VBIO

Gemeinsam für die Biowissenschaften

Werden Sie Mitglied im VBIO und machen Sie mit!

Wie Proteine die Informationsverarbeitung im Gehirn steuern

PixabayCC0

Ein kompliziertes Zusammenspiel verschiedener Proteine ist nötig, damit Informationen von einer Nervenzelle zur nächsten gelangen können. Forscherinnen und Forscher unter Leitung der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg (MLU) haben es jetzt geschafft, diesen Prozess in den synaptischen Vesikeln zu untersuchen, die dabei eine wichtige Rolle spielen. Die Studie erschien im Fachjournal "Nature Communications".

Mehrere Milliarden Nervenzellen kommunizieren im Körper miteinander, damit Menschen oder andere Lebewesen ihre Umwelt wahrnehmen und darauf reagieren können. Dabei laufen innerhalb weniger Millisekunden unzählige komplexe chemische und elektrische Prozesse ab. "In den Synapsen der Nervenzellen werden spezielle Botenstoffe - sogenannte Neurotransmitter - freigesetzt, die die Informationen zwischen den einzelnen Nervenzellen übertragen", sagt Jun.-Prof. Dr. Carla Schmidt vom Zentrum für Innovationskompetenz HALOmem an der MLU. Diese Botenstoffe sind in kleine Bläschen, die synaptischen Vesikel, verpackt. Letztere verschmelzen auf einen elektrischen Impuls hin mit der Zellmembran und schütten so die Botenstoffe aus, die wiederum von speziellen Rezeptor-Proteinen der folgenden Nervenzelle erkannt werden. Damit das gelingt, arbeiten zahlreiche Proteine zusammen, sie greifen wie Zahnrädchen in einem Uhrwerk ineinander. Bislang wisse man aber noch zu wenig darüber, wie dieser Prozess im Detail abläuft, sagt Schmidt.

Die Forscherinnen und Forscher untersuchten diesen Prozess nun mit Hilfe einer speziellen Form der Massenspektrometrie. Mit der sogenannten Cross-Linking Massenspektrometrie ist es möglich, die Interaktionsstellen der Proteine zu bestimmen. Dabei werden diese mit einer Substanz vermischt, die Proteine in räumlicher Nähe miteinander verknüpft. Je nachdem, wie die Proteine miteinander wechselwirken, reagiert diese Substanz an unterschiedlichen Stellen. Das Massenspektrometer analysiert die Bindungsmuster, über die sich Rückschlüsse auf die Anordnungen der Proteine ziehen lassen. So konnten die Forschenden verschiedene Stadien der Vesikel untersuchen und auch nachweisen, welche Protein-Netzwerke ausgebildet wurden.

Die Studie aus Halle hilft dabei, den Ablauf der Signalweiterleitung in Nervenzellen im Detail besser zu verstehen. Dieses Wissen über die normalen Prozesse ist die Grundlage, um Fehlfunktionen zu erkennen und zu verstehen, die Krankheiten, wie Alzheimer, auslösen könnten.

MLU


Originalpublikation:

Wittig S. et al. Cross-linking mass spectrometry uncovers protein interactions and functional assemblies in synaptic vesicle membranes. Nature Communications (2021). DOI: 10.1038/s41467-021-21102-w

https://doi.org/10.1038/s41467-021-21102-w

weitere VBIO News
Nano-CT-Modell von Xanthoria parietina einschließlich der Symbionten-Interaktionszone und der Rinde. Algen sind grün, Pilzhyphen grau und die Hyphen der Rindenschicht gelb dargestellt.

Mikrokosmos der Flechten in 3D: Forschende machen Details der Flechtensymbiose sichtbar

Weiterlesen
Borkenkäfer Ips typographus

Pilze entschärfen Fichtenabwehr mit Zucker

Weiterlesen
Die molekulare Darstellung zeigt die Doppelfunktion: Für einen reibungslosen Proteinabbau leitet das Protein SLC26A11 als Transporter den Sulfat-Abfall und als Kanal das anfallende Chlorid aus dem Lysosom heraus in das Zellinnere.

Wie der Transporter SLC26A11 das Recycling in den Zellen in Gehirn und Niere ermöglicht

Weiterlesen