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Ein Fossil aus Argentinien liefert neue Erkenntnisse zur Evolution der Schuppenechsen

Rekonstruktion des Schädels von Taytalura.
Rekonstruktion des Schädels von Taytalura. G. Sobral, J. Blanco, R. Martinez

In der Zeitschrift „Nature“ hat ein internationales Forschungsteam eine neue Art mit dem Namen Taytalura alcoberi beschrieben. Das 231 Millionen Jahre alte Tier ist ein Vorfahre der sogenannten Lepidosaurier, zu denen die Echsen und Schlangen gehören. Zu deren frühen Evolution liefert das Fossil wichtige Hinweise. An der wissenschaftlichen Untersuchung war eine Paläontologin des Naturkundemuseums Stuttgart beteiligt. Ihre digital erstellten, dreidimensionalen Schädel-Rekonstruktionen erlaubten die präzise Einordnung der neuen Art in den Stammbaum der Schuppenechsen.

Brückenechsen und Schuppenkriechtiere, die zu der Gruppe der Schuppenechsen (Lepidosauria) gehören, haben eine sehr lange Evolutionsgeschichte. Sie sind älter als die Dinosaurier und haben sich vor etwa 260 Millionen Jahren entwickelt. Da die Tiere sehr klein sind und es bisher nur bruchstückhafte Fossilienfunde gab, sind die Ursprünge dieser äußerst vielfältigen Tiergruppe allerdings lange im Dunkeln geblieben. In einer wissenschaftlichen Publikation in der Zeitschrift „Nature“ beschreibt ein internationales Forscherteam nun einen Vorfahren der Lepidosaurier. Die neue Art mit dem Namen Taytalura alcoberi wurde vom Erstautor der Studie, Dr. Ricardo N. Martínez (Universidad Nacional de San Juan), in spättriassischen Ablagerungen in Argentinien gefunden. Das Fossil ist der erste dreidimensional erhaltene Fund eines Lepidosaurier-Vorfahren. Die gute Erhaltung des Stücks erlaubte die weitreichenden, wissenschaftlichen Untersuchungen, die zeigen, dass aus dem Schuppenechsen-Vorfahren Taytalura schließlich die Brückenechsen sowie alle Echsen und Schlangen hervorgingen. Die WissenschaftlerInnen schließen damit eine Lücke im Wissen über den Ursprung und die frühe Evolution der Lepidosaurier.

An der wissenschaftlichen Untersuchung von Taytalura alcoberi war die Paläontologin des Naturkundemuseums Stuttgart, Dr. Gabriela Sobral, als Mitautorin beteiligt. Sie erstellte auf der Basis der Scan-Daten der Kollegen aus Argentinien und den USA digitale, dreidimensionale, farbige Schädel-Modelle. Diese ermöglichten die genaue Einordnung der neuen Art in den Stammbaum der Reptilien. „Ich freue mich, dass die durch meine Arbeit gewonnenen Daten für das Team von entscheidender Bedeutung waren, um winzige Details der Anatomie des Fossils zu verstehen. Wir konnten durch die 3D-Modelle die Stellung von Taytaluras in der frühen Evolution der Lepidosaurier klären. Sein Schädel zeigt zum Beispiel, dass Merkmale, von denen wir annahmen, dass sie nur bei der Brückenechsen-Gruppe vorkommen, in Wirklichkeit aber schon früher auftraten“, so Dr. Gabriela Sobral. Die Spezialistin für die Verarbeitung von CT-Daten untersucht am Naturkundemuseum Stuttgart unter anderem auch frühe Lepidosaurier-Fossilien aus der Fundstelle Vellberg in Baden-Württemberg.

Echsen und Schlangen sind heute ein wichtiger Bestandteil der meisten terrestrischen Ökosysteme der Erde. Zusammen mit einer Brückenechsenart aus Neuseeland, einem "lebenden Fossil", bilden sie die Gruppe der sogenannten Lepidosauria. Mit etwa 11.000 Arten ist sie eine der größten Gruppen von Landwirbeltieren auf unserem Planeten.

Staatliches Museum für Naturkunde Stuttgart


 

Originalpublikation:

Ricardo N. Martínez, Tiago R. Simões, Gabriela Sobral, Sebastián Apesteguía. 2021. A Triassic stem lepidosaur illuminates the origin of lizard-like reptiles. Nature

DOI: https://doi.org/10.1038/s41586-021-03834-3

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