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Wie Stürme und Insektenbefall die Lebensräume für Wisent, Elch und Rothirsch verbessern

Rothirsch auf einer Lichtung
Das internationale Forschungsteam analysierte GPS-Bewegungsdaten von Wildtieren und verknüpfte diese mit hochauflösenden Satellitenkarten, um zu verstehen, wie die Tiere gestörte Waldflächen nutzen. Bildnachweis: Rudolf Reiner

Eine neue Studie belegt, dass sich die zunehmenden Störungen von Wäldern, beispielsweise durch Stürme, Insektenbefall oder Holzernte, positiv auf große Pflanzenfresser auswirken.

Eine in der Fachzeitschrift „Nature Ecology & Evolution“ veröffentlichte Studie unter der Leitung der Humboldt-Universität zu Berlin (HU) zeigt, wie Störungen von Wäldern die Lebensraumqualität für große Pflanzenfresser teilweise über Jahrzehnte verbessern. Die Ergebnisse rücken damit die Wichtigkeit und ökologischen Potentiale von gestörten Waldflächen in den Fokus. Intensive forstwirtschaftliche Nutzung und die Auswirkungen des Klimawandels wie Borkenkäferausbrüche und Sturmschäden haben die Häufigkeit von Waldstörungen in Europa über die letzten Jahrzehnte massiv erhöht. Um die langfristigen Auswirkungen dieser Dynamiken auf große Pflanzenfresser besser zu verstehen, analysierte das internationale Forschungsteam GPS-Bewegungsdaten von Wildtieren und verknüpfte diese mit hochauflösenden Satellitenkarten, um zu verstehen, wie die Tiere gestörte Waldflächen nutzen.

Die groß angelegte Kooperation mit Partner*innen aus ganz Europa konnte Daten von über 3000 besenderten Tieren und insgesamt über 19 Millionen GPS-Lokalisierungen zusammenstellen, die im Zeitraum von 1997 bis 2023 erhoben wurden. „GPS-Daten von Wildtieren zu erheben ist kostspielig und zeitaufwändig. Daher können viele Studien oft nur auf Daten von wenigen Tieren aus kleinen Gebieten zurückgreifen“, sagt Dr. Julian Oeser, der die Studie als Postdoktorand am Geographischen Institut der Humboldt-Universität verfasst hat.

Gestörte Waldflächen nutzen Wisent, Elch, Rothirsch und Reh intensiver

Die Ergebnisse des 65 Köpfe umfassenden Autorenteams zeigen, dass alle untersuchten Arten (Wisent, Elch, Rothirsch und Reh) gestörte Waldflächen über mindestens 35 Jahre hinweg intensiver nutzen als ungestörte Bestände. Die zeitliche Abfolge der Nutzung hängt dabei eng mit der jeweiligen Ernährungsstrategie der Arten zusammen. Während Wisente vor allem die frühen Stadien des sich regenerierenden Waldes bevorzugen, in denen nach einer Störung Gras und junge Büsche wachsen, nutzen Elche und Rothirsche das Areal erst später. Für sie bietet der sich regenerierende Wald nach zehn bis 20 Jahren eine ideale Nahrungsgrundlage, wenn junge Bäume nachgewachsen sind. Ein weiteres wichtiges Ergebnis ist die Bedeutung der Flächengröße: alle Arten bevorzugen kleinere Störungsflächen. Solche kleinen und temporären Lichtungen bieten einen leichten Zugang zu hochwertiger Nahrung und erlauben es den Tieren gleichzeitig, in der Nähe von dichten Baumbeständen zu bleiben, die sie vor Raubtieren oder Wetterauswirkungen schützen können.

Für die Zukunft: Die richtige Balance von Wildtierschutz, biologischer Vielfalt und ökologischer Resilienz

Modellrechnungen der Studie zeigen, dass über die letzten Jahrzehnte Waldstörungen die Lebensraumqualität für große Pflanzenfresser in vielen Regionen Europas erheblich verbessert haben. „Populationen von Rehen und Hirschen haben sich in den letzten Jahrzehnten vermehrt, und Arten wie Elch und Wisent kehren in Gebiete zurück, in denen sie historisch ausgerottet wurden“, erklärt Prof. Tobias Kümmerle, der Leiter der Studie. „Die zunehmenden Störungen unserer Wälder durch Forstwirtschaft und Klimawandel können dazu beigetragen haben, da unsere Daten einen deutlichen und langanhaltenden positiven Effekt von gestörten Waldflächen auf diese Wildtiere zeigen“. Ökologisch sei dies positiv zu bewerten, da der Einfluss großer Pflanzenfresser auf die Waldvegetation zu strukturell komplexeren Wäldern führen kann und somit die Artenvielfalt fördert. Die zunehmenden Auswirkungen von Waldstörungen auf große Pflanzenfresser bringen aber auch Herausforderungen mit sich. „Der Anziehungseffekt der Störungsflächen auf die Tiere könnte zu mehr Schäden durch Verbiss an jungen Bäumen führen und so Konflikte mit der Forstwirtschaft verstärken“, erklärt Julian Oeser. „Die Auswirkungen auf Wildtierpopulationen sollten daher auch im Wald- und Wildtiermanagement berücksichtigt werden.“ Das könne dabei helfen, Managementstrategien zu entwickeln, die eine Balance zwischen Holzproduktion, Wildtierschutz, biologischer Vielfalt und ökologischer Resilienz herstellen.

HU Berlin


Originalpublikation:

Oeser, J., Kowalczyk, R., Kuijper, D. et al. Increasing forest disturbance enhances habitat suitability for Europe’s large herbivores. Nat Ecol Evol10, 1273–1286 (2026). doi.org/10.1038/s41559-026-03096-0

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