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Leistenkrokodile schwammen tausende Kilometer über den Indischen Ozean

Eine genetische Studie zeichnet die evolutionäre Geschichte des Leistenkrokodils neu nach und klärt zugleich die Artzugehörigkeit der ausgerotteten Seychellen-Krokodile auf.

Leistenkrokodil an der Mündung des Nilgawa-Flusses in der Stadt Matara im Süden von Sri Lanka

Leistenkrokodile können über sechs Meter lang und über eine Tonne schwer werden. Sie bewohnen oft küstennahe Gebiete, wie hier zum Beispiel die Mündung des Nilgawa-Flusses in der Stadt Matara im Süden von Sri Lanka. Quelle: Kathrin Glaw, SNSB

Berichte von frühen Erkundungen der Seychellen vor über 250 Jahren beschrieben Krokodile noch als häufige Tiere an den Küsten der Inselgruppe. Aber nachdem die ersten Siedler 1770 dauerhaft auf den Inseln Fuß gefasst hatten, waren die Seychellenkrokodile innerhalb von 50 Jahren vollständig ausgerottet.

Eine neue genetische Studie belegt nun: Die Krokodile der abgelegenen Seychelleninseln gehörten nicht zu einer eigenen Art, sondern stellten die westlichste Population des Leistenkrokodils (Crocodylus porosus) dar, das auch als Salzwasserkrokodil bezeichnet wird. Das Ergebnis bestätigt eine frühere Vermutung, die sich allein auf äußere Merkmale gestützt hatte.

In ihrer Arbeit untersuchten die Forschenden aus Deutschland und den Seychellen die Evolutionsgeschichte und Verbreitung des Leistenkrokodils durch Sequenzvergleiche seiner DNA. Hierzu analysierten sie Gene von jüngeren Krokodilproben und mitochondriale Genome historischer Museumsexemplare der Gattung Crocodylus, darunter auch das vor rund 200 Jahren ausgerottete Seychellenkrokodil.

Unter allen heute lebenden Krokodilen sind die Leistenkrokodile am besten an ein Leben im Meer angepasst. Spezielle Salzdrüsen ermöglichen ihnen zum Beispiel überschüssiges Salz auszuscheiden und auf diese Weise lange im Meerwasser zu überleben. So konnten sie Inseln und Küstenregionen über Tausende von Kilometern hinweg besiedeln. "Die Gründer der Seychellenpopulation müssen mindestens 3000 Kilometer durch den Indischen Ozean getrieben sein, um die abgelegene Inselgruppe zu erreichen, vielleicht auch noch sehr viel weiter", sagt der Reptilienexperte Frank Glaw von den Staatlichen Naturwissenschaftlichen Sammlungen Bayerns (SNSB) und Seniorautor der Studie. 

"Die genetischen Muster deuten darauf hin, dass die Populationen der Leistenkrokodile über lange Zeiträume und große Distanzen hinweg miteinander verbunden blieben, was auf eine große Mobilität dieser Art hinweist", erklärt die Erstautorin Stefanie Agne von der Universität Potsdam. Das Leistenkrokodil ist bis heute eines der weitverbreitetsten Reptilien der Erde. Bis zur Ausrottung der Seychellenpopulation war ihr Areal allerdings noch größer und erstreckte sich in Ost-West-Richtung über 12.000 Kilometer von Vanuatu im Pazifischen Ozean bis auf die Seychellen im Indischen Ozean.

SNSB - Zoologische Staatssammlung München


Originalpublikation:

Agne S, Arnold P, Belle B, Straube N, Hofreiter M, Glaw F. 2026 Mitogenomic Crocodylia phylogeny and population structure of Crocodylus porosus including the extinct Seychelles crocodile. R. Soc. Open Sci. 13: 251546. https://doi.org/10.1098/rsos.251546

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