VBIO

Gemeinsam für die Biowissenschaften

Werden Sie Mitglied im VBIO und machen Sie mit!

„Friss-mich-nicht“-Mechanismus entschlüsselt

Hand die Bone Marrow schreibt
FAU-Forschende finden Therapieansatz gegen Komplikationen nach Knochenmarkstransplantation, Bild: shutterstock/syedfahadghazanfar

Für viele Leukämie-Patient/-innen ist eine Transplantation von Blutstammzellen aus dem Knochenmark von Spender/-innen der einzige Weg, wieder gesund zu werden. Doch dabei kann es zu Komplikationen kommen: Die Graft-versus-Host-Erkrankung ist eine davon. Forschende der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) haben nun den Mechanismus hinter dieser oft lebensbedrohlichen Komplikation entschlüsselt und damit die Grundlage für eine mögliche Therapie geschaffen.

Ein Merkmal der Graft-versus-Host-Erkrankung sind schwere Entzündungsprozesse, die besonders im Darm auftreten. Bekannt ist, dass dabei Fresszellen, sogenannten Makrophagen, eine wichtige Rolle spielen. Deren Aufgabe ist es, abgestorbene oder entzündungsfördernde Zellen aufzunehmen und abzubauen. Geschieht dies nicht, kommt es zu einer überschießenden und oft gefährlichen Immunreaktionen. 

Das Team um den Biologen Dr. Heiko Bruns vom Lehrstuhl für Hämatologie / Internistische Onkologie der FAU hat in Zusammenarbeit mit Wissenschaftler/-innen der Universitäten Regensburg und Würzburg im Rahmen des SFB/Transregio 221 nun herausgefunden, dass ein Protein namens CD47 den entscheidenden Unterschied macht: T-Zellen, die besonders viel von diesem Protein auf ihrer Oberfläche tragen, werden von den Fresszellen verschont. Das Protein gibt den Makrophagen das Signal „friss mich nicht“. T-Zellen gehören zu den weißen Blutkörperchen und sind damit ein wichtiger Teil der körpereigenen Abwehr. Unter bestimmten Umständen können sie aber auch gegen den eigenen Organismus richten und schwere Entzündungen auslösen.

„Spannend ist“, sagt Dr. Heiko Bruns „dass ein spezieller schon therapeutisch genutzter Antikörper gegen CD47 die Hemmung der Fresszellen aufheben konnte: Die Makrophagen konnten die krankheitsverursachenden T-Zellen wieder besser aufnehmen. Die Symptome der Graft-versus-Host-Erkrankung konnten deutlich gelindert werden.“

Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg 


Originalpublikation:

Cindy Sheree Flamann, Haroon Shaikh, Carina Matos, Marina Kreutz, Hla Ali, Michael AG Kern, Maike Büttner-Herold, Benedikt Jacobs, Simon Völkl, Christopher Lischer, Christian Kellner, Johannes Berges, Katrin Bitterer, Domenica Saul, Manisha Goel, Cornelia Link-Rachner, Alma Zernecke, Daniela Andrea Weber, Dimitrios Mougiakakos, Andreas Mackensen, Andreas Beilhack, Heiko Bruns; Augmented CD47 expression impairs alloreactive T-cell clearance after allo-HCT. Blood 2025; blood.2023023056. doi: https://doi.org/10.1182/blood.2023023056

weitere VBIO News
Ein Fischschwarm schwimmt Seite an Seite mit Haien.

Kleinere Fische und veränderte Nahrungsnetze – auch dort, wo die Artenzahl gleich bleibt

Weiterlesen
Grafik:  Viele Merkmale entstehen aus dem Zusammenspiel zahlreicher Gene – und werden zusätzlich durch Umwelt und genetischen Hintergrund geprägt.

Jenseits von Mendel: Forschende fordern ein neues Verständnis der Genetik

Weiterlesen
Das Bild zeigt die Struktur der viralen Polymerase (grau) mit dem ringförmigen Transkriptionsfaktoren VITF-3l (rot) und VITF-3s (grün). Die umschlossene DNA ist in blau zu sehen.

Ein Ring sie zu transkribieren: Der Sonderweg der Pockenviren

Weiterlesen