Insgesamt sechs Finalisten aus Dresden, Braunschweig, Berlin, Leipzig, Würzburg und Frankfurt am Main präsentierten ihre Forschungsprojekte einem internationalen Fachpublikum, darunter auch potenzielle Investoren. Die unabhängige Fachjury wählte daraus drei gleichwertige Preisträger aus, die jeweils mit einem Preisgeld von 2.000 Euro ausgezeichnet wurden. Organisiert wurde die Vergabe des Innovationspreises in diesem Jahr gemeinsam vom InfectoGnostics Forschungscampus Jena und von BioLago, dem Gesundheitsnetzwerk für die Bodensee-Region.
-- Innovativer Ansatz gegen resistente Infektionen --
Zu den Preisträgern zählt das Projekt „First-in-class small-molecule inhibitor of Staphylococcus aureus α-toxin“ von Dr. Aditya Shekhar (Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung, Braunschweig).
Es adressiert eine zentrale Herausforderung der modernen Medizin: schwere bakterielle Infektionen angesichts zunehmender antimikrobieller Resistenzen. Der Ansatz setzt nicht auf die Abtötung des Erregers, sondern auf die Neutralisierung des α-Toxins von Staphylococcus aureus, eines entscheidenden Virulenzfaktors für Gewebeschädigungen.
Die Jury würdigte insbesondere die stringente wissenschaftliche und translationale Entwicklung, die in vivo validierte Wirkweise sowie die starke Schutzrechtsposition und den klaren Weg in Richtung klinischer Anwendung.
-- Neuer Angriffspunkt in der Krebstherapie --
Ausgezeichnet wurde auch das Projekt „SpliceTACs: First-in-class spliceosome-targeting degraders“ von Dr. Xinlai Cheng (Buchmann Institut for Molecular Life Sciences Chemical Biology, Goethe-Universität Frankfurt).
Der neuartige Ansatz zielt auf den gezielten Abbau des spliceosomalen Proteins USP39 ab, stört zentrale Prozesse der RNA-Verarbeitung und führt so zum Tumorzelltod.
Die Jury hob hervor, dass ein lange als „undruggable“ geltender molekularer Zielmechanismus adressiert wird und der Ansatz tiefes mechanistisches Wissen mit modernen Wirkstoffentwicklungsstrategien wie KI-gestützter Ligandensuche und gezielter Proteindegradation verbindet. Zudem würdigte sie die solide IP-Strategie und das hohe transformative Potenzial des Projekts.
-- Plattformtechnologie für realistische Gewebemodelle --
Der dritte Innovationspreis ging an das Projekt „Vasc-on-Demand – Plattform für vaskularisierte Gewebemodelle“ das von Alexander Radüchel und Katinka Theis (Universitätsklinikum Würzburg) präsentiert wurde.
Die Plattform ermöglicht die standardisierte Herstellung vaskularisierter Gewebemodelle mithilfe sofort einsetzbarer künstlicher Blutgefäße und erlaubt so realistischere und reproduzierbarere Untersuchungen biologischer Prozesse und Wirkstoffeffekte.
Die Jury würdigte insbesondere den Plattformcharakter und das breite Anwendungspotenzial von der Wirkstoffentwicklung bis zur personalisierten Medizin sowie den klaren Weg in Richtung praktischer Umsetzung.
-- Würdigung, Publikumspreis für "MakulaPatch" und starke Partnerschaften --
Die Laudationes auf die Preisträger hielten die Preisgeldsponsoren Dr. Florian Rückerl (Dehmel & Bettenhausen Patentanwälte), Dr. Angelika Vlachou (High-Tech Gründerfonds) sowie Dr. Rosi Hermann (Fundess GmbH) und Dr. Christine Schreiber (BIOspektrum/ Springer Verlag GmbH).
Zusätzlich hatten alle Finalisten die Möglichkeit, den Publikumspreis 2026 zu gewinnen, der per Online-Voting vergeben wurde. Der Publikumspreis ging an Felix Wagner mit dem Projekt "MakulaPatch" von der Technischen Universiät Dresden, in dem Mini-Netzhäute entwickelt werden, die degenerative Augenerkrankungen wirkungsvoll bekämpfen sollen.
Als weitere Finalisten haben sich Dr. Anthea Wirges von der CARTemis Therapeutics GmbH aus Berlin und Dr. Ronny Frank vom Biotechnologisch-Biomedizinisches Zentrum der Universität Leipzig.
Die Moderation der Preisverleihung übernahmen Dr. Jens Hellwage (InfectoGnostics Forschungscampus Jena) und Eva Botzenhart-Eggstein (BioLAGO e. V.), die den Innovationspreis der BioRegionen Deutschlands in diesem Jahr gemeinsam organisierten.
Der Innovationspreis unterstreicht eindrucksvoll die hohe Innovationskraft der deutschen Biotechnologie und trägt wesentlich dazu bei, visionären Ideen Sichtbarkeit zu verschaffen sowie die Zusammenarbeit zwischen den BioRegionen und BIO Deutschland weiter zu stärken.
InfectoGnostics - Forschungscampus Jena e.V.




