VBIO

Grundlagenforschung

Grundlagenforschung untersucht Objekte, Verhaltensmechanismen, Grundstrukturen oder Funktionszusammenhänge und liefert elementare wissenschaftliche Erkenntnisse über Mensch, Natur und System. Sie wird vom reinen Erkenntnisinteresse geleitet und zielt darauf, allgemein gültige Zusammenhänge und Gesetzmäßigkeiten aufzuspüren. Grundlagenforschung bildet die Basis für die gesamt Forschungskette über die anwendungsorientierte Grundlagenforschung bis hin zur Entwicklung konkreter Anwendungen.

Auf diese Weise legt die Grundlagenforschung letztlich die Grundlage für jegliche Innovation.

Da Grundlagenforschung selbst kein wirtschaftliches Interesse verfolgt ist sie auf öffentliche Förderung angewiesen.


Missverstanden und unterschätzt

Dennoch muss sich die Grundlagenforschung häufig der Kritik erwehren: Warum sollte der Steuerzahler, Forschung fördern, die die Neugier der Wissenschaftler befriedigt,  bei der aber kein Nutzen absehbar ist? Im Bereich der biowissenschaftlichen Forschung kommen weitere Fragen hinzu: Warum sollten im Bereich der biomedizinischen Grundlagenforschung  Tierversuche genehmigt werden? Wozu überhaupt gentechnische Grundlagenforschung an Pflanzen (inkl. Genome Editing), wenn die spätere Anwendung  (Freisetzung) nicht erwünscht bzw. strikt reguliert ist?  

Der Mythos, Grundlagenforschung sei nutzlos wurde schon in den 1970er-Jahren in einer Studie entkräftet, die systematisch den Zusammenhang untersucht hat zwischen Grundlagenforschung auf der einen und den zehn bedeutendsten medizinischen Entwicklungen zur Behandlung von Herz- und Lungenerkrankungen auf der anderen Seite (zum Beispiel Operation am offenen Herzen,  Bypass oder Entdeckung der Elektrizität). Berücksichtigt wurden über 2.500 wissenschaftliche Arbeiten, die den genannten Therapien zugrunde lagen - 61,5 Prozent davon waren der Grundlagenforschung zuzuordnen.

Im Jahre 2015 belegte eine Studie zu zwei neu neuartigen Medikamenten die Bedeutung der Grundlagenforschung. Die Entwicklung der Medikamente basierte nachweisbar auf den grundlegenden Forschungsergebnissen aus 433 Publikationen von 15 Wissenschaftlern über 46 Jahre (Krebsmedikament Ipilimumab) bzw. 355 Publikationen von 33 Wissenschaftlern über 47 Jahre (Mukoviszidosemedikament Ivacaftor)


Der Standpunkt des VBIO

Der VBIO hat im August 2019 ein Positionspapier zur biowissenschaftlichen Grundlagenforschung vogelegt. Nach Ansicht des  Biologenverbandes bedarf es eines besseren Verständnisses für den speziellen Charakter von Grundlagenforschung. Kurze Zyklen von Drittmittelprojekten widersprechen dem Charakter der Grundlagenforschung ebenso wie kurzfristige förderpolitische Trends. Grundlagenforschung braucht mehr Wertschätzung, eine wirksame und längerfristige Finanzierung und die strukturelle Absicherung der dort Beschäftigten. Auch die begleitende Wissenschaftskommunikation muss nach Ansicht des VBIO ausgebaut werden.
Die Forderungen des VBIO im Einzelnen:

  • Politik und Verwaltung sind gefordert, die fundamentale Bedeutung einer qualitativ hochwertigen Grundlagenforschung für unsere Gesellschaft nachzuvollziehen, zu kommunizieren und sie zu stützen.
  • Eigenheiten und Bedeutung der Grundlagenforschung müssen der breiten Öffentlichkeit besser vermittelt werden. Dafür ist es notwendig, dass Politik, Forschungsförderer und Einzelinstitutionen zusätzliche Kommunikationsprogramme auflegen. Diese müssen so gestaltet sein, dass Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler nicht nur zusätzliche finanzielle, sondern auch zeitliche Ressourcen  erhalten, um sich direkt in die Wissenschaftskommunikation einbringen zu können.
  • Im Rahmen des naturwissenschaftlichen Unterrichts an Schulen müssen die Voraussetzungen geschaffen werden, die Grundlagen wissenschaftlichen Arbeitens zu verstehen. Die Bildungsverantwortlichen in den Ländern bzw. an den Hochschulen müssen Sorge tragen für angemessene Lehrpläne, entsprechende Stundenkontingente und gut ausgebildete Lehrkräfte.
  • Wir fordern öffentliche Forschungsförderer auf, Ausschreibungsverfahren und Förderungskriterien so zu gestalten, dass Sie dem spezifischen Charakter der Grundlagenforschung gerecht werden, ohne überzogene Forderungen nach einer unmittelbaren Anwendung der Erkenntnisse zu stellen.
  • Öffentliche Forschungsförderer sollten mehr langfristig angelegte Förderprogramme spezifisch für die Grundlagenforschung auflegen.
  • Hochschulen und Forschungseinrichtungen sollten innerhalb ihrer Budgets explizit Anteile für die Grundlagenforschung bereitstellen. Flächendeckend wird dies jedoch nur möglich sein, wenn die jeweiligen Träger die finanzielle Grundausstattung der Einrichtungen entsprechend verbessern.

Forschungsförderer, Hochschulen sowie die Entscheidungsträger in der Politik sollten auf Bundes- sowie auf Landesebene zusätzliche finanzielle Mittel für Outreach-Programme bereitstellen, die den Charakter und die Bedeutung von Grundlagenforschung für die Öffentlichkeit transparent und verständlich machen


Weitere Informationen

  • Der Schweizerische Nationalfonds SNF hat im Sommer 2019 eine Kampagne gestartet, die die Bedeutung der ergebnisoffenen Grundlagenforschung zu verdeutlichen. Sie finden verschiedene Beiträge auf Instagram und animierte Videos auf Youtube.
    Zur Kampagnenseite
  • Eine schöne Darstellung zur Grundlagenforschung mit vielen Beispielen, wie vermeintlich "nutzlose" Grundlagenforschung die Grundlage für wichtige Anwendungen geliefert hat, bietet die Seite von ProTest
  • Auch "Tierversuche verstehen" hat Informationen zur Grundlagenforschung zusammengestellt