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Wälder unter Klimastress – Warum Bäume trotz Frühstart weniger wachsen

Punktdendrometer werden am Stamm montiert und messen kontinuierlich und im Mikrometerbereich, wie sich der Baumstamm ausdehnt und zusammenzieht.
Punktdendrometer werden am Stamm montiert und messen kontinuierlich und im Mikrometerbereich, wie sich der Baumstamm ausdehnt und zusammenzieht. Foto: Roman Zweifel, WSL

Der Klimawandel lässt Bäume im Frühling früher austreiben. Trotzdem nimmt das Wachstum einiger Baumarten ab. Eine Studie der Eidg. Forschungsanstalt WSL zeigt: Zunehmende Hitze und Trockenheit bremsen das Wachstum der häufigsten Baumarten in der Schweiz. Das hat Konsequenzen für die Kohlenstoffspeicherung und Waldwirtschaft. 

Es wird wärmer. Während unsere Umwelt unter den Folgen des Klimawandels leidet, gab es einen kleinen Hoffnungsschimmer: Unsere Wälder nehmen Kohlendioxid (CO₂) aus der Luft auf und speichern es im Holz. Der Temperaturanstieg könnte theoretisch dazu führen, dass unsere Wälder mehr CO₂ binden. «Es wurde angenommen, dass sich mit einer längeren warmen Jahreszeit negative Folgen des Klimawandels teilweise kompensieren lassen», sagt Arun K. Bose, Ökologe an der WSL. «Das ist leider nicht der Fall.»

Bose hat in seiner Studie das Wachstum von fünf der häufigsten Baumarten an 48 Standorten in der Schweiz ausgewertet. «Über die letzten elf Jahre hat sich die Vegetationsperiode um mehrere Tage nach vorne verschoben. Das ist der Zeitraum des Jahres, in dem Bäume Fotosynthese betreiben können», erklärt Bose. Der frühere Saisonstart führe aber nicht automatisch zu mehr Wachstum – im Gegenteil. Zwischen 2012 und 2022 ging das jährliche Stammwachstum bei vielen Beständen zurück. Vermehrte Hitzewellen und Trockenphasen setzen Bäume unter Stress und hemmen ihr Wachstum. Der Rückgang ist bei Weisstannen, Buchen und Fichten besonders ausgeprägt, während Eichen und Föhren weitgehend gleich gut wuchsen. Fest steht aber: Keine der untersuchten Baumarten profitierte vom wärmeren Klima.

Folgen für die Kohlenstoffspeicherung und Waldwirtschaft

Bäume wachsen, wenn genügend Wasser verfügbar ist. Ist es zu heiss und zu trocken, wird mehr Wasser verdunstet, als über die Wurzeln aufgenommen werden kann – der Baum gerät unter Stress und das Wachstum stoppt. Pro Jahr bleiben somit je nach Baumart und Witterung nur 40 bis 110 Wachstumstage übrig. «Am Schluss entscheiden einzelne Tage und Stunden, wieviel ein Baum wächst», erläutert Bose, «fallen einige durch vermehrte Hitze- und Trockenperioden weg, fehlt ein grosser Teil des jährlichen Stammzuwachses.» Ein früherer Start nützt somit wenig, wenn Hitze und Trockenheit die kritischen Wachstumsphasen verkürzen.

Das hat Folgen für die Leistungen, die Wälder erbringen. Wälder verlangsamen die Klimaerwärmung, indem sie CO2 aufnehmen und im Holz speichern. Einfach gesagt: Je grösser der Stammdurchmesser, desto mehr Kohlenstoff ist in einem Baum gebunden. Wenn die effektive Wachstumszeit der wichtigsten Arten abnimmt, sinkt somit auch die Aufnahmekapazität. 

Auch die Waldwirtschaft ist betroffen. Werden die Sommerhalbjahre wärmer und trockener, können Forstbetriebe tendenziell weniger Holz ernten. Zudem muss die Bewirtschaftung den klimatischen Veränderungen angepasst werden. «Wie Bäume auf den Klimawandel reagieren, hängt sowohl vom Standort als auch der Art ab. Deshalb ist es wichtig, Management-Strategien lokal und artenspezifisch zu beurteilen», betont Bose.

Eidgenössische Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft WSL


Originalpublikation:

Bose A.K., Etzold S., Meusburger K., Gessler A., Baltensweiler A., Braun S., … Zweifel R. (2025) Decreasing stem growth in common European tree species despite earlier growth onset. Glob. Chang. Biol. 31(7), e70318 (17 pp.). https://doi.org/10.1111/gcb.70318

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