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Wie Zellen von Seeanemonen wieder einen Organismus bilden

Selbstorganisierendes Zellaggregat in einem frühen Stadium (A) und nach Etablierung der oralen Achse und der Keimblätter.
Selbstorganisierendes Zellaggregat in einem frühen Stadium (A) und nach Etablierung der oralen Achse und der Keimblätter. Copyright: Sanjay Narayanaswamy, Ulrich Technau

Forschende haben einen zentralen Mechanismus entdeckt, der es Seeanemonen ermöglicht, aus ungeordneten Zellhaufen wieder einen vollständig aufgebauten Organismus zu bilden. Die aktuelle Studie zeigt, dass der sogenannte Notch-Signalweg die Organisation von Geweben und die Ausbildung der Körperachse steuert. Die Ergebnisse liefern neue Einblicke in die grundlegenden Regeln biologischer Selbstorganisation und könnten dazu beitragen, besser zu verstehen, wie Gewebe entstehen, organisiert werden und sich nach Störungen regenerieren.

Die Entwicklung von Tieren folgt genetischen Programmen, die die Bildung von Zellen, Geweben und Körperstrukturen steuern. Gleichzeitig sind diese Prozesse erstaunlich robust: Viele Organismen können selbst nach erheblichen Störungen ihre geordnete Körperorganisation wiederherstellen. Wie diese Fähigkeit zur Selbstorganisation molekular gesteuert wird, ist bislang nur teilweise verstanden.

Über die Studie

Das Forschungsteam um Ulrich Technau, Fakultät für Lebenswissenschaften an der Universität Wien, untersuchte, wie Zellaggregate der Seeanemone Nematostella vectensis nach ihrer Trennung wieder einen vollständigen Organismus bilden. Trotz ihres einfachen Körperbaus besitzen Seeanemonen Entwicklungsgene und -mechanismen, die auch bei anderen Tieren vorkommen. Zu diesen evolutionär konservierten Mechanismen gehört auch der Notch-Delta-Signalweg, ein Kommunikationssystem zwischen benachbarten Zellen, das im Mittelpunkt der Studie stand.

Ein einzelner Signalweg koordiniert die Entstehung von Geweben und Körperachse

Werden Seeanemonen-Zellen voneinander getrennt und anschließend wieder zusammengeführt, entsteht innerhalb weniger Tage erneut ein vollständig aufgebauter Organismus. Dabei werden Körperachse und Gewebeschichten in der korrekten räumlichen Anordnung wiederhergestellt – reproduzierbar und ohne Zugabe zusätzlicher Wachstumsfaktoren. Erstautor Sanjay Narayanaswamy konnte zeigen, dass der Notch-Signalweg für diesen Prozess entscheidend ist. Er sorgt dafür, dass sich Zellen korrekt sortieren und unterschiedliche Gewebetypen voneinander abgrenzen. Wird der Signalweg experimentell blockiert, gelingt diese Organisation nicht mehr. Gleichzeitig steuert Notch auch die Ausbildung der Körperachse.

Zusammenspiel zentraler Entwicklungsprogramme

Weitere Experimente zeigten, dass der Notch-Signalweg eng mit dem Wnt-Signalweg zusammenarbeitet, der ebenfalls eine zentrale Rolle bei der Achsenbildung und Körperentwicklung hat. Das Zusammenspiel solcher Netzwerke ermöglicht es biologischen Systemen, auch nach erheblichen Störungen wieder geordnete Strukturen auszubilden.

Relevanz über die Seeanemone hinaus

Die Fähigkeit von Zellen, sich selbst zu organisieren, ist grundlegend für die Bildung und Regeneration von Geweben. Da Notch- und Wnt-Signalwege auch bei vielen anderen Tieren und Menschen vorkommen, reichen die Erkenntnisse über die Biologie der Seeanemone hinaus. "Unser Ziel ist es zu verstehen, warum Nesseltiere mithilfe dieser molekularen Mechanismen, so effizient vollständige Organismen durch Selbstorganisation bilden können", sagt Ulrich Technau. “Wir hoffen, daraus allgemeine Prinzipien der Gewebeorganisation und Regeneration ableiten zu können.”

Universität Wien


Originalpublikation:

Narayanaswamy, S., Haas, F., Haillot, E. et al. Notch coordinates self-organization of germ layers and axial polarity in sea anemone gastruloids. Nat Commun17, 6182 (2026). doi.org/10.1038/s41467-026-74441-x

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