„Die Fossilien zeigen nicht nur, dass diese Pflanzengruppe vor 15 Millionen Jahren im Südosten Chinas existierte“, sagt Eva-Maria Sadowski vom Museum für Naturkunde Berlin. „Sie verbinden auch eine miozäne Pflanzenlinie mit ihren heute lebenden Verwandten. Damit liefern sie wichtige Hinweise darauf, wie sich Pflanzen entwickelt haben und wie vergangene Ökosysteme zusammengesetzt waren.“
Neue fossile Art
Die Fossilien gehören zur Gattung Ayenia (Sektion Vahihara) aus der Familie der Malvengewächse (Malvaceae). Eine der Blüten wird als neue fossile Art Ayenia zhangpuensis beschrieben, das zweite Exemplar wird vorläufig Ayenia sp. zugeordnet. Mithilfe von Lichtmikroskopie und Röntgentomografie konnten die Forschenden die filigranen Blütenstrukturen im Detail untersuchen.
„Die außergewöhnlich gute Erhaltung der Blüten ermöglicht es uns, Merkmale zu erkennen, die bei fossilen Pflanzen nur selten überliefert sind“, sagt Gongle Shi vom Nanjing Institute of Geology and Palaeontology in China. „Die Ähnlichkeit mit heutigen Ayenia-Arten zeigt, dass die grundlegende Blütenstruktur dieser Entwicklungslinie seit mindestens dem Mittleren Miozän bemerkenswert stabil geblieben ist.“
Ein Fenster in einen vergangenen Regenwald
Die Zhangpu-Flora aus der chinesischen Provinz Fujian liefert einen der bedeutendsten Einblicke in ein tropisches Ökosystem des Mittleren Miozäns. Während einer weltweit warmen Klimaperiode beherbergte die Region einen artenreichen Regenwald. Bernsteinfossilien aus dieser Zeit bewahren zahlreiche Pflanzen und Tiere in außergewöhnlicher Detailtreue.
Kletterpflanzen sind im Fossilbericht jedoch besonders schwer nachzuweisen. Ihre filigranen Strukturen zerfallen häufig, bevor sie unter günstigen Bedingungen erhalten bleiben. Deshalb wird ihre Bedeutung für vergangene Waldökosysteme oft unterschätzt. Die neu beschriebenen Blüten ergänzen daher das Bild der Zhangpu-Flora um einen wichtigen Baustein.
Die Entdeckung ist mehr als eine Momentaufnahme eines vergangenen Regenwaldes. Die enge Ähnlichkeit zwischen den fossilen und den heutigen Ayenia-Blüten weist auf eine lange Kontinuität in der Blütenform hin. Gleichzeitig zeigen die Fossilien, wie Bernstein dazu beitragen kann, die Entwicklung von Pflanzen und die Zusammensetzung von Ökosystemen über Millionen von Jahren hinweg zu rekonstruieren.
Partner: Die Studie entstand in Zusammenarbeit von Forschenden des State Key Laboratory of Palaeobiology and Stratigraphy des Nanjing Institute of Geology and Palaeontology, der Chinese Academy of Sciences, der University of Vienna, dem Museum für Naturkunde, Leibniz Institute für Evolutions- und Biodiversitätsforschung, der Freien Universität Berlin, dem Helmholtz-Zentrum Hereon, Museum national d'Histoire naturelle und der University of Chinese Academy of Sciences.
Museum für Naturkunde - Leibniz-Institut für Evolutions- und Biodiversitätsforschung
Originalpublikation:
Xieting Wu, Simon Beurel, Julien B Bachelier, Maria von Balthazar, Jörg U Hammel, Eva-Maria Sadowski, Gongle Shi, Fossil flowers of Ayenia (Malvaceae) preserved in amber: evidence for lianas in Miocene rainforest of southeast China, Annals of Botany, 2026;, mcag220, https://doi.org/10.1093/aob/mcag220




