Biofluoreszenz – also das Leuchten von Körperstrukturen nach Anregung durch kurzwelligeres Licht – ist im Tierreich weit verbreitet. Ihre biologische Bedeutung ist jedoch häufig unklar. Bei vielen Tiergruppen gilt Fluoreszenz bislang als Merkmal ohne klare Funktion. Belastbare Nachweise für eine Rolle in der Kommunikation sind selten.
Im Tieflandregenwald der peruanischen Amazonasregion entdeckten Zoologen der Staatlichen Naturwissenschaftlichen Sammlungen Bayerns (SNSB) bei nächtlichen Exkursionen mit UV-Lampen fünf Weberknechtarten aus derselben Familie, die zeitgleich denselben Lebensraum nutzen. Obwohl sich die Tiere in Größe und Färbung stark ähneln, unterscheiden sie sich eindeutig in Form und Größe eines hellen Musters auf dem Rücken. Dieses Merkmal ist innerhalb jeder Art konstant und unterscheidet sich deutlich zwischen den Arten. Unter ultraviolettem Licht zeigte sich, dass dieses Rückenmuster intensiv blau-grün leuchtet. Damit können sich die Tiere selbst bei sehr schwacher Beleuchtung – zum Beispiel bei Mondlicht und in der Dämmerung – vermutlich noch gut erkennen, ein entscheidender Vorteil für dämmerungs- und nachtaktive Arten.
Mikroskopische Untersuchungen ergaben, dass die Fluoreszenz aus der äußeren Körperhülle stammt. Direkt unter der Körperoberfläche liegt zusätzlich eine mehrschichtige, spiegelnde Lage aus plättchenförmigen Kristallen. Diese wirkt wie ein natürlicher Reflektor: Einfallendes Licht wird zurückgeworfen, ebenso das entstehende Fluoreszenzlicht. Dadurch wird das Signal verstärkt und besonders intensiv wahrnehmbar.
Frühere Studien bei anderen Weberknechtarten legen nahe, dass diese Tiere sowohl kurzwellige Anteile des Lichts als auch das eigene Leuchten im blau-grünen Bereich wahrnehmen können. Die aktuellen Untersuchungen zeigen, dass ihre Augen einfach gebaut, aber ausreichend empfindlich sind, um kontrastreiche Muster aus kurzer Distanz zu erkennen. Da sich die Weberknechte im Laub, auf Totholz und am Boden dreidimensional bewegen, können sie die Rückenzeichnungen ihrer Artgenossen gut sehen.
Für eng verwandte Arten, die denselben Lebensraum und dieselben Aktivitätszeiten teilen, ist eine sichere Unterscheidung zwischen Artgenossen und fremden Arten besonders wichtig – etwa bei der Partnersuche oder zur Vermeidung von Fehlpaarungen. "Unsere Studie liefert starke Hinweise darauf, dass die Fluoreszenz bei diesen Tieren gezielt dem Zweck dient, artspezifische Merkmale hervorzuheben. Wir vermuten, dass hinter der aufwendigen Kombination aus fluoreszierender Oberfläche und spiegelnder Unterschicht eine ganz konkrete biologische Funktion steckt und nicht etwa ein zufälliger Nebeneffekt" sagt Erstautor Stefan Friedrich von den Staatlichen Naturwissenschaftlichen Sammlungen Bayerns (SNSB).
Bei den untersuchten Weberknechten sprechen mehrere zentrale Kriterien für eine Funktion der Fluoreszenz zur Verständigung: Die Rückenmuster sind deutlich sichtbar, klar abgegrenzt und artspezifisch, ihre Sichtbarkeit passt zu den Lichtverhältnissen, bei denen die Tiere aktiv sind. Zusätzlich sind die Augen der Spinnentiere in der Lage die Muster wahrzunehmen. Die Forschenden betonen aber auch, dass in einem nächsten Schritt Verhaltensversuche notwendig wären, um die Rolle der fluoreszierenden Muster endgültig zu bestätigen.
An der Arbeit beteiligt waren Forschende der SNSB, der LMU München und der Hochschule München. Die Feldarbeiten fanden an der biologischen Forschungsstation Panguana in Peru statt.
SNSB - Zoologische Staatssammlung München
Originalpublikation:
Friedrich, S., Schwager, M., Heß, M., Glaw, F. & Lehmann, T. Evidence for fluorescence-supported species recognition in syntopic harvestmen. Sci Rep 16, 2631 (2026). https://doi.org/10.1038/s41598-026-36335-2





