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Die Wüste als Lebensraum – Entstehung, Dynamik und Anpassung

Wüste Namib
Wüste Nabmib; Foto H.-G- Röhling

Wüsten werden häufig mit Hitze, Trockenheit und lebensfeindlichen Bedingungen verbunden. Dabei sind sie keineswegs einfach nur „leere“ Landschaften. Sie sind dynamische Lebensräume, die durch geologische Prozesse und extreme Klimabedingungen geprägt sind und in denen Pflanzen und Tiere erstaunliche Strategien entwickelt haben, um mit Hitze, Wassermangel und einem knappen Nahrungsangebot zurechtzukommen.

Um genau diese Zusammenhänge ging es bei der zweistündigen Online-Veranstaltung „Die Wüste als Lebensraum – Entstehung, Dynamik und Anpassung“, zu der der Dachverband Geowissenschaften (DVGeo) und der Verband Biologie, Biowissenschaften und Biomedizin in Deutschland (VBIO) am 1. Oktober eingeladen hatten. Die Veranstaltung richtete sich vor allem an Lehrkräfte sowie Schülerinnen und Schüler der Sekundarstufe II und verband geowissenschaftliche und biologische Perspektiven auf einen Lebensraum, der im Unterricht meist aus unterschiedlichen Blickwinkeln betrachtet wird.

 

Prof. Michael Dietze von der RWTH Aachen stellte zunächst die geologischen Grundlagen vor. Wüsten gibt es auf allen Kontinenten – überall dort, wo es dauerhaft trocken ist. Dabei spielt es keine Rolle, ob es besonders heiß oder besonders kalt ist. Rund 40 Prozent der Landfläche der Erde bestehen aus Wüsten und Halbwüsten.

Doch Wüste ist nicht gleich Wüste. Sie können unter ganz unterschiedlichen Bedingungen entstehen, etwa durch subtropische Hochdruckgebiete oder im Regenschatten großer Gebirge. Auch das Alter der Wüsten ist sehr unterschiedlich. Die Sahara in ihrer heutigen Ausprägung ist beispielsweise erst rund 5.000 Jahre alt, während die Atacama bereits seit etwa zwölf Millionen Jahren besteht.

Und auch mit einem verbreiteten Bild musste aufgeräumt werden: Wüsten bestehen keineswegs hauptsächlich aus Sand. Nur etwa 20 Prozent ihrer Fläche sind von Sand bedeckt. Den weitaus größeren Anteil machen Fels, Kies und das sogenannte Wüstenpflaster aus. Damit sind Wüsten auch aus geomorphologischer Sicht keineswegs „tote“ Landschaften, sondern ständig in Bewegung.

Besonders anschaulich wurde es beim Thema Wasser. Pflanzen in Wüsten haben ganz unterschiedliche Möglichkeiten entwickelt, längere Trockenzeiten zu überstehen. Manche speichern Wasser, andere reduzieren ihren Wasserverlust oder passen ihren Stoffwechsel an die extremen Bedingungen an. Und wenn nach langer Trockenheit Regen fällt, kann sich eine Wüste innerhalb kurzer Zeit stark verändern: Pflanzen beginnen zu wachsen und zu blühen, und für eine kurze Zeit entsteht ein sehr produktiver Lebensraum.

Wie Tiere mit den besonderen Bedingungen zurechtkommen, erläuterte Dr. Bettina Wachter vom Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung. Ob Termiten, Käfer, Schlangen, Antilopen oder Elefanten – alle müssen Lösungen für die gleichen grundlegenden Probleme finden: Hitze, Wassermangel und wenig Nahrung.

Dabei sind die Anpassungen sehr unterschiedlich. Oryx-Antilopen verfügen beispielsweise über ein ausgeklügeltes Kühlsystem, das ihnen hilft, mit der Hitze umzugehen. Manche Käfer besitzen eine schützende Wachsschicht, die den Wasserverlust reduziert. Andere Tiere nutzen die Möglichkeiten, die ihnen ihr Lebensraum bietet, besonders geschickt und erschließen beispielsweise Graswurzeln als Nahrungsquelle. Elefanten wiederum können mit ihrem sehr guten Geruchssinn unter anderem feuchte Erde und Wasserquellen aufspüren.

In der Diskussion ging es dann auch um die Frage, wie sich Wüsten in Zukunft verändern werden. Wann wird die Sahara beispielsweise wieder grün? Aus der Erdgeschichte wissen wir, dass sie in früheren Zeiten deutlich feuchter war. Eine neue Kaltzeit könnte die Bedingungen erneut verändern. Wie sich die Wüsten allerdings unter dem heutigen Klimawandel entwickeln werden, lässt sich derzeit noch nicht eindeutig beantworten.

Fest steht, dass Veränderungen der Wasserverfügbarkeit Folgen für das gesamte Ökosystem haben. Wenn bestimmte Pflanzenarten aufgrund zunehmender Trockenheit verschwinden, betrifft das auch die Tiere, die von ihnen als Nahrung oder Lebensraum abhängig sind. Wie stark sich solche Veränderungen auswirken werden, ist Gegenstand aktueller Forschung.

Auch eine zunächst einfache Frage führte zu einer interessanten Antwort: Wie viele Nährstoffe stecken eigentlich im Sand? Nicht besonders viele. Anders sieht es beim Staub aus, der in Wüsten vorkommt. Er kann reich an Nährstoffen sein und wird durch den Wind über große Entfernungen transportiert. Damit haben Wüsten sogar Auswirkungen auf weit entfernte Ökosysteme.

Die beiden Vorträge machten deutlich, wie eng Geo- und Biowissenschaften bei der Erforschung von Wüsten zusammengehören. Gleichzeitig wurde deutlich, dass längst nicht alle Fragen beantwortet sind. Gerade das konnten die beiden Wissenschaftler gut vermitteln: Wissenschaft bedeutet nicht, auf alles sofort eine Antwort zu haben. Sie bedeutet auch, Fragen zu stellen, Zusammenhänge zu hinterfragen und immer wieder Neues herauszufinden.

(DVGeo/VBIO)

 

 

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