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Agrarproduktion ist Hauptursache für verheerende Waldbrände in Südamerikas Trockenwäldern

Mit Hilfe von Satellitendaten wurde die Feuergeschichte des Gran Chaco, einer der größten Trockenwaldregionen der Welt rekonstruiert. Demnach sind Brände vor allem auf die Ausweitung der Landwirtschaft und Rinderzucht zurückzuführen und nur in begrenztem Maße auf Klimaveränderungen. 

Großflächige Brände im südamerikanischen Chaco, eine der größten Trockenwaldregionen der Welt, die sich über die Länder Argentinien, Bolivien und Paraguay erstreckt. Das Foto wurde im September 2011 im argentinischen Chaco aufgenommen.

Großflächige Brände im südamerikanischen Chaco, eine der größten Trockenwaldregionen der Welt, die sich über die Länder Argentinien, Bolivien und Paraguay erstreckt. Das Foto wurde im September 2011 im argentinischen Chaco aufgenommen. Quelle: Julieta Decarre / HU Berlin

Jedes Jahr brennen riesige Waldflächen im südamerikanischen Chaco, einer tropischen Trockenwaldregion, die sich über die Länder Argentinien, Bolivien und Paraguay erstreckt und nach dem Amazonas die zweitgrößte Waldregion auf dem Kontinent bildet. Die zunehmenden Brände in Südamerikas Wäldern wurden bisher oft dem Klimawandel und den zunehmenden extremen Dürren zugeschrieben. Dies widerlegt nun eine in der Fachzeitschrift Nature Sustainability veröffentlichte Studie, die von Wissenschaftler*innen der Humboldt-Universität zu Berlin (HU) in Zusammenarbeit mit Partner*innen aus Bolivien und Argentinien erstellt wurde. 

Rekonstruktion der Feuergeschichte mit Satellitenbildern

Mittels rund 175.000 Satellitenbilder rekonstruierten sie die Feuergeschichte in der Chaco-Region und fanden heraus, dass auf zwei Dritteln der Fläche seit 1985 mindestens einmal ein Feuer ausgebrochen ist. In Dürrejahren brennt der Wald öfter, jedoch kann die Studie einen engen Zusammenhang zwischen Feuern und Agrarproduktion zeigen: In Trockenjahren werden besonders viele Wälder für den Anbau von Soja und die Ausweitung der industrialisierten Rinderzucht gerodet, und die anschließende Bewirtschaftung dieser Flächen führt in trockenen Jahren oft dazu, dass Feuer ausbrechen. Das Ergebnis ist gesellschaftlich relevant, da die Brände massive Mengen an Treibhausgasen freisetzen und die biologische Vielfalt sowie die Lebensgrundlagen Indigener Gemeinschaften bedrohen. 

Besondere Bedeutung gewinnen die Erkenntnisse auch im Hinblick auf die neue EU-Verordnung für entwaldungsfreie Lieferketten (EUDR), die für große Unternehmen ab dem 30. Dezember 2026 gelten wird. Die EUDR schreibt unternehmerische Sorgfaltspflichten für sieben Rohstoffe und daraus hergestellte Erzeugnisse vor. Demnach dürfen Rohstoffe wie Soja und Rindfleisch nicht auf Flächen erzeugt worden sein, die nach dem 31. Dezember 2020 entwaldet wurden.

Da der Chaco ein globaler Hotspot für die Produktion von Exportgütern wie Soja und Rindfleisch ist, liefert die Studie die wissenschaftliche Grundlage, um die Einhaltung solcher Regulierungen zu überwachen, und zeigt, dass strengere Abholzungsverbote und ein verbessertes Feuermanagement unerlässlich sind, um die ökologischen Kosten der landwirtschaftlichen Expansion zu begrenzen.

Feuerdynamiken im Chaco sind kein natürliches Phänomen

„Wenn man auf die Satellitenbilder blickt, sieht man kein natürliches Phänomen, sondern Feuerdynamiken, die eng mit der landschaftlichen Struktur zusammenhängen“, erklärt Dr. Matthias Baumann, Hauptautor der Studie und Senior Scientist am Geographischen Institut der Humboldt-Universität zu Berlin. „Unsere Daten zeigen deutlich, dass Dürreperioden oft als günstiges Zeitfenster genutzt werden, um Land billig mit Hilfe von Feuer zu roden. Das Feuer ist also ein Werkzeug der Landwirtschaft.“

Prof. Dr. Tobias Kümmerle, Professor am Geographischen Institut der Humboldt-Universität zu Berlin und Projektleiter des vom European Research Council (ERC) geförderten Projektes SystemShift, in dessen Kontext die Studie entstand, ergänzt: „Die Vorstellung, dass der Wald einfach von selbst in Flammen aufgeht, weil es trockener wird, greift zu kurz. Klimawandel und Landnutzungswandel wirken gemeinsam: im Chaco brennt es zwar in trockenen Jahren mehr, aber vor allem dort, wo der Mensch den Wald für Soja und Rindfleischproduktion zurückdrängt. Ein Teil dieser Agrarprodukte findet dann seinen Weg zu uns nach Europa.“ 

„Das gibt uns aber auch Hoffnung“, sagt Oswaldo Maillard, Co-Autor der Studie der für die Bolivianische Stiftung Fundación para la Conservación del Bosque Chiquitano arbeitet. „Wenn Landwirte und Rinderzüchter besseres Feuermanagement betreiben und wir die Landnutzung durch Instrumente wie die EUDR besser steuern, haben wir einen direkten Hebel, um die Feuerkatastrophen zu stoppen“. Die Studie zeige deutlich, dass die zerstörerischen Feuer im Chaco kein unausweichliches Klimaschicksal seien, sondern durch kluge Politik und nachhaltiges Handeln wieder eingedämmt werden können.

Humboldt-Universität zu Berlin


Originalpublikation:

Baumann, M., Maillard, O., Gasparri, I. et al. Fire dynamics in the South American Chaco and their link to agriculture and drought. Nat Sustain (2026). doi.org/10.1038/s41893-026-01793-z

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