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Neues WBGU-Teilgutachten: "Umwelt prägt Sicherheit"

Ausgetrockneter Boden Dürre
Bild von wegertg auf Pixabay

Die aktuelle Hitzewelle verdeutlicht einmal mehr: Globale Umweltveränderungen wie der Klimawandel, aber auch der Verlust der Biodiversität und die weltweite Verschmutzung sind Sicherheitsrisiken. Sie gefährden Menschen, gesellschaftliche Stabilität, wirtschaftliche Leistungskraft und die Handlungsfähigkeit von Staaten. In seinem neuen Teilgutachten ‚Umwelt prägt Sicherheit‘ zeigt der WBGU, dass Umweltschutz ein unverzichtbarer Bestandteil vorausschauender Sicherheitspolitik ist. 

Globale Umweltveränderungen wie der Klimawandel, der Verlust der Biodiversität und die zunehmende weltweite Verschmutzung sind zentrale Sicherheitsrisiken, sie gefährden Menschen, gesellschaftliche Stabilität, wirtschaftliche Leistungskraft und die Handlungsfähigkeit von Staaten. Es ist daher dringend geboten, sie in nationalen wie internationalen Sicherheitsstrategien vorrangig zu berücksichtigen. 

In seinem aktuellen Teilgutachten „Umwelt prägt Sicherheit“ zeigt der WBGU, dass Umweltschutz der menschlichen Daseinsfürsorge dient und somit einen unverzichtbaren Bestandteil vorausschauender, fachübergreifender Sicherheitspolitik darstellt. Der Beirat empfiehlt, die umweltbedingten Bedrohungen dauerhaft in die Arbeit des Nationalen Sicherheitsrats zu einzubeziehen und sie neben klassischen militärischen und wirtschaftlichen Sicherheitsbedingungen systematisch in Risikoanalysen zu integrieren. „Sicherheit beginnt mit dem Schutz unserer natürlichen Lebensgrundlagen. Wer Klimarisiken, Biodiversitätsverlust und Umweltverschmutzung ignoriert, unterschätzt die sicherheitspolitischen Herausforderungen unserer Zeit“, betont der WBGU. 

Drei Handlungsfelder beleuchtet das Teilgutachten dabei näher:

1. Stabilisierung des Klimas als Sicherheitsfaktor
Den Klimawandel zu stoppen und die globale Temperatur langfristig durch Entfernung von CO2 aus der Atmosphäre wieder zu senken, sind aus Sicht des WBGU zentrale Bausteine einer integrierten Sicherheitsarchitektur. „Wichtigste Voraussetzung dafür ist, die Verbrennung fossiler Energieträger wie Kohle, Öl und Erdgas so schnell und vollständig wie möglich zu beenden“, sagt Hans-Otto Pörtner, Klimaexperte am Alfred-Wegener-Institut Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung in Bremerhaven und Co-Autor des Teilgutachtens. Die Energiesysteme weltweit auf erneuerbare Quellen wie Sonne oder Wind umzustellen, könne Versorgungssicherheit und Resilienz steigern und zugleich geostrategische Handlungsspielräume erweitern. 

2. Stärkung der natürlichen Infrastruktur als Beitrag zum Bevölkerungsschutz
Der WBGU definiert natürliche Infrastruktur als Ökosysteme, die zum Bevölkerungsschutz beitragen, etwa indem sie Hitze dämpfen, die Luft reinigen oder Klimaveränderungen entgegenwirken. Um der sicherheitsstrategischen Bedeutung dieser Flächen gerecht zu werden, wären nach Einschätzung des Beirats eine Reihe von Maßnahmen sinnvoll. Beispielsweise sollte die natürliche Infrastruktur gesetzlich priorisiert und ihr Schutz weiterhin ambitioniert finanziell unterstützt werden, nicht nur in Deutschland, sondern auch im Rahmen internationaler Kooperationsmodelle wie dem Green Climate Fund. Darüber hinaus gilt es, übergreifende Frühwarnsysteme weiterzuentwickeln, die verhindern, dass schleichende Umweltbedrohungen die Ökosystemleistungen einschränken. Zur Risikominderung ist es zudem notwendig, die Bevölkerung für die Sicherheitsrelevanz der natürlichen Infrastruktur zu sensibilisieren. Dabei könnte es hilfreich sein, Anreize für die Übernahme eines Ehrenamts im Bereich des Bevölkerungsschutzes oder zur Teilnahme an Citizen-Science-Projekten zu schaffen. „Das stärkt unsere eigene Resilienz und die unserer Gesellschaft“, sagt Claudia Traidl-Hoffmann, Professorin und Chefärztin für Umweltmedizin an der Universität Augsburg und Co-Autorin des Teilgutachtens. „Im Patientengespräch vermittele ich jeden Tag: Ein gesundes, sicheres Leben ist nur mit intakten Ökosystemen möglich.“

3. Internationale Umweltkooperation als friedensfördernde Maßnahme
Ökosystemschutz und das gemeinsame Management natürlicher Ressourcen können zu Verständigung und Frieden beitragen, indem sie das Vertrauen zwischen Regierungen oder einzelnen gesellschaftlichen Gruppen steigern. Entsprechende Ansätze sollten deshalb in der Entwicklungszusammenarbeit und im Peacebuilding systematisch ausgebaut werden. Der WBGU spricht sich für einen kooperativen, inklusiven Ökosystemschutz unter der Leitung örtlicher Akteure aus, möglichst unter Einbezug lokalen und indigenen Wissens. Die Projekte sollten so gestaltet werden, dass sie sowohl den Erhalt der natürlichen Lebensgrundlagen als auch eine nachhaltige Nutzung von Ressourcen und Flächen erlauben. „Andernfalls kann das leicht zu neuen sozialen Spannungen und Konflikten führen“, erläutert Aletta Bonn, Leiterin des Departments Biodiversität und Mensch am Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung Leipzig, Professorin an der Universität Jena im Rahmen des iDiv und Co-Autorin des Teilgutachtens. Um gleichzeitig die zwischenstaatliche oder lokale Kooperation und die gesellschaftliche Verantwortung junger Menschen zu stärken, empfiehlt der WBGU, das ökologische und soziale Jahr als gleichwertig gegenüber dem Wehrdienst anzuerkennen. „Sicherheitswirksamer Umweltschutz braucht ein breites zivilgesellschaftliches Engagement“, so Bonn. 

Ausblick:
Das Teilgutachten „Umwelt prägt Sicherheit“ ist das erste Kapitel des Hauptgutachtens „Sicherheit – nachhaltig und integriert“, an dem der WBGU derzeit arbeitet. Angesichts der dynamischen sicherheitspolitischen Debatten hat sich der Beirat entschlossen, einzelne Kapitel vorab zu veröffentlichen. Eine erste Lagebeurteilung, die einen Überblick über das Gesamtkonzept des Hauptgutachtens gibt, ist bereits im März dieses Jahres erschienen, in den kommenden Monaten werden weitere Teilgutachten folgen. 

Wissenschaftlicher Beirat der Bundesregierung Globale Umweltveränderungen (WBGU)


Das vollständige WBGU-Teilgutachten „Umwelt prägt Sicherheit“ finden Sie unter: www.wbgu.de/de/publikationen/publikation/umwelt-praegt-sicherheit

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