VBIO

Gemeinsam für die Biowissenschaften

Werden Sie Mitglied im VBIO und machen Sie mit!

Biotechnologie: Müll zu Wertstoffen umbauen

Fabriken mit Abgasen
Den Kohlendioxidausstoß zu verringern, ist dringend notwendig. Bild: Pixabay

Unser gegenwärtiger Lebensstandard verschlingt Energie und Ressourcen und belastet das Klima durch enormen CO2-Ausstoß. Ein Ausweg könnte die Rückgewinnung von Kohlenstoffdioxid aus Abfallströmen sein. Das würde einen Kreislauf seiner Nutzung ermöglichen. Optionen für eine solche Nutzung umreißt ein internationales Team der Biotechnologie um Prof. Dr. Dirk Tischler von der Ruhr-Universität Bochum in einem Perspektivartikel, der in der Zeitschrift Nature Communications erschienen ist. 

Eine zirkuläre Bioökonomie

„Es geht uns um die Umstellung der Wirtschaft von Öl-basierten Prozessen auf nachhaltige, zirkuläre Bioökonomie“, bringt es Dirk Tischler auf den Punkt. Als mögliche Route mit diesem Ziel beschreiben die Forschenden die biotechnologische Umwandlung von sogenannten C1-Bausteinen wie Methanol, Methan, Ameisensäure oder Kohlendioxid zu Produkten der Wertschöpfungskette. 

Ein Beispiel für einen solchen Prozess wäre etwa die Erzeugung von Methanol aus CO2 oder nachwachsender Biomasse. „In Kombination mit klimafreundlicher Energieversorgung stellt dies eine nachhaltige C1-Quelle dar, die durch sogenannte methylotrophe Organismen – natürlich oder modifiziert – zur Biomassebildung oder Biosynthese von Wertstoffen genutzt werden kann“, erklärt Dirk Tischler. Eine weitere Möglichkeit wäre das Design künstlicher Stoffwechselwege auf dem Reißbrett. Dank der synthetischen Biologie wurden schon zahlreiche zahlreiche enzymatische Lösungen erarbeitet, CO₂ zu fixieren und in wertvolle Bausteine wie Pyruvat für weitere biotechnologische Verfahren umzuwandeln.

Hürden und Synergien

„So können biobasierte Rohstoffströme oder Abgase nutzbar gemacht werden“, sagt Dirk Tischler. Allerdings sind nicht alle Ideen und Konzepte schon auf dem Niveau der Nutzbarmachung oder gar technischen Umsetzung. Vor allem sind viele C1-basierte Prozesse noch zu teuer und damit nicht wirtschaftlich. Im aktuellen Artikel beleuchten die Forschenden die noch bestehenden Hürden und möglichen Synergien verschiedener Konzepte, um Ideen zu fördern, die es erlauben, C1-basierte Wertschöpfungsketten zu etablieren, Umweltprobleme anzugehen, Treibhausemission zu minimieren, und Ressourcen effizienter zu nutzen

Ruhr-Universität Bochum


Originalpublikation:

Giovanni Davide Barone et al.: Industrial applicability of enzymatic and whole-cell processes for the utilization of C1 building blocks, in: Nature Communications, 2025, DOI: 10.1038/s41467-025-60777-3, https://www.nature.com/articles/s41467-025-60777-3

weitere VBIO News
Nano-CT-Modell von Xanthoria parietina einschließlich der Symbionten-Interaktionszone und der Rinde. Algen sind grün, Pilzhyphen grau und die Hyphen der Rindenschicht gelb dargestellt.

Mikrokosmos der Flechten in 3D: Forschende machen Details der Flechtensymbiose sichtbar

Weiterlesen
Borkenkäfer Ips typographus

Pilze entschärfen Fichtenabwehr mit Zucker

Weiterlesen
Die molekulare Darstellung zeigt die Doppelfunktion: Für einen reibungslosen Proteinabbau leitet das Protein SLC26A11 als Transporter den Sulfat-Abfall und als Kanal das anfallende Chlorid aus dem Lysosom heraus in das Zellinnere.

Wie der Transporter SLC26A11 das Recycling in den Zellen in Gehirn und Niere ermöglicht

Weiterlesen