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Rotbuche treibt immer früher aus

Die Rotbuche gehört zu den Spätzündern im Wald. Meist treibt sie Ende April die ersten Blätter aus. Auswertungen am Thünen-Institut für Waldökosysteme zeigen nun, dass der Austrieb Jahr für Jahr früher beginnt. Der Grund: klimawandelbedingt steigende Frühjahrstemperaturen. 

Knospende Buche.

Knospende Buche. Copyright: Thünen-Institut/Tanja Sanders

In den Wäldern kehrt das Grün zurück. Während Ahorn und Hainbuche früh im Jahr ihre ersten Blätter zeigen, lässt sich die Rotbuche traditionell mehr Zeit. Aktuelle Beobachtungen zeigen allerdings einen veränderten Trend: Die Baumart treibt immer früher aus. Steigende Frühjahrstemperaturen verschieben die Vegetationsperiode nach vorne. Im Schnitt beginnt der Austrieb jedes Jahr etwa 0,3 Tage früher. Das belegen Daten der vergangenen 25 Jahre aus dem intensiven forstlichen Umweltmonitoring-Programm Level II.

Die Entwicklung ist nach Ansicht von Forschenden des Thünen-Instituts für Waldökosysteme in Eberswalde, wo Level II koordiniert wird, ein weiteres sichtbares Zeichen des Klimawandels in heimischen Wäldern. „Der verfrühte Austrieb bringt Chancen und Risiken mit. Er verlängert die Wachstumsphase, erhöht aber auch die Gefahr von Spätfrostschäden“, sagt Dr. Tanja Sanders, die am Eberswalder Institut das Level-II-Programm leitet. 

Im langjährigen Durchschnitt beginnt der Austrieb der Rotbuche um den 26. April. Doch regional und selbst zwischen einzelnen Bäumen gibt es große Unterschiede: Im Süden treiben die Buchen früher aus als im Norden. Auch die Höhenlage und die Art und Stärke, wie Bäume den Wettereinflüssen ausgesetzt sind, beeinflussen den Zeitpunkt. Der früheste Austrieb auf den Flächen des Level-II-Monitorings wurde 2017 am 27. März im Steigerwald in Bayern dokumentiert. Die spätesten Austriebe fanden 1998 im Bayerischen Wald und 2010 in Esslingen bei Stuttgart statt – jeweils am 26. Mai. 

Wie wird der Austrieb erfasst? Fachkundige Expert*innen beobachten die ausgewählten Bäume auf 19 Level-II-Flächen in ganz Deutschland mindestens einmal pro Woche und zu zwölf standardisierten Erhebungsbereichen. Unter anderem überprüfen sie den oberen Kronenraum mit Ferngläsern. Um die Erhebungen deutschlandweit vergleichbar zu machen, nehmen die Beteiligten regelmäßig an Vergleichsschulungen teil. 

Hintergrund: Das ist das Level II-Monitoring
Das Level-II-Monitoring ergänzt das Level-I-Monitoring, das die Zustände von Wald und Boden in regelmäßigen Abständen flächenrepräsentativ erhebt. Beide Zustandserhebungen sind Teil des Internationalen Kooperationsprogrammes Wälder (ICP Forests) unter dem Dach der Genfer Luftreinhaltekonvention (CLRTAP). Seit Mitte der 1990er Jahre werden mit Hilfe des Level-II-Monitorings Daten auf 112 Flächen im gesamten Bundesgebiet erhoben. Damit werden ökosystemar ausgerichtete Ursache-Wirkungs-Zusammenhänge im Wald untersucht. Seit 2014 ist das Programm im deutschen Waldgesetz verankert. 

Die Daten werden für interne, auf Anfrage auch für nationale und internationale Auswertungen, zur Verfügung gestellt.

Johann Heinrich von Thünen-Institut


Originalpublikation:

Krause, S., Sanders, T. European beech spring phenological phase prediction with UAV-derived multispectral indices and machine learning regression. Sci Rep 14, 15862 (2024). https://doi.org/10.1038/s41598-024-66338-w

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