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Warum Äpfel anders auf den Klimawandel reagieren als Weizen

Der Klimawandel verändert die Erträge landwirtschaftlicher Kulturpflanzen – jedoch nicht bei allen Pflanzen gleichermaßen. Forschende fanden heraus, dass Erträge auch davon beeinflusst werden, wie stark Pflanzen auf die Bestäubung durch Insekten angewiesen sind. Die Ergebnisse zeigen, wie sich die Landwirtschaft an den Klimawandel anpassen muss. 

Äpfel an einem Baum mit Schwebfliege

Eine Vielzahl landwirtschaftlicher Kulturen sind bestäuberabhängig, wie zum Beispiel Äpfel. Ihre Erträge sind also auch abhängig von der Entwicklung der Bestäuber, wie zum Beispiel der Schwebefliege. Foto: iStockphoto.com / Kozlik_Mozlik, TUM

Obwohl der Klimawandel Kulturpflanzen bereits jetzt negativ beeinflusst, können Ernterückgänge durch den technischen Fortschritt in der Landwirtschaft bislang aufgefangen werden. Bei bestäuberunabhängigen Feldkulturen zeichnet sich jedoch ab, dass sich dieser Trend umkehrt. Forschende der Technischen Universität München (TUM) untersuchten die Ernteerträge in Unterfranken und Oberbayern aus über 35 Jahren. Sie betrachteten verschiedene Kulturpflanzen, unter anderem Weizen, Äpfel und Kirschen. Während beim Weizen die Wind- oder Selbstbestäubung genügt, sind Obstbäume und einige Feldkulturen wie Raps abhängig von Insekten – genau diese Abhängigkeit von Bestäubern ist entscheidend für die Ernteentwicklung.

Weizenertrag sinkt – Äpfel profitieren 

Die Weizenerträge sinken bereits heute, da die Temperaturen über ihrem Optimum liegen. Aufgrund des trockenen Bodens und der heißeren Umgebung bilden sie kleinere und weniger Körner. Bei Obstbäumen kommt es bisher nicht zu Einbußen. Die Forschenden vermuten, dass sie bislang von den steigenden Temperaturen profitieren, unter anderem weil es zu weniger Spätfrostschäden an ihren Blüten kommt und sie so mehr Früchte ausbilden können.

Klimawandel beeinflusst auch Bestäuber

Dieser Trend wird jedoch nur noch eine gewisse Zeit anhalten, gibt Sara Leonhardt, Professorin für Pflanze-Insekten Interaktionen an der TUM, zu bedenken: „Wenn sich das Klima weiter erwärmt wie bisher, kommt es zum Doppelstress für bestäuberabhängige Nutzpflanzen.“
Zum einen werden auch diese Kulturen ihre optimalen Klimabedingungen überschreiten. Die Pflanzen wachsen dann schlechter und bilden beispielsweise kleinere Blüten, die für Bestäuber weniger attraktiv sind. Zum anderen beeinflusst der Klimawandel auch die Bestäuber selbst. Diese weisen je nach Art und Gruppe unterschiedliche Temperaturtoleranzen auf. So wird sich mit dem Klimawandel zwangsläufig die Bestäubergemeinschaft einer Region und deren Bestäubungsleistung verändern. Dies gilt insbesondere für artenarme Gemeinschaften, wie sie in vielen landwirtschaftlich geprägten Gebieten zu finden sind.

Bestäuber als Teil der Klimastrategie 

„Unsere Ergebnisse bestätigen, wie wichtig Bestäuber für die Landwirtschaft sind – und wie eng Biodiversität und Klimaanpassung zusammenhängen“, sagt Paula Prucker, Doktorandin an der TUM und Erstautorin der Studie. „Strategien zur Anpassung an den Klimawandel sollten deshalb nicht nur die klimatischen Ansprüche verschiedener Nutzpflanzen berücksichtigen, sondern auch Bestäuber gezielt und nachhaltig fördern.“ Dazu gehört laut Johannes Kollmann, Professor für Renaturierungsökologie an der TUM und Co-Autor der Studie, Maßnahmen wie Blühflächen und Hecken als Nahrungs- und Lebensraum, eine vielfältigere Fruchtfolge sowie ein geringerer Einsatz von Pflanzenschutzmitteln. Solche Maßnahmen könnten dazu beitragen, die Bestäubung auch unter veränderten Klimabedingungen zu sichern und Ernteerträge langfristig zu stabilisieren.

Technischen Universität München


Originalpublikation:

Prucker, P., J. Kollmann, and S. D. Leonhardt. 2026. “ Pollinator Dependency and Regional Climate Affect Crop Yield Development Under Climate Change.” Ecology and Evolution 16, no. 6: e73751. https://doi.org/10.1002/ece3.73751.

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