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Spektakulärer Fund: Einblick in die inneren Organe eines Meeressauriers

Fossil des 245 Millionen Jahre alten Meeresreptils Austronaga minuta.
Fossil des 245 Millionen Jahre alten Meeresreptils Austronaga minuta. Quelle: Wei Wang

Ein internationales Forschungsteam hat ein einzigartiges Fossil aus China untersucht und dabei erstmals das Verdauungssystem eines langhalsigen Meeresreptils entschlüsselt. Das Tier lebte vor 245 Millionen Jahren in den Ozeanen. 

Wissenschaftler aus China, Europa und den USA, darunter Dr. Stephan Spiekman, Paläontologe am Naturkundemuseum Stuttgart und an der Universität Hohenheim, haben ein bemerkenswertes Fossil des langhalsigen Meeresreptils Austronaga minuta aus China beschrieben. Obwohl dieser Saurier, der vor rund 245 Millionen Jahren lebte, von landlebenden Reptilien abstammt, war er bereits hervorragend an das Leben im Wasser angepasst. Das fast vollständig erhaltene Fossil ermöglicht erstmals einen detaillierten Blick auf das gesamte Skelett und große Teile des Verdauungssystems dieses urzeitlichen Tieres. Mithilfe moderner Analysemethoden konnten verschiedene innere Organe wie Magen, Leber und Darm eindeutig identifiziert werden. Damit handelt es sich um das bislang älteste bekannte Beispiel eines weitgehend vollständigen Verdauungssystems bei einem Reptil. Die Forschungsergebnisse zu diesem außergewöhnlichen Fund wurden nun in der Fachzeitschrift „Science Advances“ veröffentlicht.

Frühe Anpassungen an das Leben im Wasser:
Langhalsige Meeresreptilien waren in den Meeren des heutigen Chinas zur Zeit der Trias keine Seltenheit, von mehreren Arten sind Fossilien bekannt. Doch das Fossil von Austronaga minuta ist in vielerlei Hinsicht besonders. Das Tier war mit nur 60 Zentimetern Länge zwar recht klein, besaß aber einen auffallend langen Hals und einen langen Schwanz. Beeindruckend ist vor allem, wie gut Austronaga an das Leben im Wasser angepasst war: Er nutzte seinen langen Schwanz als Antrieb, die verlängerten, flossenähnlichen Vorderbeine dienten zum Steuern und Stabilisieren. Die Hinterbeine hingegen waren stark verkürzt und beim Schwimmen kaum noch wichtig. Diese ungewöhnliche Körperform ist überraschend, denn Austronaga ist eng verwandt mit landlebenden Reptilien, den sogenannten Archosauriern, zu denen auch Krokodile und Dinosaurier gehören. Die meisten anderen bekannten Meeresreptilien mit vergleichbarer Schwimmtechnik – wie die Ichthyosaurier oder die riesigen Mosasaurier – stammen dagegen aus ganz anderen Reptiliengruppen.

„Die Archosaurier und ihre Vorfahren waren zur Zeit der Dinosaurier die artenreichste Gruppe der Landreptilien, doch wir gingen stets davon aus, dass ihre Anpassung an das Leben im Meer begrenzt war. Die Entdeckung von Austronaga zeigt jedoch, dass frühe Vertreter dieser Linie bereits komplexe Anpassungen an das Leben in den Ozeanen entwickelt hatten – vergleichbar mit denen anderer, bekannterer Gruppen fossiler Meeresreptilien“, so Dr. Stephan Spiekman, Spezialist für langhalsige Meeresreptilien und Co-Autor der Studie.

Einzigartiger Blick ins Innere eines Meeressauriers:
Zwischen den Rippen des Fossils stießen die Forschenden auf dunkle Flecken, die sich bei genauerer Untersuchung als Überreste des Verdauungstraktes herausstellten, was wissenschaftlich von besonderer Bedeutung ist. Mithilfe verschiedener Untersuchungsmethoden, darunter UV-Licht-Fotografie und Massenspektrometrie, konnten die Forschenden erstmals mehrere innere Organe eindeutig identifizieren. 

„Im Vergleich zur hochspezialisierten Körperform von Austronaga scheinen seine inneren Organe weniger verändert zu sein. Zu den erhaltenen Organen gehören ein großer, sackartiger Magen im vorderen Bereich, gefolgt von einer auffallend roten Leber, in der noch Spuren des Blutfarbstoffs Hämoglobin nachweisbar sind. Dahinter befindet sich ein langer, einfacher Schlauch, der den Dünn- und Dickdarm bildet. Die Gesamtanordnung zeigt, dass das Verdauungssystem von Austronaga relativ einfach aufgebaut war“, sagt Dr. Wei Wang, Hauptautor der Studie und Experte für Meeresreptilien am Institut für Wirbeltierpaläontologie und Paläoanthropologie in Peking. „Dieses Fossil ist das älteste bekannte Beispiel für ein weitgehend vollständiges Verdauungssystem eines Reptils.“

„Während heutige Vögel und Krokodile einen zweigeteilten Magen besitzen, hatte Austronaga nur eine einzelne Magenkammer. Das zeigt, dass die Mägen der Archosaurier zunächst recht einfach strukturiert waren und sich erst später im Laufe der Evolution weiterentwickelten“, erklärt Dr. Nick Fraser von den National Museums Scotland, einer der Autoren der Studie. „Auffällig ist auch, dass Austronaga über einen recht kurzen und unkomplizierten Verdauungskanal verfügte – ganz ähnlich wie ihn heutige fischfressende Reptilien besitzen.“

Gemeinsame Pressemitteilung des Staatlichen Museums für Naturkunde Stuttgart und der Universität Hohenheim


Originalpublikation:

Wei Wang, Nicholas C. Fraser, Stephan N. F. Spiekman, Zhiheng Li, Olivier Rieppel, Hong Lei, Torsten M. Scheyer and Chun Li: Highly aquatic marine stem archosaur with soft tissue preservation, Science Advances.
DOI: 10.1126/sciadv.aeb7528, http://www.science.org/doi/10.1126/sciadv.aeb7528

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