: Urbanisierung und stark wachsender Tourismus führten zu erhöhten Abwassereinträgen, Sedimentation und Habitatverlust.

• Xisha-Inseln: Ausbrüche des Dornenkronenseesterns, der Steinkorallen frisst, verursachten großflächige Schäden.

Integriertes Management vor Ort verbindet Maßnahmen an Land und im Meer, aber globale Klimaschutz-Maßnahmen bleiben unverzichtbar

Auf Basis dieser Ergebnisse entwickelte das Team den Rahmen für ein integriertes Küsten-Riff-Management (Integrated Coast Reef Management, ICRM). Der Ansatz verbindet Maßnahmen an Land und im Meer und umfasst quantitative Bewertungen, die Identifizierung von Stressfaktoren sowie maßgeschneiderte Strategien. 

Dazu zählen eine adaptive Regulierung durch nachhaltiges Fischereimanagement, die Verringerung des Nährstoffabflusses aus der Aquakultur und der Landwirtschaft, die Bekämpfung von Dornenkronenseestern-Ausbrüchen und eine umweltfreundliche Küstenplanung.

Die Forschenden modellierten verschiedene Szenarien unter Verwendung des ICRM-Ansatzes und konnten so zeigen, dass ein gleichzeitiges Land- und Meeresmanagement die lebende Korallenbedeckung unter anhaltender globaler Erwärmung möglicherweise um das Zwei- bis Vierfache erhöhen könnte und einen Zusammenbruch der Riff-Kalzifizierung – also des Aufbaus stabiler Korallen-Kalkskelette aus gelöstem Kalziumkarbonat – verhindern könnte.

„Lokale Eingriffe wie die Reduzierung von Nährstoffeinträgen aus Aquakulturanlagen oder landwirtschaftlichen Düngemitteln sowie die Stärkung einer nachhalten Fischerei stellen kurzfristig umsetzbare Hebel dar“, betont Mitautor Tim Jennerjahn vom ZMT. „Sie ersetzen jedoch nicht die Notwendigkeit globaler Klimaschutzmaßnahmen.“

Riffschutz müsse zudem auf die lokalen sozioökologischen Bedingungen zugeschnitten sein, sagt Co-Autor Tong Liu von der NUS in Singapur. „Unser Rahmenkonzept bietet konkrete Maßnahmen für Entscheidungsträger – von der Präzisionslandwirtschaft über die Stärkung von Fischbeständen bis hin zur Ausweitung von Meeresschutzgebieten“, so der Forscher.

Leibniz-Zentrum für Marine Tropenforschung


Originalpublikation:

Xu, H., Li, Y., Liu, T. et al. Impacts of local anthropogenic stressors outpace those of climate on coral reef collapse in the northern South China Sea. Nat Commun17, 4136 (2026). doi.org/10.1038/s41467-026-70760-1

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