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Neuer Bericht zur Wissenschaftsfreiheit weltweit veröffentlicht

Die institutionelle Autonomie ist für die Wahrung der Wissenschaftsfreiheit unerlässlich. Weltweit ist sie vergleichsweise stabil, mit bemerkenswerten Ausnahmen in sich autokratisierenden Demokratien. Der diesjährige Bericht zum Academic Freedom Index (AFI), der auf einem Projekt von Forschenden der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) und des Varieties of Democracy (V-Dem) Instituts der Universität Göteborg basiert, gibt einen Überblick über den weltweiten Stand der Wissenschaftsfreiheit. Er präsentiert Daten, die einen Zusammenhang zwischen der institutionellen Autonomie von Universitäten und der individuellen Freiheit von Forschenden nahelegen. Außerdem analysiert er den dramatischen Rückgang der Autonomie der Universitäten in den Vereinigten Staaten von Amerika aus einer vergleichenden Perspektive.

Grafik Weltkarte

Zwischen 2015 und 2025 nahm die institutionelle Autonomie in 43 Ländern ab, von denen 21 vorwiegend in Europa, Nordamerika und Lateinamerika liegen. (Grafik: AFI)

Stand der Wissenschaftsfreiheit 2025

Die Wissenschaftsfreiheit nimmt weltweit weiter ab. In den letzten zehn Jahren hat sie sich in 50 Ländern verschlechtert, während nur 9 Länder Verbesserungen verzeichnen konnten. Zu den Ländern, in denen ein Rückgang zu verzeichnen ist, gehören mehrere Demokratien, darunter u.a. die Vereinigten Staaten von Amerika, Griechenland, Finnland und Argentinien. Weltweit ist der Rückgang in der individuellen Dimension der Wissenschaftsfreiheit und der Campus-Integrität am stärksten. Im Gegensatz dazu gibt es weniger Länder, in denen die institutionelle Autonomie abnimmt. Es gibt jedoch gute Gründe, sich mit den Angriffen auf die institutionelle Autonomie der Universitäten zu beschäftigen.

Institutionelle Autonomie weltweit und im Westen

Zwischen 2015 und 2025 nahm die institutionelle Autonomie in 43 Ländern ab, von denen 21 vorwiegend in Europa, Nordamerika und Lateinamerika liegen. Dies deutet auf eine besorgniserregende Schwächung der Hochschulautonomie in liberalen Demokratien hin, beispielsweise in Kanada, den Niederlanden, der Schweiz und den Vereinigten Staaten, wenn auch in sehr unterschiedlichem Ausmaß.

Die institutionelle Autonomie spielt eine wichtige Rolle beim Schutz der Wissenschaftsfreiheit. Obwohl einige Forschende und politische Akteure kürzlich argumentierten, dass eine starke institutionelle Autonomie Universitäten begünstigen könnte, die die Vielfalt der Ansichten und Forschungsansätze unterdrücken, deuten die AFI-Daten auf einen positiven Zusammenhang zwischen institutioneller Autonomie und der individuellen Freiheit zu forschen und zu lehren hin. Universitäten mit stärkerer Autonomie bieten eher zuverlässigere Garantien für die Wissenschaftsfreiheit von Einzelpersonen. Umgekehrt werden sowohl Universitäten als auch einzelne Forschende anfälliger gegenüber nicht-akademischen Druck, wenn die institutionelle Autonomie geschwächt wird.

Vereinigte Staaten von Amerika und Hochschulautonomie

Das diesjährige AFI-Update untersucht die Entwicklung der institutionellen Autonomie in den Vereinigten Staaten (USA) und vergleicht diese Entwicklung mit den regionalen Durchschnittswerten für Westeuropa und Nordamerika zwischen 2015 und 2025. Die Analyse zeigt deutlich, dass die Autonomie der Universitäten in den USA weit hinter der Vergleichsgruppe zurückgefallen ist.

Der Bericht vergleicht außerdem die Entwicklung in den USA mit anderen ehemals demokratischen Ländern, die sich autokratisiert haben und heute nicht mehr als Demokratien gelten. In Indien, Ungarn, und der Türkei kam es nach ursprünglich gut geschützter Wissenschaftsfreiheit im Zuge der Autokratisierung zu einem graduellen und schleichenden Rückgang der institutionellen Autonomie, der unterschiedlich stark ausfiel. Im Gegensatz dazu verlief der Rückgang in den Vereinigten Staaten vergleichsweise abrupt: Die institutionelle Autonomie sank von 2,4 im Jahr 2024 auf 1,7 im Jahr 2025 (auf einer Skala von 0 bis 4). Dieser deutliche Einbruch innerhalb nur eines Jahres wurde vor allem durch Maßnahmen der amerikanischen Bundesregierung verursacht. Der Rückgang setzte erstmals im Jahr 2020 mit Maßnahmen einzelner Bundesstaaten ein, die die Universitäten auch heute weiterhin unter Druck setzten. Im Jahr 2019 lag der Wert für die institutionelle Autonomie in den USA noch bei 3,3, was im globalen und auch im regionalen Vergleich ein hoher Wert war.

Trotz der besorgniserregenden Aushöhlung der Hochschulautonomie in den Vereinigten Staaten hat sich durch rechtliche und institutionelle Gegenmaßnahmen Widerstand gebildet. Die Maßnahmen von Gerichten, akademischen Akteuren und zivilgesellschaftlichen Organisationen deuten darauf hin, dass es noch Wege gibt, diese gefährliche Erosion der institutionellen Autonomie abzuschwächen oder umzukehren.

Datengrundlage

Das diesjährige Update des Academic Freedom Index basiert auf V-Dem Daten der Version 16, die auf Bewertungen von 2.357 Länderexperten weltweit zurückgreift. Die Daten decken den Zeitraum von 1900 bis 2025 ab. Alle Daten sind öffentlich zugänglich und umfassen insgesamt mehr als eine Million Datenpunkte auf Kodiererebene. Der aggregierte Index setzt sich aus fünf Indikatoren zusammen: der Freiheit von Forschung und Lehre, der Freiheit des akademischen Austauschs und der Wissenschaftskommunikation, der institutionellen Autonomie von Universitäten, der Campusintegrität und der akademischen und kulturellen Ausdrucksfreiheit.

Open Access und Visualisierungen

Die für das AFI-Update 2026 verwendeten Daten sind für weitere Studien frei zugänglich. Auf der Website des Academic Freedom Index gibt es eine interaktive Visualisierung der Daten, Länderprofile und weiterführende Informationen zum Indexprojekt, der Bericht selbst ist auf der Webseite des AFI als PDF verfügbar. Die VolkswagenStiftung ermöglicht die Erstellung und wissenschaftliche Auswertung der Index-Daten seit 2021; sie fördert das Index-Projekt für insgesamt fünf Jahre.

Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg 


https://academic-freedom-index.net/

academic-freedom-index.net/research/Academic_Freedom_Index_Update_2026.pdf

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