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Der Puls des Toten Meeres

Eine der Messstationen am Ufer des Toten Meeres
Eine der Messstationen am Ufer des Toten Meeres mit Klimasensoren und GNSS-Ausrüstung. Prof. Jens Wickert/GFZ

Forscher*innen aus einem interdisziplinären Team mehrerer Sektionen des Deutschen GeoForschungsZentrums GFZ haben zusammen mit Kollegen aus Hannover, Kiel und Padua zum ersten Mal einen direkten Zusammenhang zwischen der Abnahme des Wasserspiegels des Toten Meeres, der Verdunstung und der Landabsenkung in der Region nachgewiesen. Sie berichten darüber in der Fachzeitschrift Scientific Reports.

Das Tote Meer schrumpft. Die Ursachen dafür sind vielfältig: Klimawandel trägt ebenso dazu bei wie menschliche Übernutzung der Ressource Wasser. Der sinkende Wasserspiegel hat eine ganze Reihe gefährlicher Folgen. So führt nachfließendes süßes Grundwasser dazu, dass Salze im Boden gelöst werden und dadurch Erdfälle („sink holes“) entstehen. Es kommt aber auch zu großflächigeren Absenkungen der Landoberfläche. Forscher*innen aus einem interdisziplinären Team mehrerer Sektionen des Deutschen GeoForschungsZentrums GFZ haben jetzt zusammen mit Kollegen aus Hannover, Kiel und Padua zum ersten Mal einen direkten Zusammenhang zwischen der Abnahme des Wasserspiegels, der Verdunstung und der Landabsenkung nachgewiesen. Sie berichten darüber in der Fachzeitschrift Scientific Reports.

Das Team nutzte dabei ein breites Instrumentarium – von Messverfahren die auf dem globalen Navigationssatellitensystemen (GNSS) beruhen über Radarsatelliten bis hin zu Pegel- und Klimastationen vor Ort. Die Forschenden zeigten, dass sich die feste Erde mit einer zeitlichen Verzögerung von etwa acht Wochen synchron zu Schwankungen der Wasseroberfläche und des Grundwasserspiegels auf und ab bewegt. Der Trend geht dabei jedoch klar in eine Richtung: abwärts.

Rund ein Meter pro Jahr sinkt der Wasserspiegel des Toten Meeres, und rund 15 Zentimeter pro Jahr senkt sich das Land. Zuflüsse durch Regenfälle in den umliegenden Bergen und über den Jordan verursachen kurzfristige Erhöhungen des Seespiegels. Wasserentnahme aus den Zuflüssen für die Landwirtschaft, Abpumpen des Salzwassers zur Gewinnung von Kalium und die Verdunstung in der großen Hitze kehren die Bilanz jedoch ins dauerhaft Negative.

Die Kopplung der Landabsenkung an das schwindende Wasser ist seit langem klar. Dass aber die Bewegung der Landoberfläche mit den hydro-meteorologischen Schwankungen so direkt zusammenhängt, ist neu. Diesen Zusammenhang ermittelten die Forscher*innen innerhalb von drei Jahren. Für die Landwirtschaft, den Tourismus und die Infrastruktur in der Region sind die Landabsenkungen und der Wasserverlust sehr bedrohlich. Die Messungen zeigen zum ersten Mal, wie eng Land, Wasser und Atmosphäre hier miteinander verbunden sind.

GFZ


Originalpublikation:

Sibylle Vey, D. Al-Halbouni, M. Haghshenas Haghighi, F. Alshawaf, J. Vüllers, A. Güntner, G. Dick, M. Ramatschi, P. Teatini, J. Wickert & M. Weber: Delayed subsidence of the Dead Sea shore due to hydro-meteorological changes; in: Scientific Reports

https://www.nature.com/articles/s41598-021-91949-y

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