Wälder werden regelmäßig vermessen, um ihren Zustand und die Entwicklung des Ökosystems zu überwachen. Dafür nutzen Forschende den sogenannten Blattflächenindex (Leaf Area Index, LAI) der zeigt, wie dicht das Blätterdach ist und wie viel Licht es aufnimmt. Auf dieser Grundlage lassen sich Photosynthese und Wasserverdunstung von einzelnen Bäumen bis auf globaler Ebene beschreiben. Dies lässt jedoch einen wichtigen Bestandteil außer Acht: Epiphyten – also Moose, Flechten, Farne, Bromelien und andere Pflanzen, die auf Ästen und Stämmen von Bäumen wachsen. Diese nehmen Wasser und Licht auf, beeinflussen das Mikroklima im Kronendach und reagieren oft empfindlicher auf Trockenheit oder Hitze als ihre Wirtsbäume. Dadurch liefern sie wichtige Hinweise darauf, wie sich Wälder im Klimawandel verändern.
In ihrer Studie schlagen Forschende der State University in Cleveland, der University of Kentucky und der Universität Hamburg mit dem Epiphyten-Flächenindex (Epiphyte Area Index, EAI) eine neue Messgröße vor. Er ergänzt den bisher verwendeten Blattflächenindex, indem er die Fläche der Epiphyten beschreibt und ihren Beitrag zu den Funktionen von Wäldern systematisch messbar macht. Damit schaffen die Forschenden eine Grundlage, Wasser- und Stoffkreisläufe sowie den Energiehaushalt von Wäldern künftig besser zu erfassen. Langfristig soll der neue Index dazu beitragen, Erdsystem- und Klimamodelle zu verbessern.
„Die Epiphyten werden häufig nur als Begleitvegetation wahrgenommen, sind aber ein eigenständiger und funktionell wichtiger Bestandteil vieler Waldökosysteme“, sagt der Co-Autor der Studie, Prof. Dr. Philipp Porada vom Fachbereich Biologie der Universität Hamburg.
Wie der neue Index funktioniert
Die Feldmessungen wurden am Skidaway Institute of Oceanography der University of Georgia (USA) durchgeführt. Für die Studie entwickelten die Forschenden einen Messansatz auf Basis von terrestrischem Laserscanning (TLS). Dabei handelt es sich um ein Messverfahren, bei dem ein am Boden aufgestellter Scanner seine Umgebung mit Laserstrahlen abtastet. Der Scanner misst die Entfernung zu Oberflächen und aus Millionen von Messpunkten entsteht ein detailliertes 3D-Modell der Umgebung.
Der vorgestellte Index ist zunächst als Machbarkeitsnachweis zu verstehen. Er eignet sich zunächst insbesondere für relativ offene Waldbestände mit gut erkennbaren Epiphyten. Für dichtere Wälder oder komplexere Wuchsformen sind weitere Validierungen erforderlich.
Universität Hamburg
Originalpublikation:
Wischmeyer, C., Gotsch, S.G., Porada, P. and Van Stan, J.T., II (2026), The case for an epiphyte area index. New Phytol. https://doi.org/10.1111/nph.71435



