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Nachhaltigkeit – Lösung oder Teil des Problems?

Nchhaltigkeit
Karsten Gäbler, Uwe Hoßfeld (2023): Nachhaltigkeit. Erfurt: Landeszentrale für politische Bildung Thüringen.

Nachhaltigkeit ist in aller Munde. Ist die Rede von Klimakrise, globalen Ungleichheiten oder dem Zugang zu Bildung, scheint nachhaltiges Denken und Handeln die allgegenwärtige Lösung der Probleme zu sein. Ob hinter dem Begriff eine Zauberformel oder doch ein Marketinginstrument steckt, klären Dr. Karsten Gäbler und Prof. Dr. Uwe Hoßfeld von der Universität Jena in einer gerade erschienenen Publikation. Gemeinsam haben die beiden Wissenschaftler die Broschüre „Nachhaltigkeit“, die sich an die breite Öffentlichkeit richtet, im Auftrag der Landeszentrale für politische Bildung Thüringen herausgegeben.

Jenaer Student erfand den Begriff „Nachhaltigkeit“

„Seinen Ursprung hat der Begriff in der Forstwirtschaft des 17. und 18. Jahrhunderts, auch wenn die Idee schon bedeutend älter ist“, erzählt der Sozialgeograph und Nachhaltigkeitsfor­scher Karsten Gäbler. Als einer der Begründer des Prinzips der Nachhaltigkeit gilt Hannß Carl von Carlowitz, der ab 1664 in Jena studierte und das Wort „nachhaltend“ erstmals 1713 in seiner Schrift „Sylvicultura oeconomica“ benutzte. Das Ziel des Oberberghauptmanns war es, nur so viel Holz für die Erzverhüttung schlagen zu lassen, wie nachwachsen konnte. Diese vermeintlich vorausschauende Sicht gilt bis heute als Grundgedanke der Nachhaltigkeit, obwohl es von Carlowitz eher um Ausbeutung als um Schutz der Natur ging.

Das Konzept der Nachhaltigkeit nach Hannß Carl von Carlowitz galt lange Zeit als Spezialwis­sen der Forst­wirtschaft, in den 1980er Jahren tauchte der Begriff dann erstmals in der globalen Umwelt­politik auf. Nachdem die Auswirkungen des sorglosen Umgangs mit der Natur in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts immer spürbarer wurden, begannen die Vereinten Nationen unter dem Banner der „nachhaltigen Entwicklung“ damit, langfristige Ziele festzulegen und die Interessen künftiger Generationen zu thematisieren.

„Besonders erstaunlich ist die Tatsache, dass die Folgen unseres Handelns schon seit so langer Zeit bekannt sind, obwohl die Nachhaltigkeit bei manchen Menschen immer noch als Modeer­scheinung der letzten Jahre gilt“, gibt Biologiedidaktiker Uwe Hoßfeld zu bedenken.

Nachhaltigkeit ist Werkzeug und nicht Lösung

Mittlerweile hat sich Nachhaltigkeit in vielen Bereichen etabliert, doch die Begrifflich­keit bringt auch Erwartungen mit sich, die nur schwer erfüllt werden können. „Nachhaltigkeit ist keine Zauberformel, mit der sich Probleme wie die Klimakrise im Handumdrehen aus der Welt schaffen lassen“, meint Gäbler. „Das zeigt sich schon an dem inflationären Gebrauch des Worts, der zunehmend Kritik auf den Plan ruft“. Der Begriff solle deshalb eher als Anstoß zum Nachdenken dienen und nicht mit Erwartungen überfrachtet werden.  

Eine solche Suchbewegung nach einer sozial und ökologisch verträglichen Zukunft findet auch an der Universität Jena statt, die zurzeit an einer umfassenden Nachhaltigkeitsstrategie arbeitet. „Damit schließt sich in gewisser Weise der Kreis, denn mit von Carlowitz und Ernst Haeckel, der den Ökologiebegriff geprägt hat, haben wir zwei maßgebliche Persönlichkeiten des Nachhaltigkeitsdiskurses in der Geschichte der Universität Jena“, fasst Uwe Hoßfeld zusammen.

Universität Jena


Publikation:

Karsten Gäbler, Uwe Hoßfeld (2023): Nachhaltigkeit. Erfurt: Landeszentrale für politische Bildung Thüringen. ISBN: 978-3-948643-96-6

Das Heft kann gegen eine geringe Bereitstellungspauschale hier bestellt werden: https://www.lztthueringen.de/publikationen/

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