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Neandertaler-Wachstumshormonrezeptor erhöht Muskelmasse beim modernen Menschen

Zwei Menschen beim Muskeltraining
Bei Erwachsenen hatten Träger der Neandertaler-Variante des Wachstumshormonrezeptors im Durchschnitt rund 270 Gramm mehr Muskelmasse. © WavebreakMediaMicro, Adobe Stock

Wachstumshormone tragen zur Herausbildung des Körperbaus bei. Sie werden von der Hirnanhangsdrüse an der Basis des Gehirns ausgeschüttet und gelangen über den Blutkreislauf in den Körper. Um auf eine Zelle einzuwirken, muss das Hormon an einen Rezeptor auf deren Oberfläche binden und dieser leitet das Signal ins Zellinnere weiter. Ein internationales Team fand heraus, dass die Neandertaler-Version dieses Rezeptors zwei Veränderungen aufweist, die in der beim modernen Menschen am häufigsten vorkommenden Version nicht vorhanden sind. 

Neandertaler waren im Allgemeinen kräftiger gebaut als die meisten heute lebenden Menschen. Ihre Knochen deuten auf eine ausgeprägte Muskulatur hin und sie besaßen charakteristische Merkmale wie deutliche Augenbrauenwülste und kurze Zahnwurzeln.

Wachstumshormon trägt zur Herausbildung des Körperbaus bei, indem es das Wachstum von Muskeln und Knochen reguliert. Es wird von der Hirnanhangsdrüse an der Basis des Gehirns ausgeschüttet und gelangt über den Blutkreislauf in den Körper. Um auf eine Zelle einzuwirken, muss das Hormon an einen Rezeptor auf deren Oberfläche binden. Dieser leitet das Signal ins Zellinnere weiter.

Ein internationales Team unter der Leitung von Hugo Zeberg vom Karolinska Institutet und Philipp Kanis vom Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie fand heraus, dass die Neandertaler-Version dieses Rezeptors zwei Veränderungen aufweist, die in der beim modernen Menschen am häufigsten vorkommenden Version nicht vorhanden sind.

Neandertaler-Variante reagiert stärker auf Wachstumshormon

Die neu veröffentlichte Studie zeigt, dass im Labor gezüchtete Zellen mit dem Neandertaler-Rezeptor stärker auf Wachstumshormon reagieren: Sie wuchsen um 40 Prozent mehr als Zellen mit dem beim modernen Menschen häufigeren Rezeptor. Den Großteil dieser gesteigerten Reaktion führten die Forschenden auf eine der beiden Neandertaler-spezifischen Veränderungen zurück.

Der moderne Mensch hat diese Rezeptorvariante vor rund 47.000 Jahren durch Vermischung mit Neandertalern geerbt. Heute ist sie vor allem in Süd- und Ostasien verbreitet. In manchen südasiatischen Bevölkerungsgruppen tragen bis zu 24 Prozent der Menschen diese Variante in sich, verglichen mit rund 0,5 Prozent der Europäer.

„Mich hat am meisten beeindruckt, dass zwei völlig unterschiedliche Arten von Belegen dieselbe Geschichte erzählen“, sagt Philipp Kanis, Erstautor der Studie und Postdoc am Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie. ”Im Labor gezüchtete Zellen reagierten stärker auf Wachstumshormon, während Daten von mehr als einer Million Menschen Anzeichen desselben Effekts im Körper zeigten. Es ist selten, dass Labor- und Populationsdaten so eindeutig zusammenpassen.“

Unterschiede zeigen sich erst nach der Kindheit

Der Unterschied scheint sich erst nach der Kindheit zu zeigen: Die Forschenden untersuchten die Körpermaße von mehr als 6.000 Kindern und stellten bis zum Alter von elf Jahren keinen Zusammenhang zwischen der Neandertaler-Variante und dem Wachstum fest. Dies deutet darauf hin, dass sich ihre Wirkung möglicherweise erst später, etwa während der Pubertät, bemerkbar macht, wenn der Wachstumshormonspiegel deutlich ansteigt. Bei Erwachsenen hatten Träger der Neandertaler-Variante im Durchschnitt rund 270 Gramm mehr Muskelmasse.

„Als CrossFit-Athletin hat es mich sehr gefreut, Neandertaler-Genetik und Muskelmasse in derselben Studie vereint zu finden“, sagt Co-Autorin Miriam Berreiter. „Aber auch ein Neandertaler-Wachstumshormonrezeptor ist kein Ersatz fürs Training.“

Die Neandertaler-Variante wurde außerdem mit feinen Unterschieden am Schädel und an den Zähnen in Verbindung gebracht. Träger dieser Variante wiesen tendenziell einen etwas kürzeren hinteren Abschnitt des Unterkiefers sowie kürzere Zahnwurzeln auf, was dem typischen Erscheinungsbild der Neandertaler entspricht.

„Es ist faszinierend, dass eine von Neandertalern vererbte genetische Veränderung noch heute Auswirkungen auf den menschlichen Körper haben kann“, sagt Hugo Zeberg, leitender Autor der Studie. „Doch dies ist nur einer von vielen genetischen Einflüssen auf Wachstum und Körperform. Sie kann den Körperbau der Neandertaler nicht allein erklären und bestimmt gewiss nicht das gesamte Erscheinungsbild eines Menschen.“

Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie


Originalpublikation:

Kanis P, Berreiter M, Sieme D et al.: Increased signaling of the Neanderthal growth hormone receptor, Current Biology, 5 August 2026, https://doi.org/10.1016/j.cub.2026.07.025

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