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Vielfältiges Leben auf felsigen Böden der Tiefsee entdeckt

Der untersuchte Lebensraum, hier mit fadenförmig verzweigten Formaniferenkolonien.
Der untersuchte Lebensraum, hier mit fadenförmig verzweigten Formaniferenkolonien. (Bild: X. Song, IDSSE)

Im Rahmen eines von chinesischen Wissenschaftlern initiierten Projekts zur Erforschung des Lebens in den Tiefseegräben der Weltmeere entdeckten Forschende jetzt eine verborgene Lebensgemeinschaft auf Gesteinsoberflächen in rund 10.000 Metern Tiefe. Die Forschenden fanden eine neue, vielfältige Fauna, die sich vor allem durch fadenförmige und sesshafte Protisten und Foraminiferen zusammensetzt.

Die Lebewelt in der Dunkelheit der Tiefseegräben ist bisher kaum untersucht. Die Entnahme von Gesteinsproben sowie auf dem steinigen Untergrund siedelnden Organismen aus bis zu 11.000 Metern Tiefe ist ein schwieriges Unterfangen. Dennoch gelang es nun Forschenden des chinesischen Institute of Deep-sea Science and Engineering (IDSSE) mit dem bemannten U-Boot Fendouzhe, Proben von den felsigen Böden des Kermedec- und Mariannengrabes zu gewinnen – in einer Tiefe von ca. 10.000 Metern.

Die Forschenden fanden auf den Tiefseefelsen eine überraschend große Vielfalt an Arten, vor allem fadenförmige und sesshafte Protisten sowie Foraminiferen. Insgesamt 32 Arten aus sechs Stämmen, die meisten nur millimetergroß und der Wissenschaft bisher unbekannt, konnten die Wissenschaftler identifizieren, darunter eine neue Familie einkammeriger Foraminiferen und eine neue Familie von Moostierchen. Der Münchner Zoologe Bernhard Ruthensteiner von den Staatlichen Naturwissenschaftlichen Sammlungen Bayerns (SNSB) wertete einige der gefundenen Organismen mithilfe von 3D-Analysen von CT-Datensätzen und Schnittserien aus. Seine Analysen zeigten Erstaunliches: Einige der einzelligen Organismen ernähren sich offenbar aus Anteilen terrestrischer Pflanzen: In den Proben fanden sich unter anderem Verdauungsstadien von Kiefernpollenkörnern.

„Die Pollen haben offenbar Tausende Kilometer zurückgelegt, möglicherweise kamen sie per Wind aus Neuseeland. Dass Organismen in solch großen Tiefen sich von organischen Stoffen, also heterotroph, ernähren, haben wir nicht erwartet. Unsere Ergebnisse widersprechen früheren Annahmen einer autotrophen Ernährungsweise d.h. der Aufnahme anorganischer Stoffe zur Energiegewinnung“, sagt SNSB Zoologe Bernhard Ruthensteiner.

Geleitet wurde die Studie vom Institute of Deep-sea Science and Engineering (IDSSE) der Chinese Academy of Sciences (CAS). Beteiligt waren neben den Staatlichen Naturwissenschaftlichen Sammlungen Bayerns (SNSB) das National Institute of Water and Atmosphere Research, New Zealand, das National Oceanography Centre sowie das Natural History Museum, Großbritannien, die Universität Wien, die National Research and Innovation Agency, Indonesien, die Tsinghua-Universität, die Xiamen-Universität und das Institute of Software der Chinese Academy of Sciences.

Staatliche Naturwissenschaftliche Sammlungen Bayerns


Originalpublikation:

Xikun Song et al., Protist-dominated hard substrate faunas thrive at the deepest ocean depths. Science392, 749-754 (2026). https://www.science.org/doi/10.1126/science.aea7086 

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