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Klimawandel: Verändertes Nahrungsangebot für Siebenschläfer im Wienerwald

Siebenschläfer auf einem Ast
Siebenschläfer, Foto: Thomas Suchanek/Vetmeduni

Eine über fast 20 Jahre reichende Studie der Vetmeduni erforschte den Einfluss des Klimawandels auf die Buchenmast und die daraus resultierenden Folgen für den Siebenschläfer. Demnach sind die Auswirkungen im heimischen Wienerwald bereits heute eindeutig feststellbar – sowohl für die Buchen als auch für die Winterschlaf haltenden Nagetiere. Die Mastjahre mit hoher Samenproduktion der Buchen folgen einem zweijährigen Rhythmus, resultierend in einem stark unterschiedlichen Angebot an Bucheckern, welche eine wichtige Ressource für Siebenschläfer sind. In Zukunft erwarten die Forschenden eine weitere Zuspitzung der Situation, insbesondere im Fall eines völligen Ausfalls der Buchen-Mast. 

Der Klimawandel wirkt sich direkt und indirekt auf Arten aus. Das Ausmaß dieser Auswirkungen variiert je nach Art und Kontext. Insbesondere vermutet die Wissenschaft, dass indirekte Auswirkungen für die Konsumenten von pulsierenden, also zyklischen Ressourcen stärker zum Tragen kommen. Vor diesem Hintergrund untersuchte ein Team des Forschungsinstituts für Wildtierkunde und Ökologie (FIWI) der Vetmeduni im Wienerwald frei-lebende Siebenschläfer (Glis glis). Konkret erhoben sie, wie sich höhere durchschnittliche Lufttemperaturen im Zusammenhang mit dem Klimawandel auf die Mast der Europäischen Buche (Fagus sylvatica) auswirken und wie sich diese Veränderung in der Lebensgeschichte von Siebenschläfern niederschlägt. Dazu analysierten die Wissenschaftler:innen über einen Zeitraum von 17 Jahren die Daten von insgesamt 2.530 Individuen. Erhoben wurden zudem Lufttemperaturdaten und – als Maß für die Samenproduktion – Pollendaten der Europäischen Buche.

Wienerwald-Buche: Dramatisch verändertes Nahrungsangebot

„Unsere Ergebnisse zeigen, dass der Anstieg der mittleren Lufttemperatur mit einer Verschiebung der Pollenproduktion der Buche einherging. In den letzten Jahren führte das zu einem zweijährigen Mastzyklus (im Vergleich zu einem unregelmäßigen Zyklus in der Vergangenheit) mit einer Abfolge von Jahren mit sehr hoher und sehr geringer Samenverfügbarkeit“, berichtet Studien-Erstautor Lukas Hochleitner vom FIWI. Der veränderte Zyklus der Mastereignisse verringerte die Gesamtüberlebensrate von einjährigen Siebenschläfern (sog. Jährlingen) signifikant. Allerdings blieb die Gesamtüberlebensrate der erwachsenen Tiere stabil. Parallel dazu stieg die Wurfgröße in beiden Altersklassen (Jährlinge und Adulte) signifikant an. „Darüber hinaus unterschieden sich die Überlebenswahrscheinlichkeiten in den beiden Altersklassen zwischen Jahren mit großem Nahrungsangebot (Mast) und solchen mit geringem Nahrungsangebot (Mastausfall)“, so Hochleitner weiter.

Massive Auswirkungen auf Leben und Überleben von Siebenschläfern

„Die von uns erfasste dramatisch veränderte Samenproduktion der Buche belegt die massiven Auswirkungen für Tiere, die auf ein pulsierendes Nahrungsmittelangebot angewiesen sind. Unsere Ergebnisse deuten beispielsweise stark darauf hin, dass temperaturbedingte Veränderungen im Mastzyklus der Buche Auswirkungen auf den Kompromiss zwischen Fortpflanzung und Überleben bei Siebenschläfern haben“, sagt Hochleitner.

Mit ihren Erkenntnissen liefert die Studie erste Einblicke in die Auswirkungen der Klimaerwärmung auf das komplexe System von Samenproduzenten und Samenkonsumenten. Völlig unklar ist laut den Wissenschaftler:innen allerdings, was ein möglicher zukünftiger Zusammenbruch der Buchen-Mast in gemäßigten Waldökosystemen bewirken wird.

Veterinärmedizinische Universität Wien


Originalpublikation:

 

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