Da Arten verschiedene Formen von Verbreitungsverschiebungen gleichzeitig zeigen können, überlappen sich die Anteile für Ausweitungen, Verkleinerungen und Höhenverschiebungen.
Die Studie ist die bislang größte ihrer Art. Die Forscherinnen und Forscher analysierten 6.182 dokumentierte Verschiebungen aus 105 Ländern und stützten sich auf englisch- und nicht englischsprachige wissenschaftliche Literatur als auch auf 68 Experteneinschätzungen. Geleitet wurde die Studie von Forscherinnen und Forschern der Monash University, des Deutschen Zentrums für integrative Biodiversitätsforschung (iDiv), der Friedrich-Schiller-Universität Jena, und des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung (UFZ).
Die Analyse zeigt zudem deutliche Verschiebungen der Schmetterlingsverbreitung. Horizontale Ausweitungen wurden auf allen Kontinenten festgestellt, besonders häufig in tropischen Ländern. Rückgänge traten öfter in gemäßigten Regionen wie Europa und Nordamerika auf. Höhenverschiebungen wurden fast ausschließlich auf der Nordhalbkugel beobachtet.
„Wir haben festgestellt, dass sich die Verbreitungsgebiete von Schmetterlingsarten auf allen Kontinenten verschieben“, sagt Erstautor Dr. Shawan Chowdhury. Chowdhury ist Alumnus von iDiv, der Universität Jena und des UFZ und arbeitet jetzt an der Monash University in Melbourne. „Das Ausmaß ist erstaunlich – und die Veränderungen finden nicht nur in den gut untersuchten Regionen Europas und Nordamerikas statt.“
Schmetterlinge seien Frühindikatoren, ergänzt Chowdhury: „Wenn sich ihre Verbreitungsgebiete derart dramatisch verändern, deutet das auf tiefgreifende Veränderungen in ganzen Ökosystemen hin.“
Monitoring mit großen Lücken
Die Studie zeigt außerdem, dass Länder die Verschiebungen von Schmetterlingsverbreitungen unterschiedlich gut dokumentieren. In der Tschechischen Republik, Deutschland, Finnland, Luxemburg, Spanien und Schweden – liegen für mehr als die Hälfte der heimischen Arten Daten vor.
In Deutschland breiten sich wärmeliebende Arten wie der Karstweißling (Pieris mannii) oder der Segelfalter (Iphiclides podalirius) durch den Klimawandel aus und bringen aufgrund der längeren warmen Jahreszeit mehr Generationen pro Jahr hervor. Gleichzeitig sind empfindliche Feuchtgebietsarten wie der Hochmoor‑Perlmutterfalter (Boloria aquilonaris) durch die Entwässerung von Mooren und intensive Landnutzung unter Druck. Diese Beispiele zeigen, dass sowohl Klimawandel als auch Landnutzungsintensität die Verbreitung von Schmetterlingen in Deutschland verändern. In den meisten Ländern jedoch wurden mögliche Arealverschiebungen für weniger als zehn Prozent der Arten erfasst, was begrenztes Monitoring und fehlende Daten widerspiegelt.
Durch die Einbeziehung nicht englischer Studien und Expertenwissen konnten die Autorinnen und Autoren einen umfassenden globalen Datensatz erstellen. „Die Arbeit von naturkundlichen Gesellschaften und Schmetterlingsexpertinnen und -experten [waren] enorm wichtig, um globale Muster der Schmetterlingsdiversität besser zu verstehen“, sagt Prof. Aletta Bonn, Forschungsgruppenleiterin am UFZ, bei iDiv und an der Universität Jena.
Dennoch bestehen weiterhin gravierende geografische Datenlücken – insbesondere in Zentralafrika, Südostasien, Neuguinea und im Amazonasbecken, allesamt unterrepräsentierte Regionen, obwohl sie globale Biodiversitäts-Hotspots sind. „Die Studie trägt dazu bei, das Bild auszugleichen, zeigt aber auch den dringenden Bedarf an koordinierten Maßnahmen, um die Monitoring-Bemühungen weltweit auszuweiten“, erklärt Seniorautor Dr. Guy Pe’er von iDiv und dem UFZ. Die Autorinnen und Autoren betonen, dass ohne standardisiertes und mehrsprachiges Biodiversitätsmonitoring Naturschutzmaßnahmen Gefahr laufen, auf einer unvollständigen und verzerrten Datenbasis zu beruhen.
Deutsches Zentrum für integrative Biodiversitätsforschung (iDiv) Halle-Jena-Leipzig
Originalpublikation:
Chowdhury, S., Aich, U., Antão, L.H. et al. Extensive climate-induced range shifts in butterflies across the globe. Nat Ecol Evol (2026). doi.org/10.1038/s41559-026-03117-y




