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Zehn Jahre Tierversuche verstehen: Offenheit braucht Rückhalt

Initiative Tierversuche verstehen

Zehn Jahre Tierversuche verstehen sind ein Erfolg: Die Initiative der Allianz der Wissenschaftsorganisationen hat den Weg dafür geebnet, dass Forschende offener über Tierversuche sprechen. Seit ihrer Gründung bündelt sie Informationen, schafft Gesprächsräume und zeigt, dass Transparenz bei einem emotionalen Thema möglich ist. Die Kommunikation über Tierversuche hat sich dadurch verändert: weg von der reinen Verteidigung, hin zu mehr Erklärung, Einordnung und Dialog. Einfacher ist diese Aufgabe nicht geworden. Das zeigte sich auch bei der Abschlussveranstaltung zum Jubiläumsjahr am 1. und 2. Oktober im Kaiserin-Friedrich-Haus in Berlin. 

Mit einer zweitägigen Abschlussveranstaltung in Berlin hat die Initiative Tierversuche verstehen ihr zehnjähriges Bestehen gefeiert. Rund 150 Beteiligte aus Wissenschaft, Wissenschaftskommunikation und dem Umfeld der Initiative diskutierten am 1. und 2. Oktober, wie sich über Tierversuche offen, verständlich und verantwortungsvoll sprechen lässt. Die Bilanz: Seit dem Start der Initiative im September 2016 hat sich die Kommunikation deutlich verändert. Forschende gehen häufiger an die Öffentlichkeit, Einrichtungen bekennen sich zu mehr Transparenz – zugleich bleibt die Debatte herausfordernd.

Wie anspruchsvoll diese Aufgabe tatsächlich ist, machte Prof. Walter Rosenthal, Präsident der Hochschulrektorenkonferenz und aktuell Sprecher der Allianz der Wissenschaftsorganisationen, deutlich. „Forschungseinrichtungen sprachen früher nur selten öffentlich über Tierhaltungen und Tierversuche. Heute ist transparente Kommunikation vielerorts eine Selbstverständlichkeit. Auf digitalen Plattformen erhalten zugespitzte Aussagen oft mehr Sichtbarkeit als komplexe wissenschaftliche Erklärungen“, sagte Rosenthal. Die wichtige gesellschaftliche Diskussion über Tierversuche bleibe anfällig für übermäßige Vereinfachungen und Desinformation. Daher komme der Wissenschaftskommunikation besondere Bedeutung zu: Sie müsse aufzeigen, wie Wissenschaft funktioniere, welche Rolle tierexperimentelle Forschung dabei spiele und welche Gründe bei der Entscheidung über Tierversuche zu bedenken seien, so Rosenthal weiter.

Seit 2016 informiert Tierversuche verstehen auf ihrer Website, in Filmen, Podcasts, Unterrichtsmaterialien und Veranstaltungen über tierexperimentelle Forschung. Die Initiative erklärt wissenschaftliche Zusammenhänge, ordnet Versuchstierzahlen ein, stellt Alternativmethoden und das 3R-Prinzip vor und macht ethische Fragen sichtbar. Die Angebote richten sich an Journalistinnen und Journalisten, Lehrkräfte, Schülerinnen und Schüler sowie an alle, die sich eine fundierte Meinung bilden möchten. Tierversuche verstehen will dabei keine bestimmte Haltung vorgeben, sondern Fakten, Kontext und unterschiedliche Perspektiven bereitstellen.

Aus diesem Ansatz heraus hat die Debatte eine andere Grundlage erhalten. Forschende können ihre Arbeit, die eingesetzten Methoden sowie Grenzen und Unsicherheiten erklären. Formate wie Faktenchecks, der „Kompass Tierversuche“, der Podcast „Fabeln, Fell und Fakten“ und Unterrichtsmaterialien machen diese Fragen zugänglich. Dass heute mehr Forschende öffentlich über ihre Arbeit sprechen, zeigt, dass diese Form der Kommunikation angenommen wird.

Für Prof. Stefan Treue, Sprecher der Initiative und Direktor des Deutschen Primatenzentrums in Göttingen, ist die breitere öffentliche Kommunikation über tierexperimentelle Forschung ein wichtiger Fortschritt, aber kein erledigtes Thema. „Offenheit ist keine Schwäche. Offenheit ist die einzig vernünftige Strategie“, sagt er. Eine einzelne Initiative könne den Dialog nicht allein tragen: Forschende, Institutionen und Universitäten müssten mitmachen und sich gegenseitig unterstützen. Dass heute mehr Kolleginnen und Kollegen öffentlich über ihre Arbeit sprechen, zeigt aus seiner Sicht, welche Grundlage Tierversuche verstehen geschaffen hat.

Einen wichtigen Beitrag zu dieser Entwicklung leistet auch die Initiative Transparente Tierversuche. Sie wurde 2021 von Tierversuche verstehen und der Ständigen Senatskommission für tierexperimentelle Forschung der Deutschen Forschungsgemeinschaft ins Leben gerufen. Inzwischen haben sich 131 Einrichtungen angeschlossen. Sie verpflichten sich zu transparenter Information und öffentlichem Dialog rund um das Thema Tierversuche.

Anlässlich der Jubiläumsveranstaltung verlieh die Transparenzinitiative sechs Auszeichnungen für vorbildliche Kommunikation tierexperimenteller Forschung an Einrichtungen direkt vor Ort. Der Preis wurde zum sechsten Mal vergeben. Ausgezeichnet wurden die Charité Berlin, die Technische Universität München, die Universität Hohenheim, das Universitätsklinikum Essen, das Max-Planck-Institut für Hirnforschung in Frankfurt sowie die Medizinische Hochschule Hannover. In den Danksagungen wurde spürbar, wie unterschiedlich Einrichtungen kommunizieren können, und dass Tierversuche verstehen den Weg für diese Offenheit mitgeebnet hat.

Der zehnte Geburtstag ist gefeiert, die Aufgabe bleibt. Tierversuche verstehen will künftig noch mehr Menschen erreichen, den Dialog auf der Website und in sozialen Medien ausbauen und Forschende sowie Institutionen bei ihrer Kommunikation unterstützen. „Unser Ziel bleibt: Jeder Mensch soll nachvollziehen können, wie verantwortungsbewusste Forschung funktioniert“, sagt Sprecher Stefan Treue. „Nicht, damit alle Tierversuche gutheißen. Sondern damit verständlich wird, was auf dem Spiel steht. Und welchen Preis wir zahlen, wenn wir auf bestimmte Erkenntnisse verzichten.
Über Tierversuche verstehen

Die Initiative Tierversuche verstehen wird von der Allianz der Wissenschaftsorganisationen getragen und informiert offen, faktenbasiert und verständlich über Tierversuche in der biomedizinischen Forschung. Im Fokus stehen wissenschaftliche und rechtliche Rahmenbedingungen, Genehmigungs- und Kontrollverfahren, ethische Abwägungen sowie das 3R-Prinzip. Tierversuche werden dabei als belastend und ethisch problematisch beschrieben. Zugleich erklärt die Initiative, warum sie in der Forschung an bestimmten Stellen weiterhin eingesetzt werden. Ziel ist es, Forschungspraxis transparent darzustellen und Entscheidungsprozesse nachvollziehbar zu machen.

Informationsinitiative "Tierversuche verstehen“

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